Oberhausen will elf Schulen schließen

Auch die Hauptschule St. Michael ist von den Plänen betroffen. Ab 2013 soll die katholische Bekenntnisschule keine neuen Schüler mehr aufnehmen. Foto: Gerd Wallhorn
Auch die Hauptschule St. Michael ist von den Plänen betroffen. Ab 2013 soll die katholische Bekenntnisschule keine neuen Schüler mehr aufnehmen. Foto: Gerd Wallhorn
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Bisher gab es von der Oberhausener Stadtspitze nur vage Andeutungen, doch jetzt steht fest: Elf Schulen sollen wegen sinkender Kinderzahlen schrittweise geschlossen werden. Jetzt erwartet die Politik scharfe Proteste.

Oberhausen. Bisher übte sich die Stadtspitze bei diesem heiklen Thema nur in vagen Andeutungen, doch jetzt scheint klar: In Oberhausen sollen nach dem Willen der Verwaltung in den nächsten fünf Jahren wegen sinkender Kinderzahlen acht Grundschulen (von 39) und drei Hauptschulen (von heute vier) geschlossen werden - insgesamt elf Schulen. Sie sollen schrittweise auslaufen.

Damit werden deutlich mehr Schulen verschwinden als öffentlich angedacht wurde. Jetzt erwartet die Politik scharfe Proteste: Die katholische Kirche meldet bereits heftigen Widerstand an. Alle Gymnasien, Real- und Gesamtschulen in der Stadt können aber weiter existieren.

Rückgang der Schüler

„Uns bleibt nichts anderes übrig, als Schulen zu schließen. Wir machen das nicht aus Willkür, sondern folgen Notwendigkeiten, weil die Zahl der Kinder so stark zurückgeht“, sagt Schuldezernent Reinhard Frind. Die Zahl der derzeit 2000 Grundschüler pro Jahrgang reduziert sich bis 2015 um 250 Schüler - das sind immerhin zehn Klassen.

Und das schlägt die Verwaltung in ihrem neuen Schulentwicklungsplan bis 2015 vor:

Grundschulen: Keine neuen Schüler für 2012/13 mehr aufnehmen sollen die Vennepoth-Grundschule (Mühlenstraße 31) in Dümpten, die Josef-Grundschule (Duisburger Straße 194) in Alt-Oberhausen, die Tackenbergschule (Tackenbergstraße 65) in Osterfeld und die katholische Schule St. Martin (Friedenstraße 36) in Alt-Oberhausen.

An vier Standorten in der Stadt nutzen zwei Grundschulen ein Gebäude: Eine Gemeinschafts-Grundschule und eine katholische Bekenntnisschule. Die Schulen an diesen Doppel-Standorten sollen zusammengelegt werden: Die Grundschule Schmachtendorf mit der Dunkelschlagschule (Oranienstraße 57), die Emscherschule mit der Katharinenschule (Wunderstraße 15) in Lirich, die Astrid-Lindgren-Schule mit der Johannesschule (Stiftstraße 22) in Alt-Oberhausen, die Dietrich-Bonhoeffer- mit der Kardinal-von-Galen-Schule (Siedlerweg 30) in Tackenberg.

Bei Fusionen können Eltern abstimmen darüber, ob die neue Grundschule katholische Bekenntnisschule oder städtische Gemeinschaftsschule wird. Üblicherweise votiert die Mehrheit hier aber für die städtische Schulform. Damit gäbe es in Oberhausen künftig nur noch fünf statt zehn Bekenntnisschulen.

Hauptschulen: Die Stadt benötigt ab 2015 nur noch eine einzige von derzeit vier Hauptschulen. Ab 2012 soll daher die Hauptschule Eisenheim auslaufen, ab 2013 die katholische St. Michael-Hauptschule, die in der Stadt als beliebteste Hauptschule gilt. Doch: Das Michael-Gebäude im Knappenviertel ist leichter aufzugeben als die Gebäude der Hauptschulen Alstaden und Albert-Schweitzer (Klosterhardt). Denn in letztere wurden vor kurzem je 1,6 Millionen Euro Bundesmittel für den Ganztagsbetrieb investiert - die Stadt muss diese zurückzahlen, wenn es die Gebäude schließt.

