Oberhausen 2009 - der WAZ-Jahresrückblick

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2009 geht zu Ende, es ist Zeit, zurückzublicken auf das Super-Wahljahr, gezeichnet von Finanzkrise, Sparzwängen, Klimawandel, Abwrackprämie, Schweinegrippe. Was die Welt im Großen bewegt, beeinflusst auch die Jahresbilanz unserer Stadt.

Die Oberhausener Jahresbilanz für 2009 ist natürlich geprägt von den immer wiederkehrenden Oberhausen-typischen Ereignissen. Doch es gilt auch, Rekorde zu vermelden, einiges Neue wurde gewagt, Jubiläen begangen. Und: Keine Frage, das Hauptstadtjahr 2010 warf Schatten voraus. Kulturorte wie Gasometer, Arena, Metronom, Theater, Ebertbad, Lichtburg-Filmpalast, Schloss Ludwig, Industriemuseum, Fabrik K 14, Druckluft, Altenberg, Bunkermuseum und viele, viele kleinere kultige Orte haben ihr Bestes gegeben.

Januar: Der Winter kommt zum Jahresbeginn: In einer knackig-kalten Silvesternacht begrüßen wir das neue Jahr. Der Schnee verwandelt die Stadt in ein Wintermärchen, die Wirtschaftsbetriebe werden der Lage nicht Herr, die Stoag ersetzt Straßenbahnen durch Busse, der Räumungsdienst ist Stadtgespräch.

Februar: Vertraute Fremde sind in der Stadt: Mit beeindruckenden Portraits in der Ludwig Galerie huldigt Star Jim Rakete der analogen Fotografie. Der grandios aufgelegte Udo Jürgens zeigt keine Spur von Altersmüdigkeit in der Arena. 70 000 gut aufgelegte Narren säumen Straßen beim Kinder-Karnevalszug. Der Oberbürgermeister reitet auf einem goldenen Esel im närrischen Lindwurm durch Stadt, der 140 000 Fans an die Wegstrecke lockt.

Arbeiter stürzt von Hochspannungsmast

März: Die Nerven fliegen beim Flic-Flac-Programm „Underground”, nach der Verbindung zwischen dem Regisseur Luchino Visconti und Oberhausens Eisdielenbesitzer Friedrich W. Achenbach sucht das Theater-Außenprojekt Gelateria Götterdämmerung im Gästehaus der GHH. Ein Auto rast in ein Juweliergeschäft nach einem Blitzeinbruch im Centro, ein Arbeiter stürzt aus 16 Metern Höhe vom Hochspannungsmast, es gibt grünes Licht fürs Besucherzentrum in der neuen Mitte. Vorleser entdecken in Homers Odyssee den Rhythmus des Lebens und liefern in einem achtstündigen Literatur-Marathon als Vorgeschmack auf 2010.

An die Löffel, fertig los: Viele Köche verfeinern den Brei, denn 15 Betriebe wollen künftig regelmäßig Menüs an die Tafel verschenken. Ein Top-Event für junge Leute ist der mobile Hochseilgarten, in der Jugendkirche Tabgha, 12 000 erleben die Schau von Pink, einer der ganz Großen im Pop-Zirkus. Im Gasometer geht er auf, der größte Mond auf Erden, der fortan über den Wundern des Sonnensystems thront. Die evangelische Familienbildungsstätte feiert ihren 100. Geburtstag.

Sternstunden - ein Meisterwerk

April: Gewaltig und gelungen bieten die Sternstunden im Gasometer ein Meisterwerk aus Wissenschaft, Kultur und Kunst. Reif für die Bahre? In die „Klinik Oberhausen” bittet das Theater sein Publikum. Es öffnet sich zum 55. Mal der Vorhang für die Internationalen Kurzfilmtage. Sie trumpfen auf mit 600 Beiträgen aus 36 Ländern. Bilanz des Festes: bester Besuch seit 1998.

Mai: Der Himmel entlässt seine Kinder und 700 Engel des BDKJ schwärmen aus, um mit einer 72-stündgen beispiellosen Aktion Gutes zu tun. Es beginnt der Streik der Erzieherinnen und es gibt doch kein Geld für die Gasometer-Folgeausstellung „Welt der Religionen”. Mit 140 Lese-Veranstaltungen wird OB Mekka für Bücherwürmer und startet einen literarischen Marathon quer durch die Stadt. Die ganze Welt an einem Tag sehen die Besucher der Sand-Skulpturen am Centro. Der Gasometer, Symbol des Strukturwandels und Wahrzeichen unserer Stadt, wird 80 Jahre alt. Es wird auch wieder Kunstsommer in Oberhausen. Helge Schneider erhält den Neptun für sein Engagement in deutsch-polnischer Verständigung. Nach halbstündiger Wartezeit geht's am Olga-Park zum letzten Mal auf die Strecke des Karstadt-Marathons. Letztmalig beginnt die Freibadsaison im Sommerbad Alsbachtal.

