Gegenwind in Oberhausen-Alstaden für geplantes Windrad

So könnte es aussehen: Animation des geplanten Windradstandortes im Ruhrbogen.
So könnte es aussehen: Animation des geplanten Windradstandortes im Ruhrbogen.
Foto: Gelsenwasser
  • Auflagen für das Windrad zu Schallschutz und Beschattung erlassen
  • Bürgerinitiative Ruhraue und Bürgerring Alstaden wollen gegen Genehmigung klagen
  • Ökologischer und wirtschaftlicher Nutzen sei bei diesem Windrad nicht gegeben

Oberhausen..  Die Bürgerinitiative Ruhr­aue und der Bürgerring Alstaden wollen trotz der angekündigten Auflagen für den Betrieb gegen das geplante Windrad auf der Bodendeponie am Kolkerhofweg in der Styrumer Ruhraue klagen. Die Baugenehmigung wird wohl bald erteilt werden (wir berichteten).

Eine der Auflagen wird sich aus dem Schallgutachten ergeben, welches dem Bauantrag beigefügt wurde. Demnach soll die Anlage mit um zehn Prozent begrenzter Leistung betrieben werden, damit die „sichere Einhaltung des nächtlichen Immissionsrichtwertes“ dauerhaft gegeben ist.

Eine weitere Reglementierung beschäftigt sich mit der Schattenwurfprognose. Dabei wurde festgestellt, dass die zulässigen Werte der Beschattung für die Anwohner der Straße Am Ruhrufer in Alstaden übertroffen werden. Diese Werte sind auf maximal 30 Stunden im Jahr und 30 Minuten am Tag festgelegt. Aus diesem Grund wird eine Abschaltautomatik für das Windrad eingebaut, damit die Richtwerte eingehalten werden.

Die geplanten Auflagen würden das Projekt wirtschaftlich und ökologisch noch sinnloser machen, un­terstreichen die Projektgegner ihre Position.

„Der ökologische Nutzen des Windrads ist einfach nicht gegeben“, sagt Sandra Jungmaier, Sprecherin der Bürgerinitiative Ruhraue, „außerdem ist es ein erheblicher Eingriff in die Natur und das Naherholungsgebiet in Alstaden.“ Wirtschaftlich würde sich ein einzelnes Windrad nicht rechnen. „Ein Windpark, am besten Offshore (engl. vor der Küste, Anm. d. Red.), bringt deutlich mehr als eine einzelne Anlage“, sagt Sandra Jungmaier, „das Windrad hier in Alstaden ist ein reines Prestigeobjekt der Betreiber und der Stadt Mülheim.“

Die Klage kann allerdings erst eingereicht werden, wenn eine Genehmigung seitens der Stadt Mülheim für die Betreiber Gelsenwasser AG und den Mülheimer Energieversorger Medl erteilt wird. Für diesen Fall sei man allerdings vorbereitet und „in den Startlöchern“, wie der Vorsitzende des Bürgerrings, Jens Kassen, erklärt.

„Die Genehmigung wird aller Voraussicht nach noch in diesem Jahr erfolgen, da die Betreiber auf den Baubeginn drängen und die Stadtverwaltung keinen Rückzieher mehr machen möchte“, sagt Sandra Jungmaier. Der Grund für den gewünschten schnellen Baubeginn bis spätestens Ende Dezember sind Subventionen für erneuerbare Energien. Diese würde im neuen Jahr entfallen, erläutert Sandra Jungmaier.

Gericht soll für Klarheit sorgen

Jens Kassen kritisiert den Ort des Projektes, dass mit Schütthöhe der Bodendeponie und Länge der Rotorblätter über 200 Meter hoch ist: „Ich finde, dass das Windrad nicht an diese Stelle gehört. Zu viel wird im Städtedreieck dadurch verändert oder zerstört.“

Dazu gehört auch der Lebensraum vieler Tierarten, darunter der Flussregenpfeifer, sechs Fledermausarten sowie im Baum brütende Großvögel (Habicht, Bussard, Eule). Die Fledermäuse könnten mit dem Windrad kollidieren, und die Fortpflanzung der Großvögel in der Ruhrbogen-Landschaft gilt als gefährdet.

Sandra Jungmaier und Jens Kassen wollen das nicht zulassen – ein Gericht soll für Klarheit sorgen.

 
 

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