Oberhausener Bank-Vorstände wegen dubioser Kreditgeschäfte angeklagt

Zwei Ex-Vorstände der Oberhausener Sparkasse sind jetzt angeklagt worden.
Zwei Ex-Vorstände der Oberhausener Sparkasse sind jetzt angeklagt worden.
Foto: WAZ FotoPool
Dubiose Krteditgeschäfte: Weil sie den Risikoausschuss als Aufsichtsratsgremium der Sparkasse 2010 mit einem Trick hintergangen und Unternehmen Kredite in Millionenhöhe genehmigt haben sollen, müssen sich nun zwei Ex-Sparkassen-Leiter aus Oberhausen verantworten. Ihnen drohen Freiheitsstrafen.

Oberhausen. Im Zuge der umfangreichen jahrelangen Ermittlungen zu dubiosen Kreditgeschäften der Oberhausener Stadtsparkasse hat die Staatsanwaltschaft Düsseldorf jetzt eine erste Anklage erhoben.

Im Visier stehen nach WAZ-Informationen zwei frühere Vorstände der Sparkasse, denen Untreue im besonders schweren Fall vorgeworfen wird. Das maximale Strafmaß liegt bei zehn Jahren Freiheitsentzug. Einem Ex-Abteilungsleiter wird Beihilfe vorgeworfen. Die Sparkasse äußert sich aufgrund des laufenden Verfahrens nicht.

SUJ und Phoenix im Fokus

Im Fokus der am Landgericht Duisburg vorliegenden Anklage steht aber nicht der bekannte Fall „Sport-Concept“. Es geht diesmal um einen anderen Millionen-Kredit an die 2011 insolvent gegangene Waltroper Stanz- und Umformtechnik Jancer (SUJ) und um die Beteiligung der Oberhausener „Phoenix Beratungsgesellschaft“. Vorgeworfen wird den Ex-Sparkassen-Leitern, den Risikoausschuss als Aufsichtsgremium der Sparkasse 2010 mit einem Trick hintergangen zu haben.

Im November 2010 hatte die Firma SUJ bereits über 2,5 Millionen Euro Kreditschulden bei der Sparkasse. Der auch mit Politikern besetzte Risikoausschuss der Sparkasse, der Großkredite genau anschauen muss, fand es damals zu heikel, der Waltroper Firma weitere Kredite zu gewähren. Am 8. Dezember 2010 sollen die Mitglieder daher nur noch einem Sanierungsplan für SUJ zugestimmt haben.

Kredite wurden abgeschrieben

An diesem Punkt kommt die damals im Haus der Sparkasse an der Marktstraße sitzende „Phoenix Beratungsgesellschaft“ ins Spiel. Zu ihren Geschäftsfeldern gehörte, die Liquidität von Firmen zu beurteilen, bevor die Sparkasse Kredite gewährt. Phoenix übernahm für die SUJ die Sanierungsberatung.

Laut Anklage sollen die beiden Phoenix-Chefs aber einen Schritt weiter gegangen sein: Am 22. Dezember 2010 hätten sie für Phoenix einen Kredit über 600.000 Euro beantragt, den die Sparkasse erstaunlicherweise trotz niedriger Sicherheiten von 100.000 Euro gewährt habe. Dieser Kredit wurde nach Darstellung der Staatsanwälte aber an die SUJ gezahlt. Dazu gibt es zwei Versionen: Entweder habe Phoenix das Geld von der Sparkasse erhalten und an die SUJ weitergegeben oder die Sparkasse habe sogar der SUJ den Kredit direkt ausgezahlt, heißt es.

Erst Ende 2011 zog die Sparkasse endgültig die Reißleine, noch am selben Tag meldete SUJ Insolvenz an. Die Sparkasse musste die Kredite abschreiben, denn zu holen war bei der Waltroper Firma praktisch nichts mehr. Die Anklage bezieht sich zwar nur auf die zuletzt gezahlten 600.000 Euro Kredit; der Schaden bei der Sparkasse soll aber bei einem hohen einstelligen Millionenbetrag gelegen haben.

 
 

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