Juni: Der Trinkgeld-Skandal der Toilettenfrauen hat böse Folgen: Die Betrogenen werden zu Telleraufsichten degradiert – sie dürfen nicht mehr putzen, sondern nur noch Aufseherinnen spielen. Kritik gibt's wieder einmal am „Euro Auctions”, dem Vertreiber des ehemaligen Stahlwerkgeländes: Eine Spielhalle soll dem schon nicht willkommenen Lidl als Nutzer folgen. Ins Wasser fällt die Feier um 150. Geburtstag des Altmarktes. Gegen den allgemeinen Trend schwimmt die SPD in Oberhausen bei der Europawahl an, legt leicht zu und schafft 36,6%. Die CDU kommt auf 28,3%, Grüne erhalten 11%, die FDP folgt mit 9,2%, DieLinke bekommt 7,0%. Sternstunden erleben Nachtschwärmer bei der Nacht der Industriekultur. Die Stoag spart und stellt auf einen reduzierten Fahrplan um, was zur Empörung bei den Nutzern führt. In Sterkrade beginnt der traditionelle Fronleichnams-Rummel.

Schlager-Woodstock zieht 35 000 Menschen an

Seit der Open-Air-Sause der Rolling Stones hat die Stadt wohl kaum eine größere Freiluft-Veranstaltung gesehen. Einfach wunderbares Theater hat die erste Spielzeit unter Intendant Peter Carp den Fans geboten. Zum Finale gibt's noch einmal Tom Waits „Woyzeck”. Das Schauspiel hatte schon lange nicht mehr ein solch positives Medienecho.

Das Konjunkturpaket II greift und bringt Glanz in die Schulen. Der Literaturpreis der Stadt wird international und bezieht die Partnerstädte ein, die „Extraschicht” ist eine prima Werbung fürs Kulturjahr 2010, Gdanska-Chef Czeslaw Golebiewski bekommt den Rheintaler des LVR. Es fällt schon wieder ein Massenrekord: Für ein großes Beben sorgen 36 000 Fans beim Festival der elektronischen Klänge im Olga-Park.

Juli: Erneut wirft das Kulturjahr 2010 Schatten voraus: Die Ausgrabungsstätte Antony-Hütte soll ein Dach bekommen und die „Multi”, größte internationale Jugend-Kultur-Bewegung mit „Wohnsitz” in unserer Stadt, will Grenzen sprengen und sechs Nachbar- und deren Partnerstädte mit ins Boot holen. Lachtränen fließen bei der ersten Deutschen Schwimmflossen-Meisterschaft im Centro. Der Himmel brennt beim Sternenzauber, drei Pyrotechniker zeigen ein Feuerwerk in grandioser Perfektion, das 7 000 Zuschauer begeistert. Die Wirtschaftskrise zeigt Wirkung bei den Steuereinnahmen, Oberhausen verliert weit über 20 Millionen Euro. Und auch das Klima meint's nicht gut mit unserer Stadt, ein Unwetter trifft hart den Oberhausener Norden. Besser besucht als je zuvor ist die fünfte Sommer-Musiknacht in der Innenstadt. Bereits 26 Menschen sind an Schweinegrippe erkrankt.

August: Aufhorchen lässt Olgas Rock: 15 000 Fans feiern die zehnte Auflage des Festivals. Jetzt ist es raus: Das Innenraum-Konzept des Aquaparks kommt bergmännisch daher: Bietet baden unterm Förderturm. Ein persönliches Jubiläum feiert Stadtkünstler Kuro alias Walter Kurowski, er wird 70. Den Musikfreunden ist der begnadete Zeichner bekannt durch das Jazzkarussell. Wir sind 50: Die Friedrich-Ebert-Realschule feiert Geburtstag mit einer Festwoche und: Was für ein Oschi! Anna Petrowskis Riesen-Kohlrabi wiegt mindestens 18 Pfund.

Wehling bleibt OB

Der zweite Urnengang des Jahres steht an, die Kommunalwahl. Klaus Wehling bleibt Oberbürgermeister mit 47,39% der Wählerstimmen, CDU-Herausforderer Dirk Buttler erhält 32,24%, Frank Dittmeyer (DieLinke) wird Dritter mit 7,3 % gefolgt von Manfred Lorentschat (Grüne) mit 7,21%. Die SPD muss erstmals nach 45 Jahren der Alleinherrschaft in eine Koalition (SPD 44%, CDU 30%, Grüne 10%, LinkeListe 9%, FDP 7%). Der CDU gelingt es, zwei Wahlkreise direkt zu gewinnen mit Hans-Jürgen Köhler in Styrum und Dirk Rubin in Sterkrade Nord.

