Oberhausen

Oberhausen: Sie reiste mit ihren Kindern nach Syrien zum IS, ein Kind starb – jetzt ist das Urteil im Fall Carla S. gefallen

Oberhausen: Am Mittwoch ist das Urteil zu der IS-Kämpferin Carla S. gefallen.
Oberhausen: Am Mittwoch ist das Urteil zu der IS-Kämpferin Carla S. gefallen.
Foto: Lars Heidrich / FUNKE Foto Services

Oberhausen. Vier Jahre lebte Carla S. aus Oberhausen mit ihren drei kleinen Kindern an Seite des IS in Syrien. Dort soll sie unter anderem als IS-Kämpferin am Krieg teilgenommen, Kriegsverbrechen begannen und ihre Kinder der konkreten Todesgefahr ausgesetzt haben. Nach ihrer Festnahme im Jahr 2019 wurde sie zurück nach Deutschland gebracht, wo sie sich schließlich vor einer langen Anklageschrift vor Gericht verantworten musste.

Nach einem aufsehenerregenden Prozess ist am Mittwoch das Urteil über die mittlerweile 32-Jährige vor dem Oberlandesgericht in Düsseldorf gefallen.

Oberhausen: Urteil zu IS-Kämpferin Carla S. gefallen

Carla S. aus Oberhausen hatte bereits zu Prozessauftakt ein umfangreiches Geständnis abgelegt. Sie erzählte, wie sie als Jugendliche zum Islam konvertierte, später mit ihrem tunesichstämmigen Ehemann „salafistisch, aber nicht gewaltbereit“ gelebt habe und 2015 quasi in einer Nacht-und-Nebel-Aktion mit ihren Kindern nach Syrien ausgewandert sei. Dort habe sie ein neues Leben mit einem neuen Mann angefangen. Dass dort Krieg herrschte, sei ihr so allerdings nicht bewusst gewesen.

Laut Anklage soll die streng gläubige Carla S. dann im Besitz einer Handgranate gewesen und mit einer Kalaschnikow ausgebildet worden sein. Mit ihren Kindern nahm sie an einer Hinrichtung teil. Und sie soll ihre Kinder streng religiös erzogen haben. Als ihr Sohn sich widersetzte, soll sie ihn an die Religionspolizei übergeben haben. Ihr ältester Sohn (8) wurde durch einen Bombenangriff getötet. <<< Mehr zu Carla S.' Leben liest du hier >>>

Die Liste der Vorwürfe war entsprechend lang:

  • Mitgliedschaftliche Beteiligung an einer terroristischen Vereinigung im Ausland
  • Verstoß gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz
  • gemeinschaftliche Körperverletzung
  • Kriegsverbrechen gegen Personen
  • Verletzung der Fürsorge- und Erziehungspflicht
  • Entziehung dreier Minderjähriger mit eingetretener konkreter Todesgefahr, davon in einem Fall mit Todesfolge

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Gericht verhängt Freiheitsstrafe

Das Gericht hat Carla S. am Mittwoch schließlich in einer Reihe von Punkten für schuldig erklärt. Sie muss unter anderem wegen der Mitgliedschaft in dem IS für fünf Jahre und drei Monate ins Gefängnis. Damit fällt die Strafe geringer aus, als die Staatsanwaltschaft gefordert hatte. Sie verlangte eine Gefängnisstrafe von sieben Jahren. Schließlich habe Carla S. ihre Kinder massiv gefährdet und einer Gewaltideologie ausgesetzt.

Der Anwalt der 32-Jährigen hatte dagegen sogar bloß eine Gefängnisstrafe von 3,5 Jahren gefordert. Ursprünglich drohten ihr bis zu 15 Jahre Gefängnis. (dpa mit nk)

 
 

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