Oberhausener erhebt schwere Vorwürfe gegen Polizeibeamte

In Handschellen will Willy C. (Name geändert) nicht abgeführt, sondern weggeschleift worden sein.
In Handschellen will Willy C. (Name geändert) nicht abgeführt, sondern weggeschleift worden sein.
Foto: Waz FotoPool
Ein Oberhausener erhebt Vorwürfe gegen zwei Polizeibeamte: Die Männer hätten ihn niedergeschlagen und mit Handschellen weggeschleift. Die Beamten erklären, der Mann habe sich widersetzt, als sie die Personalien aufnehmen wollten. Sie seien auch verletzt worden. Einer der Beamten sei arbeitsunfähig.

Oberhausen.. Der Oberhausener Willy C.* (Name geändert) versteht das einfach nicht. „Ich habe doch die Polizei gerufen“, sagt er. Jetzt sitzt er da, hat Schmerzen und einen Befund des Evangelischen Krankenhauses zur Hand. Das Schriftstück bescheinigt ihm: drei gebrochene Rippen, Schürfwunden im Gesicht, zwei große Hämatome. Willy C. sagt, dass Polizeibeamte ihn so zugerichtet haben. Die beiden Polizeibeamten wiederum, mit denen es der früherer Gymnasiallehrer zu tun bekam, sind ihrerseits verletzt. Einer sogar so schwer, dass er arbeitsunfähig ist. Das sagt Polizeisprecher Andreas Wilming-Weber.

Was am Donnerstag (28.11.) gegen 16.36 Uhr an der Schwartzstraße geschah, schildern die Parteien jede auf ihre Art. Der 58 Jahre alte Willy C. erzählt: „Ich war erst auf dem Weihnachtsmarkt in der Innenstadt und bin danach mit dem Fahhrad zu meiner Lieblingspommesbude an der Schwartzstraße gefahren.“ Dort ärgerte er sich mal wieder über Autos, die auf dem Radweg parkten. Willy C. hatte die Pappe auf. Er rief die Polizei.

Schwerbehindertenausweis gezeigt

„Nach zehn Minuten kam ein Polizeiwagen“, sagt er. Die Polizeibeamten fragten nach Willy C.s Personalien. „Ich habe ihnen meinen Schwerbehindertenausweis gezeigt“, sagt er. Aber der reichte den Beamten nicht. Sie wollten seinen Personalausweis sehen. Deshalb kam es laut Willy C. zu einem Gerangel um sein Portemonnaie, in dem der Schwerbehindertenausweis gesteckt hatte. Darin vermuteten die Polizei wohl auch den Personalausweis, glaubt der Oberhausener.

Was als nächstes geschah, klingt nach Willy C.s Schilderung dramatisch. Der Mann, der an Bluthochdruck leidet, erzählt es auch sichtlich bewegt und atemlos. Einer der Polizisten warf Willy C. zu Boden. Drückte ihn auf die Erde, legte dem Mann Handschellen an. Die Streifenwagenbesatzung forderte Verstärkung an. Weitere Polizisten erschienen. Willy C. sagt: „Sie haben mich mit dem Gesicht auf dem Boden zum Polizeiwagen geschleift.“

Alkoholkontrolle

Er landete im Polizeigewahrsam. Dort saß er geschätzte zweieinhalb Stunden. „Mit großen Schmerzen.“ Ein Arzt kam lediglich, um eine Blutprobe zu entnehmen. Weil nämlich die Polizei den Verdacht hegte, dass Willy C. alkoholisiert mit dem Rad unterwegs gewesen war.

„Ja, ich hatte auf dem Weihnachtsmarkt Alkohol getrunken“, gesteht der 58-Jährige, der kurz nach der Blutentnahme nach Hause gehen durfte. Aber von der Pommesbude aus hätte er doch sein Fahrrad nach Hause schieben können.

Doch eben die Fahne, die der Radfahrer Willy C. nach seinem Weihnachtsmarktbesuch hatte, machte die Polizisten misstrauisch. „Sie dachten, der Mann sei alkoholisiert mit dem Fahrrad gefahren“, sagt Wilming-Weber. Deshalb wollten die Polizisten die Identität Willy C.s feststellen. Willy C. leistete Widerstand. Die Polizeibeamten wurden verletzt. Mehr will die Polizei zu dem laufenden Verfahren nicht sagen. „Was genau passiert ist, wird ja jetzt ermittelt“, sagt Wilming-Weber. Gegen Willy C. liegt jedenfalls eine Anzeige wegen Widerstands gegen Polizeibeamte vor. Alles weitere entscheidet im Anschluss an die polizeilichen Ermittlungen die Staatsanwaltschaft. Auch ob es zu einer Gerichtsverhandlung kommt.

Willy C. selbst will zunächst seine Anhörung bei der Polizei abwarten. Dann will er entscheiden, ob er sich einen Rechtsanwalt nimmt.

*Name von der Redaktion geändert

Kommentar

Da sagt ein Oberhausener, Polizisten hätten ihn zusammengeschlagen. Der Mann kann auch einen ärztlichen Befund vorlegen, der ihm u.a. drei gebrochene Rippen bescheinigt.

Ein Polizeisprecher wiederum erklärt, eben dieser Oberhausener habe die beiden Polizeibeamten verletzt. Beide hätten im Krankenhaus behandelt werden müssen. Einem Beamten sei sogar Arbeitsunfähigkeit bescheinigt worden.

Eine durch und durch unschöne Angelegenheit. Nicht nur, weil gebrochene Rippen äußerst schmerzhaft sind. Was die Blessuren der Polizeibeamten auch sein dürften. Beide Parteien stehen nun zudem unter Verdacht. Der Oberhausener, der zugibt, einiges an Alkoholika genossen zu haben, könnte betrunken Rad gefahren sein und auf die Polizeibeamten eingeschlagen haben. Andererseits könnten die Polizisten überreagiert und den Mann zu Boden geprügelt haben. Was genau passiert ist, muss geklärt werden.

Fest steht, zu viel Alkohol spielt bei Auseinandersetzungen häufig eine Rolle. Und: Tief ins Glas zu schauen, aufs Fahrrad zu steigen und dann die Polizei zu rufen, ist auch wohl keine so richtig gute Idee.

 

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