Oberhausen

Oberhausen: Gezielter Anschlag auf Linken-Büro mit selbst gebasteltem Sprengsatz!

Ungelöste Kriminalfälle - Annette L.

Ungelöste Kriminalfälle - Annette L.

Seit 2010 wird die Polizistin Annette L. aus Gelsenkirchen vermisst. Hat ihr Mann etwas mit Verschwinden zu tun?

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Oberhausen. Im Bereich Friedensplatz in Oberhausen ist es in der Nacht zum Dienstag, 05. Juli, zu einer Explosion gekommen.

Das „Linke Zentrum“, ein Büro der Partei „Die Linke“ in Oberhausen, wurde dabei schwer beschädigt. Durch die Wucht der Explosion nahmen auch ein gegenüberliegender Friseur und ein Reisebüro Schaden. Schnell war die Rede von einem Anschlag, unter anderem durch das Bündnis „Es reicht – Oberhausen solidarisch gegen rechts“. Die Partei will sich von dem Vorfall nicht unterkriegen lassen.

Oberhausen: Heftige Explosion mitten in der Nacht – mehrere Gebäude beschädigt

Mitten in der Nacht schreckten Anwohner aus dem Schlaf. Eine heftige Explosion hatte die Fußgängerzone Oberhausens erschüttert. Wie ein Sprecher des Staatsschutzes gegenüber „DER WESTEN“ erklärte, gingen gegen 3.32 Uhr nachts zahlreiche Anrufe bei der Polizei ein.

Vor Ort bot sich den Beamten ein Bild der Verwüstung. Das Parteizentrum der Linken war schwer beschädigt worden, mehrere Scheiben waren zerborsten. Hier scheint es zu der Explosion gekommen sein.

Doch auch andere Gebäude wurden in Mitleidenschaft gezogen. Die Wucht der Explosion traf auch ein gegenüberliegendes Reisebüro und einen Friseursalon. Zu Problemen mit der Statik habe das glücklicherweise nicht geführt, wie der Staatsschutz gegenüber unserer Redaktion mitteilt. Die Feuerwehr habe dies umgehend geprüft. Im Klartext heißt das: Keines der Gebäude ist einsturzgefährdet.

Am Mittwoch dann das Update: Aus Ermittlerkreisen hieß es, es könne sich um einen selbst gebastelten Sprengsatz unter anderem mit „Blitzsprengstoff“ gehandelt haben, wie ihn Feuerwerkskörper enthalten. „Das ist genau die Handschrift von militanten Neonazis“, so Henning von Stoltzenberg, Sprecher der Linken-Fraktion in Oberhausen. Die Ermittler fragten nach Informationen der Linken aber auch nach einer Demo gegen Aufrüstung in Berlin, die Mitglieder besucht hatten.

Die unbekannten Täter hätten dazu einen selbst gebauten Sprengsatz, eine sogenannte „unkonventionelle Spreng- und Brandvorrichtung“ (USBV), verwendet und diese im Eingang des Parteibüros platziert, teilte die Polizei am Donnerstag mit. Das habe das Landeskriminalamt ermittelt. „Aufgrund der Platzierung ist davon auszugehen, dass der Anschlag gezielt dem Parteibüro galt.“

Oberhausen: Anschlag auf Büro der Partei „Die Linke“?

„Es reicht – Oberhausen solidarisch gegen rechts“ sprach auf Twitter bereits am Dienstag von einem Anschlag. „Heute Nacht gab es in Oberhausen einen Anschlag auf das ‚Linke Zentrum‘ der Partei die Linke. Die Zerstörung ist so groß, dass […] das auf der anderen Straßenseite liegende Reisebüro ebenfalls beschädigt wurde. Weiteres später“, heißt es in einem Tweet des Bündnisses.

Im Netz wurde der Beitrag bereits geteilt. Einige äußern erste Vermutungen, wer hinter der Zerstörungswut stecken könnte:

Auch „Die Linke NRW“ und einen Verdacht auf Twitter geäußert: „Wir gehen davon aus, dass - wie bei so vielen Angriffen zuvor bereits- , der Täter Rechtsaußen steht. Wir sind betroffen über das Ausmaß der Gewalt und sind froh, dass niemand verletzt worden ist."

Gegenüber der Deutschen Presseagentur sprach Karacelik von einem „rechten Terroranschlag“. Auch die Bundesvorsitzende der Linken, Janine Wissler, sowie NRW-Parteichef Jules El-Khatib vermuten nach eigenen Worten einen rechtsradikalen Hintergrund.

Oberhausen: Staatsschutz ermittelt in alle Richtungen

Der Staatsschutz wiederum sprach zunächst nicht offiziell von einem Anschlag, wurde jedoch nach eigener Aussage mit den Ermittlungen betraut, da eine politisch motivierte Straftat nicht ausgeschlossen werden kann.

Die Ermittler verfolgen aber auch weitere mögliche Spuren. So hatten mehrere Mitglieder der Linken aus Oberhausen am Wochenende an einer Demonstration in Berlin teilgenommen, die sich gegen die Aufrüstung Deutschlands wegen des Ukraine-Kriegs richtete. Karacelik bestätigte der dpa, dass er am Dienstag von der Polizei dazu befragt worden sei. Er betonte: „Das war keine pro-russische Demo, sondern eine Friedensdemo.“ Von daher sei es falsch von der Polizei, in diese Richtung zu ermitteln - sie solle lieber in der rechten Szene nach den Tätern suchen.

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„Die Stimmung ist gefasst, man kann auch sagen 'kämpferisch'“, sagte Henning von Stoltzenberg, Sprecher der Linken-Fraktion in Oberhausen, am Mittwoch. „Wir lassen uns keine Sekunde an unserer Arbeit hindern“. Es habe den Veranstaltungsraum im vorderen Gebäudeteil erwischt, sagte von Stoltzenberg. Der sei nun erstmal mit Brettern vernagelt, im hinteren Teil könne man weiter arbeiten.

Zwar gebe es immer wieder Naziaufkleber oder Hakenkreuzschmierereien. „Ich glaube, man nennt das eine "abstrakte Gefährdungslage", die wir schon immer hatten“, sagte der Sprecher. Eine konkrete Drohung oder ein Bekennerschreiben gab es demnach aber nicht. (alp, mit dpa)