Oberhausener beherrscht alles von Gala bis zur Straßenmusik

Allround-Musiker Joe Doll kann Gesangs-Aufnahmen auch Zuhause am Rande des Alsbachtals einsingen: Zur Ausstattung gehören ein 1a-Mikrofon und digitale Schnittstellen im Heimstudio.
Allround-Musiker Joe Doll kann Gesangs-Aufnahmen auch Zuhause am Rande des Alsbachtals einsingen: Zur Ausstattung gehören ein 1a-Mikrofon und digitale Schnittstellen im Heimstudio.
Foto: Christoph Wojtyczka
  • „Zucker und Salz“ heißt das erste deutschsprachige Album von Joe Doll: Es ist ein Genuss
  • Der Sterkrader fand im Münsteraner Bassisten Jürgen Knautz einen 1a-Jazzer als Kompagnon
  • Als Gesangslehrer, Stummfilm-Pianist und Jazz-Crooner ist Joe Doll gewandter Multitasker

Sein musikalischer Kompagnon dümpelte „tiefenentspannt“, wie Joe Doll ein bisschen neidisch sagt, unter der Sonne des Mittelmeeres. Jürgen Knautz hatte mit einem achtwöchigen Engagement auf der luxuriösen MS Europa das große Los gezogen. Und während der fulminante Jazz-Bassist gut betuchte Kreuzfahrer unterhielt, machte sich sein Oberhausener Kollege ein bisschen verrückt über letzte Details ihrer gemeinsamen CD-Produktion: Stimmt die Abmischung, sind alle Texte gut verständlich?

„Ein paar Platten hatte ich schon gemacht.“ Acht Alben nennt die Discographie auf seiner Homepage. „Aber noch nicht sowas“ – nämlich elf neue Songs mit eigenen deutschen Texten. Das Ergebnis heißt „Zucker und Salz“; das Duo der beiden Brillenträger Joe Doll und Jürgen Knautz firmiert unter „Gleitsicht“ – wenn das mal kein Marketing-Makel erster Güte ist . . .

Der Sterkrader nennt das zwischen Soul-Jazz und in vielen Pop-Farben changierende Album „ein tolles Andenken: Diese Songs können wir auch in zehn Jahren noch spielen.“ In zeitloser Qualität tänzeln die Einspielungen schmeichlerisch ins Gehör. „Mit den Texten hatte ich lange zu tun“, räumt Joe Doll ein, der spätberufene Liedtexter. Dabei gelang ihm ein seltenes Kunststück: Jene Eleganz, mit der lange vor ihm die Autoren des Great American Songbook den Alltag vergoldeten, für die vermeintlich so schwergängige deutsche Sprache zu übernehmen.

Erste Klavierstunden mit neun Jahren

Der abgebrochene Student der Kunstgeschichte ist eben gereift zu einem Allrounder an (E-)Piano, Akkordeon, Mundharmonika und Gesangsmikrofon. Die ersten Klavierstunden mit neun, die ersten Tourneen bis ins nahe Europa mit der „Boom Band“ während des Studiums. „So kam eins zum anderen“, sagt der zunächst von Blues und Soul Begeisterte. „Heute sehe ich meinen Schwerpunkt im Jazz.“

Das berufliche Standbein bietet dem spielfreudigen Multitasker seit 18 Jahren eine Dreifünftel-Stelle als Gesangslehrer an der Herner Musikschule. „Menschenkenntnis gehört dazu“, sagt Joe Doll. „Als Sänger muss man tief in sich hinein hören, den Schülern die Körperlichkeit beibringen.“ Hernes städtische Musikschule sei ein Solitär im mittleren Ruhrgebiet – mit großem Einzugsgebiet und fünf Big Bands.

Wunsch des Stummfilm-Pianisten

Das Stichwort für eines der vielen Spielbeine des Musikers, der vom Feierabendmarkt bis zum Galaabend keine Bühne scheut: Seit 13 Jahren ist Joe Doll der von Hans Steinmeier dirigierten Big Band des Landespolizeiorchesters NRW verbunden. „Für die Galas holen sie Richetta Manager ins Gebäude“, Joe Doll zupft verwegen an seiner Schiebermütze, „für die Straßen- und Schmutzarbeiten holen sie mich“. Im Ernst: Am Gesangsmikrofon vor einem satten Bläserdutzend zu stehen, schwärmt der Routinier, sei einzigartig. „Diese Big Band ist echt super!“

Schließlich hat der Nostalgisch-Stilbewusste auch noch den Stummfilm für sich entdeckt. Er improvisiert auf den Tasten zu den „Kleinen Strolchen“ und notiert sich für die großen Zelluloid-Dramen des Expressionismus die Szenenfolge auf große Bögen. Nur einen Wunschfilm hat er noch nicht für eine öffentliche Vorführung auftreiben können: „Der Panzerkreuzer Potemkin – das wär’s.“

 
 

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