Rattenköder am Spielplatz besorgen Eltern in Oberhausen

Barbara Hoynacki
Gleich fünf Rattenköderboxen befinden sich auf dem städtischen Kinderspielplatz an der Paul-Reusch-Straße in der Innenstadt.
Gleich fünf Rattenköderboxen befinden sich auf dem städtischen Kinderspielplatz an der Paul-Reusch-Straße in der Innenstadt.
Foto: Funke Foto Services
Vier Rattenköderboxen stellte ein Schädlingsbekämpfer direkt an einer angrenzenden Hauswand auf. Die Fläche wird vorwiegend von Kleinkindern genutzt.

Oberhausen. Der Spielplatz an der Paul-Reusch-Straße ist gerade am frühen Nachmittag oft rappelvoll. Genutzt wird er vor allem von Kleinkindern, die dort ausgelassen rutschen, hopsen, toben. Die Eltern sitzen derweil auf den angrenzenden Bänken und unterhalten sich – nicht ahnend, dass Köderboxen mit Rattengift in unmittelbarer Nähe stehen.

Der Anblick wirkt bedrohlich: Kinder spielen, kommen den Köderboxen sehr nahe. Die Stadt spricht dagegen von einem „Höchstmaß an Sicherheit“. Die Köderboxen hätten einen doppelten Sicherheitsmechanismus, erklärt Horst Ohletz, Leiter des Bereichs Öffentliche Ordnung. Die Stahlboxen seien doppelt verschraubbar und verschlossen. Fasse ein Kind in die Box, müsse es um die Ecke greifen, um an die eigentliche Falle mit den Giftködern zu gelangen. Dies sei quasi unmöglich. „Im Normalfall kann da nichts passieren“, sagt Ohletz.

Gift verhindert Blutgerinnung

Für das Aufstellen der Boxen hat die Stadt einen Schädlingsbekämpfer beauftragt. Die Fallen seien nötig, weil es in jüngster Vergangenheit vermehrt zu Beschwerden wegen Ratten gekommen sei, erklärt Ohletz weiter. Vor Wochen tauchte die erste grüne Box an der an den Spielplatz angrenzenden Hauswand auf.

Aktuell sind es vier Köderboxen, aufgestellt im Abstand von jeweils rund fünf Metern. Eine davon direkt gegenüber der Rutsche. Eine fünfte Box befindet sich unter einer der Bänke. Allesamt sind es Rattenköderboxen, gefüllt mit hochgiftigen Rodentiziden. Rodentizide sind Wirkstoffe, die speziell zur Bekämpfung von Nagetieren wie der Wanderratte entwickelt wurden.

Dieses Gift verhindert – so ist im Internet unter dem Stichwort Kammerjäger-Beratung auf der Seite eines IHK geprüften Schädlingsbekämpfers nachzulesen – dass das Blut bei Verletzungen gerinnt. Blutgefäße werden durchlässig. Der Stoff entwickelt seine fatale Wirkung erst nach Tagen. Die Tiere verbluten innerlich.

Gift auch für Menschen und Haustiere gefährlich

Da Rodentizidköder auch für Menschen, Haustiere und Wildtiere gefährlich sind, werden diese Mittel nur in verschließbaren Rattenköderboxen eingesetzt, in denen die Köder auch befestigt werden. Das ist auch am Spielplatz der Fall, doch das Loch an den Boxen bleibt groß genug für eine Kleinkinderhand. Deshalb gilt für alle Schädlingsbekämpfer der strikte Hinweis: „Nur außerhalb der Reichweite von Kindern anbringen.“

Außerhalb der Reichweite von Kindern? 15 Ein- bis Fünfjährige toben gerade über den Platz. Eine Großmutter, ein Elternpaar und vier Mütter stehen oder sitzen in der Nähe. Ich spreche das Elternpaar an – doch das Flüchtlingspaar aus Syrien versteht kein Deutsch, nur ein paar Brocken Englisch. Die Füße der auf der Bank sitzenden Mutter baumeln über der grünen Rattenköderbox. Ein knapp einjähriges Kind krabbelt über den Boden und fingert unbemerkt von den Eltern an der Box herum.

Eltern verstehen Warnhinweise nicht

Den deutschen Warnhinweis darauf – „Rattenköderbox, kein Akutgift, Gegenmittel Vitamin K hoch dosiert“ – können die beiden nicht lesen. Genauso wenig wie die anderen Mütter und die Großmutter, die ich der Reihe nach anspreche und auf die Köderboxen aufmerksam mache. Alle sprechen nur wenig Deutsch. Ob sie wissen, was in den Boxen ist? Das Schulterzucken spricht Bände.

Die Oberhausener MB-Schädlingsbekämpfung weist übrigens auf ihrer Homepage ausdrücklich auf alternative Fallen ohne Gift hin, die der Betrieb etwa im Nahrungsmittelbereich sowie in städtischen und schulischen Einrichtungen ausschließlich einsetzen würde: „Um die Sicherheit der Kunden und Kinder zu gewähren.“