Oberhausen

Werbeplakat in Oberhausen: Drogenshop plante offenbar großen Coup – wenig später folgt die Ernüchterung

Foto: Imago images; Montage: DER WESTEN

Oberhausen. Werbung für Drogen - auf offener Straße in Oberhausen. Es klingt unglaublich, ist aber tatsächlich so geschehen.

Unter einer großen Anzeige für das Einrichtungshaus Rück prangte dort vergangene Woche an einer Hauswand ein unscheinbares schwarzes Plakat. Zu sehen war eine Gestalt mit einer Maske, wie sie Anonymous-Aktivisten berühmt gemacht haben. Darunter der vielsagende Satz: „Jeder trägt eine Maske. Doch wer steckt dahinter?“ Ebenfalls zu sehen: ein riesiger QR-Code mit einem „V“ in der Mitte.

Oberhausen: Werbeplakat mitten in der Stadt wirbt für Drogen-Webseite

Das mysteriöses Plakat sei schnell Gesprächsthema in der Nachbarschaft gewesen, behauptete ein angeblicher Leser und Jogger, Markus V., vergangene Woche in einer Mail an DER WESTEN*. Die Redaktion griff das Thema daraufhin am vergangenen Freitag auf und zitierte den angeblichen Markus V. auch. Ein Fehler, wie sich später herausstellen sollte.

Der angebliche Jogger behauptete weiterhin: „Diese markante Figur und der seltsame Text haben mich so stutzig gemacht, dass ich meine Frau den QR-Code einscannen lassen habe“.

Der hinterlegte Link führte sie angeblich zu einer Webseite, auf der ganz offen Drogen angeboten werden.

Kokain, Tildin, Amnesia - bezahlt per Bitcoins

Den Namen der Seite nennen wir an dieser Stelle bewusst nicht. Auf der Seite wird ganz offen für alle Art von Drogen geworben. Kokain ab 90 Euro, Tildin ab 16 Euro oder Amnesia ab 12 Euro werden beispielsweise angeboten.

Drogen per Klick, bezahlt wird mit Bitcoins, Monero oder PaySafeCard. Doch Betäubungsmittel sind nur das eine.

Auch das wird auf der Seite angeboten:

  • gefälschte Kreditkarten
  • Passwörter
  • positive Bewertungen für Ebay-Shops

DER WESTEN hat bei der Polizei Oberhausen nachgefragt. Polizeihauptkommissar Maik Podlech erklärte: „Der Vorgang wurde an die Direktion Kriminalität gesteuert und dort geprüft.“

Doch wie konnte das Plakat dort überhaupt aufgehängt werden? Die Plakatwand wird von der Koblenzer Firma „awk Außenwerbung GmbH“ betrieben, die mehr als 30.000 Werbeflächen in Deutschland betreut.

+++ Aus NRW in die USA und nach Australien: Bande vertickt Drogen in ganze Welt – unter diesem Pseudonym +++

Plakat-Inhalt auf ersten Blick nicht ersichtlich

Sprecherin Stefanie Erlinghagen sagte uns: „Wir haben das Thema bereits intern aufgegriffen und eine umgehende Abdeckung veranlasst.“ Noch am Freitag sollte das in Oberhausen und in anderen Städten aufgehängte Plakat entfernt werden.

Das Plakat sei regulär gebucht worden, so die Sprecherin, die darauf verweist, dass der Inhalt der Webseite auf den ersten Blick des Motives eben nicht ersichtlich gewesen sei. „Eine Prüfung ist in diesem Fall nicht möglich gewesen“, so Erlinghagen. Sie kündigt Konsequenzen an: „Wir werden Strafanzeige stellen, sofern sich der Verdacht bestätigt.“

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Markus V. ist kein empörter Oberhausener

Recherchen von „Netzpolitik.org“ förderten jedoch noch einen weiteren Aspekt zutage. Der scheinbar ahnungslose Jogger Markus V. handelte offenbar im Interesse des Drogenshops. Auch der Name ist mutmaßlich ein Pseudonym.

Das Ziel hinter seinen Mails: Aufmerksamkeit durch Berichterstattung zu erzeugen. Eine verdeckte Werbeoffensive also. Auch in anderen Städten, zum Beispiel in Berlin, wurde das Plakat aufgehängt. Auch hier meldete sich der angeblich empörte Markus V.

Mit diesen Vorwürfen konfrontiert, reagierte Markus V. plötzlich nicht mehr auf die Anfragen dieser Redaktion.

Auf den ersten Blick schien die Werbeaktion gelungen. Mehrere Medien, darunter DER WESTEN, hatten am Freitag über das Plakat berichtet. Dass die Drogen-Seite am Montag nicht mehr online zu erreichen war, spricht aber eher gegen den ganz großen Coup. (ms)

*Hinweis der Redaktion: Dieser Text wurde überarbeitet, nachdem sich herausstellte, dass der angebliche Oberhausener Markus V. offenbar im Interesse des Drogenshops handelte und sich nur als Leser ausgegeben hat. Der Fehler tut uns leid.

 
 

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