Oberhausen kann Mosaik aus Bibliothek Sterkrade nicht retten

Das Mosaik an der Fassade des früheren Bibliotheksgebäudes hat den Namen „Das Sparen“. Bevor hier 1984 die Bibliothek einzog, war dies eine Sparkassenfiliale.
Das Mosaik an der Fassade des früheren Bibliotheksgebäudes hat den Namen „Das Sparen“. Bevor hier 1984 die Bibliothek einzog, war dies eine Sparkassenfiliale.
Foto: Fabian Strauch / FUNKE Foto Services
Die alte Bibliothek Sterkrade wird abgerissen. Das Wandbild sollte gerettet werden. Nun begräbt die Stadt den Plan – aus einem überraschenden Grund.

Oberhausen. Es ist ein vertrauter Anblick, auf den die Sterkrader Bürger künftig verzichten müssen: Das knapp 55 Jahre alte Mosaik an der früheren Sterkrader Stadtteilbibliothek wird nun doch zerstört.

Die Stadt Oberhausen hält nicht länger an dem Plan fest, das acht mal zwölf Meter hohe Kunstwerk zu retten. Kritiker hatten die Kosten von rund 355.000 Euro für Abbau, Restaurierung und Wiedereinbau an anderer Stelle als zu hoch bemängelt. Überraschend macht Dezernentin Sabine Lauxen am Donnerstag deutlich: Die Rettung des Mosaiks mit dem geradezu prophetischen Namen „Das Sparen“ wäre aus Sicht von Experten sogar noch teurer geworden.

„Bereits jetzt wissen wir, dass wir die ursprünglich kalkulierten Kosten überschreiten würden“, sagt Lauxen. Sie zieht die Reißleine: „Es ist schade, dass wir ein Kunstwerk mit einem so hohen Wiedererkennungswert in Sterkrade nicht erhalten können, aber das geht nicht.“

Unwägbarkeiten in der Wand entdeckt

Nach dem Umzug der Sterkrader Bibliothek in ein neues Ladenlokal reißt die Stadttochter Oberhausener Gebäudemanagement OGM die alte Bildungsstätte an der Finanzstraße ab Juni ab. Seit 1984 war die Stadtteilbibliothek in dem Gebäude, eine ehemalige Stadtsparkassenfiliale, beheimatet. Derzeit wird die Immobilie entkernt, der Abbruch dauert drei Monate. Die Firma Plassmeier plant, dort anschließend 28 seniorengerechte Wohnungen zu bauen.

Vor Abriss-Start sollte das Mosaik des Künstlers Walther Mawick abgenommen werden. Das Land hätte dies mit rund 285.000 Euro gefördert. Mitarbeiter spezieller Fachfirmen waren nun aber bei Probebohrungen auf zahlreiche Unwägbarkeiten gestoßen: Die einzelnen Steine seien auf unterschiedliche Untergründe geklebt worden, einzelne Elemente seien beschädigt oder bereits zerbrochen, berichtet Lauxen.

Bürger können Einzelteile haben

Die Kosten nur fürs Abnehmen wären nach ersten vorsichtigen Schätzungen von 90.000 auf mindestens 150.000 Euro gestiegen. „Und dann besteht auch noch die Gefahr, dass ganze Elemente des Mosaiks gar nicht von der Fassade zu lösen sind.“

Erhalten bleibt das Mosaik deshalb nur bildlich: Bevor die OGM im Juni mit dem Abriss der Stadtbibliothek beginnt, wird es fotografiert. Sind doch größere Teile des Kunstwerks zu retten, sollen diese Bürgern in einem noch nicht konkreter benannten Rahmen übergeben werden. „Da machen wir eine Aktion zu“, sagt Lauxen vage.

Seit 2015 plant die Stadt das Mosaik zu retten. Auf Initiative aus dem Stadtteil war dies in ein weitreichendes Handlungskonzept von 2015 für Sterkrade aufgenommen worden, mit dem Oberhausen für das Zentrum des Stadtteils rund fünf Millionen Euro an Fördermitteln aus Düsseldorf abrufen will. Ob die Fördermittel in Höhe von rund 285.000 Euro nun verloren gehen, ist noch nicht klar.

 
 

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