Debatte in St. Marien – Katholiken feilen an der Zukunft

Beim Zukunftstag diskutierten die Katholiken im Detail die künftigen Gemeindestrukturen und -angebote; im Bild rechts – Volker Meißner.
Beim Zukunftstag diskutierten die Katholiken im Detail die künftigen Gemeindestrukturen und -angebote; im Bild rechts – Volker Meißner.
Foto: Jörg Schimmel / Funke Foto Services
  • Mehr als 100 Interessierte kamen nun zum Zukunftstag in die Klosterkirche
  • Dieses Mal dürfen die Katholiken dem Bischof in Essen selbst Ideen vorschlagen
  • 2017 will die Gemeinde aus den Diskussionsergebnissen Empfehlungen ableiten

Oberhausen..  Auch die Katholiken in der Pfarrei St. Marien müssen in Zukunft enger zusammenrücken. Nur dürfen sie im Gegensatz zu ihrem Zusammenschluss zu ihrer heutigen Großpfarrei im Jahr 2009 selbst dem Bischof in Essen vorschlagen, wie das geschehen soll. Noch bis 2018 findet auch in St. Marien der sogenannte Pfarrerneuerungsprozess statt. Über 100 Interessierte unter den rund 16 000 Mitgliedern kamen nun zum Zukunftstag in die Klosterkirche an der Mülheimer Straße.

Zwei Arbeitsphasen waren vom Nachmittag an vorbereitet. Einmal sollten sie herausarbeiten, wo sie künftig Prioritäten bei der kirchlichen Arbeit setzen würden. Zum anderen sollten sie über die Probleme diskutieren, die sie bei zehn vorgegebenen Themen sehen. Dazu wurden jeweils Arbeitsgruppen gebildet.

In der ersten Arbeitsphase befassten sich zehn verschiedene Gruppen alle mit den gleichen Fragestellungen: Was ist uns wichtig? Was wollen wir verändern? Worauf können wir verzichten? Und welche Ideen haben wir? Eine kleine Gruppe aus zwei Frauen und drei Männern hatte sich auf die Orgelempore zurückgezogen, um Antworten zu finden. „Lokale Räume für die Begegnung“, „wohnortnahe Jugend-/Seniorenarbeit“ war da zum Beispiel unter der Rubrik „wichtig“ an der Pinnwand zu lesen. „Flexiblere Nutzung der vorhandenen, auch sakralen Räume durch lockere Bestuhlung und Trennwände“ war unter „ändern“ festgehalten. Zu den hier entwickelten Ideen gehörte „eine zentrale Pfarrei-Hotline“.

Von solch organisatorischen Dingen war auch in einer elfköpfigen Arbeitsgruppe die Rede, die unten, im großen Gemeindesaal, tagte. Aber hier machte eine Frau auch ihrer Enttäuschung Luft: „Wir beschäftigen uns zu viel mit uns selbst. Mir ist das zu kuschelig. Wir sollten etwas von der Wärme nach draußen tragen.“ Es gehe doch um mehr als Kaffee und Kuchen. Schon der immer gleiche Ablauf jedes Kirchenjahres, der Themen in den Messen, passe nicht zur Lebenssituation vieler Menschen, befürchtete sie. Da stimmte ihr Pfarrer Thomas Eisenmenger zu. „Fromme Soße, das wollen sich die Leute nicht mehr anhören.“

Diskussion in Arbeitsgruppen

Nach einer Pause wurden Arbeitsgruppen zu speziellen Themen gebildet, die von der Arbeit mit Kindern über besondere Lebenssituationen bis hin zu den Chancen der Kooperation mit den Evangelischen reichten.

Fast nur junge Leute kamen in jener Gruppe zusammen, die die Gemeindearbeit aus dem Blickwinkel junger Leute beleuchten sollte. Hier zeigte sich, dass die Jugend- und Pfadfindergruppen in den vier Gemeinden, die heute die Pfarrei St. Marien bilden, noch nicht viel voneinander wissen. Folglich könnten sie voneinander auch nicht profitieren, war man sich einig. Um die kirchliche Willkommenskultur ging es in einer Arbeitsgruppe, zu der sich ältere Teilnehmer gemeldet hatten. Dabei versuchten Kirchgänger, sich vorzustellen, wie sie auf Außenstehende wirken. „Haben wir nicht oft eine elitäre Haltung nach dem Motto ,Ich bin doch ein guter Katholik?’“, fragte eine Frau. Eine andere Frau räumte ein, „man ist irritiert, wenn nicht immer die gleichen Leute neben einem in der Bank sitzen“. Eine dritte Frau gestand, dass sie viele Jahre gebraucht habe, um Anschluss zu finden. „Ich habe auch etwas Schlimmes getan: Ich habe einen evangelischen Mann geheiratet.“ „Warum besucht man die Neuzugezogenen nicht persönlich?“, fragte ein Mann. „Aber wer soll es machen?“, hielt ihm eine Frau entgegen. Diejenigen, die sich in der Gemeinde engagieren würden, seien alle schon ausgelastet.

Zum Abschluss wurde im Plenum aus allen Gruppen berichtet. Dann klang der Zukunftstag mit dem Kabarettisten Dieter Fender aus. Der Gemeindereferent aus dem Münsterland knöpfte sich die Probleme der Kirche humoristisch vor. Für 2017 nimmt sich die Gemeinde vor, aus den Ergebnissen der Diskussionen Vorschläge für die nötige Verkleinerung abzuleiten. Stark rückläufige Steuereinnahmen zwingen die Katholische Kirche dazu.

Zu St. Marien gehören rund 16 000 Katholiken

Vier zuvor selbstständige Gemeinden bilden seit 2009 die Pfarrei St. Marien mit zusammen ca. 16 000 kath. Christen:


St. Marien an der Mülheimer Straße selbst mit der Kirche St. Michael im Knappenviertel und der Kirche Heilig Geist im Hausmannsfeld; Unsere Liebe Frau mit der Klosterkirche in Styrum, zuständig auch für Dümpten; St. Johannes Evangelist im Schladviertel; St. Katharina in Lirich.


Jede der vier Gemeinden hat noch ihren eigenen Geistlichen. Pfarrer und Pastor an St. Marien ist Thomas Eisenmenger.

 
 

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