Kirche erbost über Schulpläne

Aus allen Wolken sei er gefallen, als Schuldezernent Reinhard Frind die Hiobsbotschaft überbrachte: „Ausgerechnet die Hauptschule St. Michael, die so tief im Bewusstsein der Bevölkerung verankert ist“, falle nun dem Sparkonzept zum Opfer, klagt Stadtdechant Peter Fabritz. Ab 2013 soll die katholische Bekenntnisschule im Knappenviertel keine neuen Schüler mehr aufnehmen.

„Auch die Elternschaft ist absolut geschockt“, sagt die Vorsitzende der Schulpflegschaft, Ulrike Precht. „Es scheint völlig irrelevant, dass es hier um unsere Jugend geht“, sagt die aufgebrachte Mutter. Eine Schule, die so viel anbiete, auch außerhalb des regulären Unterrichts, könne man nicht einfach so schließen, schimpft sie weiter und verspricht: „Das werden wir mit uns nicht machen lassen, die Elternschaft wird sich formieren.“ Ganz so reibungslos, wie es sich die Verantwortlichen vorstellten, werde die Schließung der Schule nicht über die Bühne gehen.

Stadtteil mit erhöhtem Förderungsbedarf

Fakt ist: Wie alle Hauptschulen hat auch die Bekenntnisschule St. Michael mit sinkenden Schulanmeldungen zu kämpfen. Im Vergleich zum Vorjahr sank die Zahl der Neuanmeldungen um die Hälfte auf etwa 30. „Die Hauptschulen haben generell nicht die größte Akzeptanz“, weiß auch der scheidende Schulrektor Alfons Fiedler. „Aber genau deshalb ist es doch so wichtig, dass unsere Einrichtung bestehen bleibt“, sagt er. St. Michael sei die einzige Schule in der Stadt, die sich über Jahre hinweg ein eigenes Profil erarbeitet hat. „Zudem sind wir Anlaufstelle für alle Jugendlichen im Viertel, wir leben immerhin in einem Stadtteil mit erhöhtem Förderungsbedarf“, ergänzt Ulrike Precht.

Rund 30 Prozent der aktuell 404 Schüler der St. Michael Hauptschule kommen aus dem Knappenviertel. Der Rest käme von überall her, sagt Fiedler. „Das zeigt doch, dass wir einen sehr guten Ruf haben.“

„Wir leben in einer Zeit, in der nur profilierte Einrichtungen überleben“, pflichtet ihm auch Stadtdechant Fabritz bei. „Unsere Hauptschule hat so ein Profil und das wird jetzt bestraft.“

Ebensowenig wie die Schließung von St. Michael will Peter Fabritz auch die Schließungen der katholischen Grundschulen hinnehmen. Am 9. Juni will sich der Stadtdechant mit den Leitern der betroffenen Schulen treffen, um einen gemeinsamen „Schlachtplan“ zu entwerfen.

Dezernent sieht Möglichkeit zur Standort-Verlagerung

Schuldezernent Frind versucht bereits, die Wogen ein wenig zu glätten. Zwar sieht er keine Möglichkeit für die Stadt, das St.Michael-Schulgebäude an der Knappenstraße 123 zu erhalten und dafür die kürzlich renovierten Hauptschulen Alstaden oder Albert-Schweitzer aufzugeben. „Denn dann müssten wir das Fördergeld des Bundes in Höhe von 1,6 Millionen Euro Investition zur Ganztagshauptschule zurückzahlen“, sagt Frind. Mit dem Geld sei eine 20-jährige Bindungsfrist für den Weiterbetrieb der Schulen verbunden. In die St.Michael-Hauptschule sei dagegen nur 100.000 Euro zurückzuzahlende Summe investiert worden.

Allerdings könne man überlegen, den Schulbetrieb St. Michael nach Alstaden oder in die Albert-Schweitzer-Hauptschule nach Klosterhardt-Süd zu verlegen. „Die Aufgabe des Standorts muss nicht die Aufgabe des Schulbetriebs bedeuten“, meint Frind.

 
 

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