Oberhausen ist gegen Impfpflicht

Marcel Sroka
In Oberhausen sind 95,7 Prozent der i-Dötzchen geimpft.
In Oberhausen sind 95,7 Prozent der i-Dötzchen geimpft.
Foto: picture-alliance/ dpa
Masern sind in Deutschland auf dem Vormarsch. In Oberhausen sind fast alle Kinder gegen die Krankheit geschützt, so die Stadt. In diesem Jahr gab es zwei Fälle

Oberhausen. Die Masern sind in Deutschland wieder auf dem Vormarsch. Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) brachte bereits eine Impfpflicht im Kampf ins Spiel. Jetzt fordert sie auch Ärztepräsident Frank Ulrich Montgomery. Denn Masern können eine gefährliche Hirnentzündung auslösen. Experten in Oberhausen lehnen eine Masern-Impfpflicht aber ab.

In Deutschland wurden in diesem Jahr bereits mehr als 1000 Fälle registriert, 2012 waren es noch weniger als 170. Während etwa in Hamburg Kindertagesstätten vorsorglich geschlossen werden müssen, steht Oberhausen mit zwei Fällen in diesem Jahr und einer Impfquote von über 95 Prozent vergleichsweise gut da.

Impfstatus wird bei Schuleingangsuntersuchungen überprüft

„Bei jedem Kind in Oberhausen wird bei der Schuleingangsuntersuchung der Impfstatus überprüft“, nennt Amtsarzt Dr. Hans-Henning Karbach einen zentralen Baustein in der Masern-Vorbeugung. „Die Kinderärzte achten bei diesen Untersuchungen sehr stark darauf, ob im Impfpass alle relevanten Impfungen vermerkt sind. Wenn das nicht der Fall ist, werden die Eltern darauf aufmerksam gemacht.“

Auch aufgrund der Aufklärungsarbeit in den Kindertagesstätten und der guten Zusammenarbeit mit den Kinderärzten in der Stadt liegt die Impfquote in Oberhausen bei 95,7 Prozent, wie aus dem aktuellsten Kindergesundheitsbericht hervorgeht. „Für eine sogenannte Herdenimmunität müssen mindestens 95 Prozent der Bevölkerung geimpft sein“, so Karbach.

„Überzeugungsarbeit leisten“

Angesichts der in Deutschland steigenden Zahl von Masern-Fällen zeigt sich der Amtsarzt aber besorgt: „Wenn es mehr Menschen in Deutschland gibt, die sich nicht impfen lassen, haben wir bald Zustände wie in einem Entwicklungsland.“ Eine Impfpflicht lehnt Karbach ab. Auch wenn er es als „unverantwortlich“ ansieht, sein Kind nicht impfen zu lassen. „Ich halte sehr viel von Überzeugungsarbeit. Einen Zwang sehe ich dagegen eher kritisch, da er vielfach die Leute auch verschrecken kann.“ Darum will Karbach in Zukunft weiter verstärkt auf die Kommunikation mit den Eltern setzen.

Diesen Weg hält Gesundheitsdezernentin Sabine Lauxen für richtig: „Das Gesundheitsamt hat in der Stadt einen guten Ruf. Durch verschiedene Projekte kommen bereits im Kindergarten viele Kinder und Eltern mit den Ärzten in Kontakt.“ Deswegen gebe es in Oberhausen eine deutlich niedrigere Hemmschwelle, Kinder impfen zu lassen, als anderswo. Auch Familien mit Migrationshintergrund würden fast durchgehend erreicht.

Das bedeutet für Lauxen nicht, dass man sich ausruhen darf: „Beim Thema Masern muss man immer vorsichtig sein.“