Oberhausener Chefs  wollen Wehrleute nicht mehr freistellen

Abwägen zwischen Job und Ehrenamt müssen viele Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr.
Abwägen zwischen Job und Ehrenamt müssen viele Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr.
Foto: Fischer / WAZ FotoPool
Freiwillige Feuerwehrleute bekommen bei Alarmierungen zu Arbeitszeiten zunehmend Probleme. Denn immer mehr Arbeitgeber legen sich quer, wenn es um Freistellung ihrer Beschäftigten geht. Eine Aufstockung der Löschzüge könnte die Lösung sein, so ein Sprecher.

Oberhausen.. Immer weniger Arbeitgeber wollen ihre Mitarbeiter für Einsätze bei der Freiwilligen Feuerwehr in Oberhausen freistellen. „Die Akzeptanz für diesen ehrenamtlichen Einsatz schwindet“, hat Klaus Peter, Sprecher der Freiwilligen Feuerwehr Oberhausen, beobachtet. Beim Löschzug der Freiwilligen Feuerwehr in Sterkrade etwa stehen bei Einsätzen zu regulären Arbeitszeiten von 30 Mitgliedern im Durchschnitt deutlich weniger als die Hälfte zur Verfügung. „Das waren vor zehn Jahren noch spürbar mehr“, so Zugführer Detlef Heweling.

Wenn dieser Trend anhalte, könne es in Zukunft durchaus sinnvoll sein, die vier Löschzüge personell aufzustocken, um im Alarmfall stets eine ausreichende Mannstärke sicherzustellen, so Peter.

Kommune entschädigt Arbeitgeber

Dass ein Freiwilliger Feuerwehrmann nach einem Einsatz gefeuert wird – wie zuletzt Ende 2011 – sei jedoch ein absoluter Ausnahmefall, ist von allen Seiten unisono zu hören. Damals war einem Elektromeister nach einem Einsatz für die Freiwillige Feuerwehr in Oberhausen-Mitte gekündigt worden (die NRZ berichtete). „Es gibt aber schon Kollegen, bei denen der Chef ganz genau hinguckt und wo es auch schon mal einen markigen Spruch zu hören gibt“, so Mark Seidler, Zugführer vom Oberhausener Löschzug Süd. „In einem Vier-Mann-Betrieb überlegt man sich dann ganz genau, ob man bei einem Alarm gerade gehen kann oder nicht.“

Dabei ist die Angelegenheit aus rechtlicher Sicht eindeutig. Denn Arbeitgeber sind dazu verpflichtet, freiwillige Feuerwehrleute für die ehrenamtlichen Einsätze freizustellen. Für die entfallenden Arbeitszeiten erhalten sie im Umkehrzug eine Entschädigung von der betreffenden Kommune. Die Stadt Oberhausen gibt pro Jahr 5000 bis 6000 Euro dafür aus.

Von Fall zu Fall entscheiden

„Wenn aber ein wichtiger Terminauftrag nicht fertig wird, weil der Monteur zur Feuerwehrwache musste, hilft diese Zahlung dem Unternehmen nicht viel weiter“, zeigt Klaus Peter Verständnis für die Arbeitgeberseite. „Der Wettbewerbsdruck nimmt ja überall zu.“ Er rät seinen Kollegen daher, von Fall zu Fall zu entscheiden. „Nach einem Alarm sind wir in Kontakt, so dass jeder abschätzen kann, ob es ein Großeinsatz ist oder eher ein kleinerer Vorfall.“

Auch die vielen Kollegen, die jenseits der Stadtgrenzen arbeiten, müssten stets überlegen, ob ein Einsatz aus Zeitgründen überhaupt sinnvoll sei. „Wenn ich im Berufsverkehr von Krefeld nach Oberhausen muss, ist das Feuer wahrscheinlich schon aus, ehe ich eintreffe.“

 
 

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