Das Grab in Oberhausen war plötzlich weg

Nach Ablauf derRuhezeit gibt es zwei Möglichkeiten: das Grab auflösen oder die Ruhezeit verlängern.
Nach Ablauf derRuhezeit gibt es zwei Möglichkeiten: das Grab auflösen oder die Ruhezeit verlängern.
Foto: Foto: Tom Thöne
Leser Karl-Heinz Pokorny blickte an Allerheiligen auf schwarze Erdbrocken. Das Nutzungsrecht für die Grabstätte war bereits 2015 abgelaufen.

Oberhausen..  Karl-Heinz Pokorny stockt der Atem – vor Schreck und Entsetzen. Das Grab seines Vaters ist abgeräumt. Statt auf Blumen und Grabstein blickt er auf ein viereckiges Feld schwarzer Erdbrocken. Die jahrzehntealte Grabstelle auf dem Westfriedhof in Lirich existiert nicht mehr – eine Mitteilung des städtischen Friedhofsamtes über eine mögliche Verlängerung des Grabnutzungsrechtes hat Pokorny nicht bekommen. Wir haben bei der Stadt nachgefragt.

„Ich bin total geschockt.“ Pokorny hat sich auch nach einer Woche noch nicht von dem Schrecken erholt. Es war an Allerheiligen gewesen, als er Blumen auf dem Grab seines Vaters ablegen wollte und plötzlich vor dem Erdhaufen stand. „Ich komme nur einmal jährlich auf den Friedhof und erlebe dann das“, ist der Leser entsetzt.

1985 ist sein Vater verstorben, für eine Nutzungsdauer von 30 Jahren hat er die zweifache Gruft auf dem Westfriedhof gepachtet. Weil Pokorny in Wesel wohnt, hat er eine Oberhausener Gärtnerei mit der Pflege der Grabstelle beauftragt: „Mein erster Weg führte mich sofort dorthin, um nachzufragen, wie es sein kann, dass unser Grab abgeräumt wurde.“ Doch weiterhelfen konnte ihm keiner: „Man hat lediglich auf das Friedhofsamt der Stadt Oberhausen verwiesen – das sei dafür zuständig.“

Auch dort hat er angerufen: „Eine Mitarbeiterin sagte mir nur, dass nach Ablauf der Nutzungsdauer ein Schild auf dem Grab aufgestellt wurde und ich mich bei der Stadt hätte melden müssen – doch woher soll ich das wissen, wenn ich nur einmal im Jahr auf den Friedhof gehe?“ Denn ein Schreiben der Stadt über eine Verlängerung oder Auflösung der Grabnutzungsrechte habe er nicht bekommen. „Es hat mich keiner über die Sachlage informiert“, sagt der Leser enttäuscht. „Ich möchte einfach nur Gewissheit, warum es zu der Abräumung gekommen ist.“

Auf Nachfrage teilt uns Stadtsprecher Martin Berger mit: „Das Nutzungsrecht für die Grabstätte ist bereits am 22. Oktober 2015 abgelaufen.“ Grabbesitzer würden in der Regel im Vormonat des Ablaufs per Einschreiben informiert. Innerhalb von zwölf Wochen können sie sich dann entscheiden, ob sie die Grabstätte verlängern oder aufgeben möchten. Melden sich die Grabbesitzer im genannten Zeitraum nicht bei der Stadt, werde der Auftrag zum Abräumen der Grabstätte erteilt. „Im vorliegenden Fall konnte der Grabbesitzer leider nicht ermittelt werden“, sagt Berger. Deshalb wurde für drei Monate ein Meldeschild auf dem Grab der Familie aufgestellt, mit dem Hinweis, sich doch zügig bei der Friedhofsverwaltung zu melden. Berger: „Erfolgt dies nicht innerhalb von drei Monaten, wird der OGM der Auftrag erteilt, das Grab abzuräumen. In diesem Fall wurde die Grabstelle im Mai dieses Jahres auf dem Westfriedhof entfernt.“

 
 

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