Oberhausener Drogensüchtige immer älter und kränker

Heroin-Ersatz: Die Klienten im Methadon-Programm werden immer älter. Die Stadt rechnet mit verstärkter Betreuung in Pflege- oder Altenheimen.
Heroin-Ersatz: Die Klienten im Methadon-Programm werden immer älter. Die Stadt rechnet mit verstärkter Betreuung in Pflege- oder Altenheimen.
Foto: picture-alliance/ dpa
Wer Heroin süchtig ist, kann mit der Ersatzdroge Methadon länger leben, ist aber auch immer kränker. Die Stadt Oberhausen betreut immerhin über 200 Methadon-Klienten, die über 40 Jahre alt sind. Was die Drogenberater besorgt: Jugendliche kiffen immer früher und regelmäßiger.

Oberhausen. Während die Zahl der Drogentoten in NRW leicht gesunken ist, verzeichnet die Oberhausener Drogenberatungsstelle steigende Zahlen: Im Jahr 2012 verstarben zwölf Personen, die Klienten der städtischen Einrichtung waren; 2007 waren es noch zwei. In NRW starben an Drogen 2012 über 3240 Menschen, im Jahre 2011 waren es noch 3280.

Wer kifft, nimmt auch andere Drogen

Zudem werden die von der Stadt Oberhausen betreuten Drogensüchtigen, die die Heroin-Ersatzdroge Methadon erhalten, immer älter: Während die Fachstelle Substitution (Methadon-Programm) im Jahr 2005 noch 30 Klienten in der Altersgruppe 40 bis 53 Jahre betreute, waren es 2013 bereits 220 Klienten in der Altersgruppe 40 bis 61 Jahre. Fast die Hälfte der im Drogenersatz-Programm befindlichen Personen ist also über 40 Jahre alt.

Die Substitutionsbehandlung bedeutet für viele zwar eine höhere Lebenserwartung, dennoch bleibt der Missbrauch nach Erfahrung der Drogenberater nicht ohne Folgen. Die oft Jahrzehnte bestehende Suchterkrankung führe bei den Betroffenen zu schweren gesundheitlichen Folgeerkrankungen.

Einen weiteren Trend macht die Beratungsstelle in den vergangenen Jahren aus: die starke Zunahme von Patienten mit cannabisbezogenen Störungen. Auffällig sei hierbei, dass der Haschisch-Erstkonsum häufig schon zwischen dem 13. und 15. Lebensjahr erfolge. Konsumenten, die mit 18 oder 20 Jahren die Beratungsstelle aufsuchten, hätten somit oft einen Drogenmissbrauch von bis zu sieben Jahren hinter sich.

Schneller Einstieg und regelmäßiger Konsum

Noch beunruhigender für die Drogenberater ist nach Angaben der Stadt, dass Jugendliche nicht nur früh einsteigen, sondern auch sehr schnell regelmäßig kiffen. Wer Haschisch rauche, werfe zudem oft auch die synthetische Droge Speed ein oder trinke viel Alkohol.

Der Missbrauch macht sich bei Jugendlichen nach den Erfahrungen der Drogenberatungsstelle früh bemerkbar: Ihre Entwicklung ist verzögert, sie werden schnell aggressiv – oder brechen gar ihre Ausbildung ab. Manchmal fallen die jungen Leute durch psychische Störungen auf. „Die Eltern fühlen sich mit dieser Situation völlig überfordert“, erzählen die Berater.

Trotz aller Experimente mit Haschisch und synthetischen Drogen halten die städtischen Experten fest: Alkohol ist nach wie vor die meist konsumierte Droge – in allen Altersgruppen. Dabei sei für mehr als 2000 Erkrankungen sowie 80 Arten von Unfällen und Verletzungen bekannt, dass bei riskantem Alkoholkonsum ein erhöhtes Todesrisiko bestehe. Dennoch glaubten insbesondere junge Menschen, weil Alkohol nicht verboten sei, könne er auch nicht gefährlich für sie sein.

 
 

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