Oberhausener Gemeinde öffnet sich nicht nur am Schabbat

Der neu gegründete Freundeskreis im Foyer der Liberalen Jüdischen Gemeinde „Perusch“ mit den beiden Vorsitzenden (v.re.) Desbina Kallinikidou, Claudia Wädlich, Schatzmeisterin Gerda Binner, Dr. Günther Holtmeyer und Lev Schwarzmann, dem Vorstandsvorsitzenden von „Perusch“.
Der neu gegründete Freundeskreis im Foyer der Liberalen Jüdischen Gemeinde „Perusch“ mit den beiden Vorsitzenden (v.re.) Desbina Kallinikidou, Claudia Wädlich, Schatzmeisterin Gerda Binner, Dr. Günther Holtmeyer und Lev Schwarzmann, dem Vorstandsvorsitzenden von „Perusch“.
Foto: Funke Foto Services
„Perusch“, die Liberale Jüdische Gemeinde, hat jetzt einen als Verein eingetragenen Freundeskreis. Die kleine Gemeinde setzt auf Hilfe ihrer Förderer.

Oberhausen.. Das Logo des neuen Vereins ist gestaltet wie „Hamsa“, jenes Glücks-Amulett in Form einer Hand, das im Judentum ebenso verbreitet ist wie in der arabischen Welt. Hier trägt die Hand den schwungvoll stilisierten Leuchter, das Emblem der Liberalen Jüdischen Gemeinde: „Von einem Freundeskreis haben wir seit zehn Jahren geträumt“, sagt Lev Schwarzmann, der Vorstandsvorsitzende von „Perusch“, der Gemeinde am Friedensplatz. „Jetzt ist es gelungen. Wir brauchen Hilfe und Unterstützung.“

Bereits im August des Vorjahres hatten sich 18 Gründungsmitglieder zusammengefunden. Inzwischen ist der Verein eingetragen – und ein hochkarätiges Konzert bietet die Gelegenheit, sich allen Oberhausenern bekannt zu machen. Denn bei der Bekanntheit besteht Nachholbedarf – obwohl „Perusch“ ein reges Gemeinde- und Kulturleben pflegt und sich so gerne wie unkompliziert auch der Mehrheitsgesellschaft öffnet. Dr. Günther Holtmeyer vom neuen Vorstand betont: „Es ist eine Besonderheit dieser Gemeinde, wie offen sie ist.“ Der Rentner kann vergleichen: Er engagiert sich seit Jahren auch in Moschee-Führungen und bei der türkischen Gemeinde Oberhausens.

„Perusch“ ist das Gegenteil einer Parallel-Gesellschaft

Desbina Kallinikidou vom städtischen Büro für Interkultur weiß als erste Vorsitzende des neuen Freundeskreises: „Perusch“ ist das Gegenteil einer Parallel-Gesellschaft. „Sie können hier freitags an jeder Schabbat-Feier teilnehmen“, ergänzt ihre Stellvertreterin Claudia Wädlich. „Man freut sich über Menschen anderer Religionen.“

Schließlich lebt die liberale Gemeinde selbst Multikultur: Ihre Rabbinerin Natalia Verzhbovska hält die Gottesdienste dreisprachig – hebräisch, russisch und deutsch. „Und unser Chor Rina singt in zehn Sprachen“, versichert Lev Schwarzmann. Außerdem pflegt die Gemeinde neben geschliffenem Gesang auch Theater und Tanz – der kleine Gemeindesaal hat deshalb eine Spiegelwand. Denn anders als wohl die meisten jüdischen und auch christlichen Gemeinden hat „Perusch“ mehr Aktive als eingeschriebene Mitglieder.

„Unsere Angebote nutzen auch Angehörige der Einheits-Gemeinde“, erklärt Lev Schwarzmann. Manchmal sei es eben der gemeindeeigene Friedhof, der sie bei der rund 2600 Mitglieder zählenden Großgemeinde Duisburg-Mülheim-Oberhausen bleiben lässt.

Der Traum von einer eigenen Synagoge

108 Gemeinden in Deutschland sind unter dem Dach des Zentralrats der Juden als – meist mitgliederstärkere und konservativ geprägte – Einheitsgemeinden organisiert. Die 25 Gemeinden der Union Progressiver Juden sind überwiegend Gründungen der letzten beiden Jahrzehnte. Körperschaften öffentlichen Rechts sind beide Verbände.

„Wir sind so arm wie die Synagogenmäuse“, sagt Lev Schwarzmann. Der Freundeskreis soll also ebenso Förderverein sein wie Brückenbauer zur Mehrheits-Gesellschaft. Und dass es selbst für eine kleine Gemeinde möglich ist, den Traum von einer eigenen Synagoge zu verwirklichen, zeige „haKochaw“, jene Gemeinde in Unna, in der Natalia Verzhbovska ebenfalls als Rabbinerin wirkt.

 
 

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