Oberhausen ist auch die Wiege für den Computerspiele-Sport

Die späteren Oberhausener Fußball-Zweitliga-Profis Musa Celik, Benjamin und Tim Reichert (hier im Jahr 2008) gehören zu Gründungsmitgliedern von "SK Gaming".
Die späteren Oberhausener Fußball-Zweitliga-Profis Musa Celik, Benjamin und Tim Reichert (hier im Jahr 2008) gehören zu Gründungsmitgliedern von "SK Gaming".
Foto: Tom Thöne
Sie steuern Pixelfigur, taktieren mit der Maus, reagieren exakt und behaupten sich gegenüber anderen Teams. Beim „eSport“ werden Videospiele im sportlichen Wettbewerb ausgetragen. In Oberhausen gründete sich vor 17 Jahren eine Gemeinschaft, die heute weltweit mehr als eine halbe Million Fans hat.

Oberhausen.. Sie steuern ihre Pixelfigur durch dunkle Gänge. Taktieren mit der Computermaus, müssen exakt reagieren und sich so gegenüber der gegnerischen Mannschaft behaupten. "eSportler“, das sind Computerspieler, die Videospiele als sportlichen Wettbewerb verstehen.

Was nach Kinderzimmer-Spielerei klingt, ist ein Millionengeschäft. Es gibt weltweite Ligen, Meisterschaften und Wettkämpfe, die entweder über das Internet oder live in einer Halle vor Zuschauern ausgetragen werden. Erst vor wenigen Monaten kamen 25 000 Fans in der Frankfurter Commerzbank-Arena zusammen, um sich den Wettbewerb „ESL One“ anzuschauen. Wohlbemerkt: anzuschauen! Das Spielen übernahmen langjährig erfahrene Profis, die manchmal von den Preisgeldern und Prämien leben können. Alleine bei „ESL One“, einem der größten Wettbewerbe unter den Computerspiele-Ligen, wurden üppige 200 000 Dollar an Preisgeldern ausgeschüttet.

Ehemalige RWO-Profis sind PC-Pioniere

Was hat Oberhausen mit dieser für Laien schwer einsichtigen Welt zu tun? Viel! In Oberhausen begann ein wichtiger Zusammenschluss von Spielern, die im Fachjargon „Clans“ heißen. 1997 gründete der Oberhausener Ralf Reichert (40) das noch heute existierende Team „SK Gaming“. Mit an Bord in den Pioniertagen der populären Jugendkultur waren seine jüngeren Brüder Tim und Benjamin. Beide starteten später bei RWO eine Profi-Fußballer-Laufbahn. Ralf Reichert wurde Chef der weltweit größten Computerspiele-Liga, der „Electronic Sports League“ (ESL) mit Sitz in Köln.

Das Team „SK Gaming“ beschäftigt in Disziplinen wie Sportspielen („Pro Evolution Soccer“) oder Taktik-Shootern („Quake“) internationale Spieler. Die Mannschaft gilt als das Bayern München des eSports und hat Fans rund um den Globus. Auf Facebook haben mehr als eine halbe Million Menschen den Gefällt-mir-Button gedrückt. Gehälter sind für Topspieler nicht selten. Fanartikel wie T-Shirts und Fahnen gibt es im Fanshop.

Die Computerspiele-Wettbewerbe haben sich aus den Oberhausener Wohnzimmern in große Hallen verlagert, aus denen wiederum per Internet-TV Bewegtbilder in die Welt gesendet werden. Auch im New Yorker Madison Square Garden waren die Profi-Zocker schon zu Gast.

2,2 Millionen Spieler weltweit

Reicherts ESL-Liga zählt 2,2 Millionen aktive Spieler, darunter auch der Normalo-Gamer, der zum Zeitvertreib im Wettbewerb antritt. Nur ein Bruchteil schafft es in die höchsten Spielklassen, in denen Gehälter und Prämien warten. Profis trainieren täglich mehrere Stunden lang vor dem Computer, viele sind Schüler und Studenten. Täglich starten über die Internet-Plattform der ESL rund 4000 Einzel-Begegnungen.

 
 

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