Oberhausen-Musical hat das Zeug zum Kult

Agenten im Einsatz.
Agenten im Einsatz.
Foto: Axel J. Scherer
Geheimagentur punktet mit der Liebesgeschichte zwischen Stadt und Industrie im Malersaal.„Party mit Parkplatz“ entpuppt sich als Hit.

Oberhausen. Die Zuschauer hüpfen, tanzen, lachen, trommeln und singen zusammen mit der Crew. „Party mit Parkplatz“ ist der Mega-Hit des ungewöhnlichen Musical-Abends ­„Sweat Shop“. Mehr Spaß geht nicht. Die Premiere der Mischung aus Performance, Spektakel, Spiel, Musik, Tanz und Aktionen, mit der die Künstler der Hamburger Geheimagentur zusammen mit Schauspielern und Musikern den Malersaal des Theaters bespielen, entpuppt sich bei der Premiere als äußerst gelungen. „Mehr davon!“, fordert ein Zuschauer. „Ich liebe Trash!“ Wenn er denn auf künstlerisch solch hohem Niveau daherkommt, hat „Müll“ durchaus die Chance, Kult zu werden.

Tatsächlich lässt sich auch bei diesem bereits fünften Gastspiel der Geheimen in Oberhausen nie richtig klären, wo die Grenze ist zwischen Erfindung und Realität, was ernst gemeint ist und was Ironie. Sicher ist, dass sie das Musical gekonnt auf die Schippe nehmen, ohne seine Fans zu beleidigen. Sicher ist auch, dass die Choreographie klasse ist, dass viel Überraschendes passiert, dass die Gags sitzen und dass die Akteure, Frau und Herr Geheimagentur und die Schauspieler Anna Polke, Sina Martens und Konstantin Buchholz, immer mehr in Fahrt kommen und in verschiedenen Rollen die Zuschauerherzen erobern.

Zwischen Erfindung und Realität

Erzählt wird die Liebesgeschichte zwischen der Stadt und der Industrie. Per SMS macht die Industrie Schluss mit der Stadt, die das nicht einsieht und ein Date einfordert, „face to face“, denn: „Das Telefon hat Mundgeruch!“

Erzählt wird auch von den früheren Geheimagentur-Auftritten, dem Schwarzgeld-Projekt, dem Wettbüro oder der Factory, mit denen die Geheimen bei vier Gastspielen in Oberhausen Akzente setzten. Das geschieht singend mit sehr eingängigen, coolen funkigen Songs, im Dialog oder per Statements.

Spielfläche Malersaal dreht sich um 180 Grad

Gleichzeitig entsteht Neues, und dabei kommt das Publikum ebenso ins Spiel wie die Spielfläche Malersaal, die sich während der Performance praktisch um 180 Grad dreht. Wo zu Beginn vorne ist, ist nach der Pause hinten. Zuschauer-Sprüche, während der Vorstellung eingefangen und tontechnisch verfremdet, fließen in die Soundkulisse ein. „Mit meinem Freund, mit meinem Freund, mit meinem Freund“, erklingt zum Beispiel plötzlich, begleitet von den Beats, die die Musiker Kanrf und Till live einspielen. So bekommt jede Aufführung des Musicals einen eigenen Klang, etwas, was sie als einzigartig markiert. Davon profitieren die Zuschauer, denn sie bekommen den Code genannt, mit dem sie sich die Version genau des Abends, den sie besuchten, später zu Hause am PC aufrufen und auch als Erinnerung brennen können. Das Cover mit Booklet und Songtexten ist das Programmheft.

Neben Stadt und Industrie kommen als „alte Bekannte“ die Gewerkschaft, die SPD und die Geheimagentur selbst ins Spiel, die die Stadt um ein Projekt bittet, im Leerstand, in der Alten Mitte. „Lass uns zusammen Geld beantragen!“

 
 

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