Mit Erdbeerspinat in Oberhausen zurück in den Job

Probieren selbst an der Gustavstraße das „Urban Gardening“ aus: Sabine Lauxen mit Ralf Langnese (li.) und Peter Theißen von der Ruhrwerkstatt.
Probieren selbst an der Gustavstraße das „Urban Gardening“ aus: Sabine Lauxen mit Ralf Langnese (li.) und Peter Theißen von der Ruhrwerkstatt.
Foto: Gerd Wallhorn
Langzeitarbeitslose bepflanzen Hochbeete im „Urban Gardening“ - als Einstieg auf dem beschwerlichen Weg zurück ins Arbeitsleben

Lirich.  In einem Vorgarten an der Gustavstraße stehen zwei Hochbeete, bepflanzt mit einem Kohl und Erdbeerspinat. Unter ihnen ist Kompost, angelegt von Menschen, die lange Zeit keine Arbeit hatten. Sie entdecken beim sogenannten „Urban Gardening“ ihre Fähigkeiten und lernen, zu geregelten Zeiten in einer Gruppe zu arbeiten. Um den erneuten Einstieg in den Arbeitsmarkt zu schaffen.

Die Maßnahme ist ein Teil des Biwaq-Projektes (Bildung, Wirtschaft, Arbeit und Quartier), bei dem Langzeitarbeitslose zwölf Monate unterstützt und begleitet werden. Die Stadt Oberhausen hat es beantragt, Fördergelder des Bundes tragen es. Die Ruhrwerkstatt leitet die Maßnahme des „Urban Gardenings“. Die Vorgärten der Siedlung in der Gustavstraße bieten sich dazu an, dort gab es früher sogar mal Nutzgärten. „Der Boden ist dafür zwar nicht mehr geeignet, aber deshalb werden Hochbeete angelegt“, erklärt Umweltdezernentin Sabine Lauxen. Kreativität ist dabei erlaubt.

Die Langzeitarbeitslosen können sich bei dem Projekt, was den praktischen Teil darstellt, wieder an Arbeitsatmosphäre gewöhnen. An die Zusammenarbeit, die Akzeptanz untereinander. Nicht jeder schafft das, manche mussten die Maßnahme abbrechen. „Gerade diejenigen, die lange Zeit keine Arbeit gefunden haben, sind oft psychisch krank“, sagt Ralf Langnese, Bereichsleiter für Weiterbildung bei der Ruhrwerkstatt. Eine Maßnahme ist bereits abgeschlossen, von 15 Teilnehmern wurde nur einer in einen festen Beruf vermittelt. Doch auch das Angehen und im günstigsten Fall Lösen von persönlichen Problemen soll durch die Maßnahme besser gelingen.

Kreative Ideen sind erlaubt

„Wir haben keine Akte und wissen nicht, was sie vorher gemacht haben“, erklärt Sozialpädagogin Stephanie Janßen. Niemand rede gerne über Probleme, doch die Hilfesuchenden öffnen sich während des Jahres, in dem sie betreut werden. So schaffte einer der Teilnehmer eine Gewichtsreduktion, ein anderer ließ sich seine Zähne machen. „Die Menschen sollen wieder ein Selbstbewusstsein entwickeln und dann den Schritt wagen, etwas Neues zu probieren“, betont Langnese.

Dabei helfen die Vorgärten. In einem befanden sich alte Betonplatten. Also überlegte sich einer der Arbeitslosen, daraus ein Schach­brett entstehen zu lassen. Er entwarf dafür sogar Figuren, die nun aus Ytong-Steinen hergestellt werden. Wovon die Gesellschaft profitieren kann, um öffentlich dort zu spielen. Auch eine Igelburg, ein geschützter Haufen mit Sonnenblumen, ist bereits angelegt worden.

Was für die Teilnehmer der Maßnahme ein Anstoß sein soll, könnte auch für die Gesellschaft ein Anstoß sein. „Wenn die Anwohner sehen, dass Urban Gardening mit wenigen Mitteln funktioniert, entstehen vielleicht wieder mehr Vorgärten mit Beeten“, denkt Lauxen.

 
 

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