In Oberhausen gibt’s Armani und Prada aus zweiter Hand

Cool ist cool“: Ruth Kusenberg inmitten ihres Sortiments von Designer-Stücken bis zu Konfektions-Filialisten und Discounter-Ware.
Cool ist cool“: Ruth Kusenberg inmitten ihres Sortiments von Designer-Stücken bis zu Konfektions-Filialisten und Discounter-Ware.
Foto: Funke Foto Services
Seit zehn Jahren betreibt Ruth Kusenberg ihren Second-Hand-Shop. Sie hängt am „coolen“ Laden trotz der Internetkonkurrenz für getragenes Textil.

Oberhausen.. Der Laden von Ruth Kusenberg liegt etwas abseits der Marktstraße im Herzen der City. Seit knapp zehn Jahren betreibt die 56-Jährige den Second-Hand-Shop „Cool“ an der Stöckmannstraße 103. Das Geschäft eröffnete sie lange, bevor das Tragen von Alttextilien durch Stars wie Julia Roberts oder Kate Moss zum Trend wurde.

Vom Hype um Second Hand bemerkt Ruth Kusenberg nicht viel: „Die ersten Jahre liefen super“, sagt sie, „aber in der letzten Zeit ist es eher ruhiger geworden“. Als Grund sieht sie das Internet. Zweite Hand boomt auf Online-Plattformen und Apps fürs Smartphone. Auch in Oberhausen gibt’s Konkurrenz, die gebrauchte Mode verkauft.

Wie modisch und schick Second Hand sein kann, zeigt ihr Laden aber allemal. Marken wie Camp David, Hugo Boss oder Armani lassen sich auf Kleiderständern und in Regalen finden. Sie hängen zwischen Stücken von Textil-Filialisten und Discountern. Genau das ist es, was für Ruth Kusenberg und viele andere Menschen den Reiz von Second Hand ausmacht.

Es geht darum zu stöbern, etwas Individuelles zu finden, was es nicht mehr in jedem Geschäft zu kaufen gibt. „Die Leute finden bei uns nicht genau das, was sie suchen, aber immer etwas besonderes“, sagt Ruth Kusenberg. Den Kunden hilft sie bei der Auswahl gerne. In der Regel weiß sie, was aktuell vorhanden ist. Wenn Ware reinkommt, die ein Kunde schon lange gesucht hat, greift sie auch gerne mal zum Telefon. „Das schaffe ich aber nicht immer“, sagt sie, „es wäre dann doch zu aufwendig“.

Erlös wird ans Hospiz gespendet

Reich macht sie der Laden nicht. „Wenn ich nicht so an diesem Laden hängen würde, dann hätte ich ihn längst geschlossen“, sagt sie. In schlechten Monaten ist sie froh, wenn sie die Miete mit den Einnahmen bezahlen kann.

Einnahmen sind ihr nicht so wichtig, die Menschen aber schon. Eine kleine Kaffee-Ecke steht im Geschäft. Kunden kommen, um sich eine neue Hose oder Bluse zu kaufen, aber sie bleiben, um zu plaudern. „Es sind sehr viele Leute, die Probleme haben und ein offenes Ohr brauchen“, sagt sie.

Ihre soziale Ader reicht noch weiter. Häufig verkauft sie besonders günstige Schnäppchen. Den Erlös spendete sie ans Hospiz. „Eine Freundin ist dort verstorben“, erklärt sie. Dieses Jahr sind es schon 400 Euro, die Ruth Kusenberg für den guten Zweck eingenommen hat.

Mit ihrem Geschäft bewirkt sie viel Gutes. Dass sie es überhaupt eröffnete, ist dem Zufall geschuldet. Auf die Idee einen Second-Hand-Shop zu eröffnen, brachte sie ein Laden auf der Marktstraße. Er musste irgendwann schließen. „Da dachte ich mir, dass ich selber einen eröffne.“

Ruth Kusenberg nimmt Ware vier Wochen lang in Kommission. Der Kunde bekommt 40 Prozent des Erlöses, wenn die Kleidung verkauft ist. Nach vier Wochen können die Sachen entweder abgeholt oder dem Laden geschenkt werden.

 

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