September: Am Neunten im Neunten erwarten wir vergeblich einen neuen Heiratsrekord: Nur 20 Paare geben sich das Ja-Wort, 51 waren es am 8.8.2008. Ronald Gegenfurtner, der langjährige Leiter der Hilfsorganisation Friedensdorf International, stirbt im Alter von 58 Jahren. Sein Lebenswerk war das Engagement für kranke und verletzte Kinder aus Kriegs- und Krisengebieten. „Wir werden wieder überraschen”, verspricht Intendant Peter Carp zum Auftakt der neuen Theater-Spielzeit. Jetzt steht es fest, die Sternstunden währen länger und zwar während des gesamten Hauptstadtjahres.

Bleibt Gasometer-Geschäftsführerin Jeanette Schmitz nur, das Aus der „Welt der Religionen” als zusätzlichen Schub für die „Kulturtonne” durch internationales Publikum zu sehen. Comics von Ralf König zeigt die Ausstellung „Der Eros der Nasen” in der Ludwig Galerie. Zehnten Geburtstag feiert das Metronom-Theater. Wir haben die Qual der Bundestagswahl: Michael Groschek (SPD) wird direkt gewählt, drei weitere Abgeordnete schickt Oberhausen nach Berlin, Marie Luise Dött (CDU), Bärbel Höhn (Grüne) und Niema Movassat (DieLinke). Der Wahlausgang beeinflusst den Rat der Stadt, denn die SPD, die mit einer Rot-Gelb-Koalition geliebäugelt hatte, nimmt nun doch lieber die Grünen mit ins Boot.

Popstars und Kinderfilme

Oktober: Die Schmachtendorfer Heinrch-Böll-Gesamtschule darf sich zu den 100 Europa-Schulen im Land zählen. Junge Leute interessiert auch dies: Daniel Dausner begibt sich als einer der letzten 25 Kandidaten mit Aussichten auf Popstar-Tour und Mustafa Kaynar besteht das Abitur mit der Traum-Bestnote 1,0. Großes Kino für kleine Leute bieten die bereits 26. Kinderfilmtage im Lichtburg Filmpalast, Horsthemke eröffnet das erste Drive-In der Bäckerbranche.

Die Reihe „Gitarrissimo” organisiert ein Festival mit zehn Konzerten von Saitenkünstlern verschiedener Spielarten. Die Eishalle startet in ihre – durch Schließung abgebrochene – kürzeste Saison. Vom Kunjunkturpaket profitiert das Jugend- und Kulturzentrum Druckluft: Für 1,67 Mio Euro gibt's ein neues Outfit. In der Kulturnacht SchlaflOs bringt ein Shuttle-Bus die Nachtschwärmer zu den Kultur-Stationen.

November: Die „Kunstlichter” brechen einen Rekord: Die vierte Nacht der offenen Ateliers lockt Besucher zu 18 verschiedenen Kunst-Standorten. Schlager satt in der ausverkauften Arena liefern bei der WDR-4-Hitparade Patrik Lindner, Jürgen Drews und Co. Es kündigt sich an, das große Buddeln in der Innenstadt. Zwei Jahre lang werden, dem Konjunkturpaket sei Dank, Bert-Brecht-Haus und Saporoshje-Platz für 4,5 Millionen Euro aufgehübscht. Der Hoppeditz erwacht auf dem Friedensplatz, die Impfwelle gegen die Schweinegrippe schwappt in unsere Stadt. Die Premiere der Oberhausener Johannes-Passion erweist sich als Flop. In der Ludwig Galerie wird der Comic-Preis verliehen. Sina Grunwald (16) gewinnt. In ihrer Schöpfungsgeschichte ist Gott eine Frau. Bei den Jüngeren Zeichentalenten ist Paul Schumann (12) der Sieger. Die Zukunft der geschlossenen Eishalle ist ungeklärt, Marco I. wird zum Stadtprinzen gekürt, André I. und Chantal I. sind Kinderprinzenpaar.

Millionenloch im Haushalt

Stadtkämmerer Bernhard Elsemann legt dem Rat den Haushaltsentwurf für 2010 vor. Ein 100-Millionen-Loch tut sich auf. Popstar-Kandidat Daniel steht im Viertelfinale. Ein schwerer Unfall fordert einen Toten: Das Steuerhaus des Tankschiffes „Vestland” bleibt unter der Sterkrader Straßenbrücke der B 223 hängen. Der Oberbürgermeister eröffnet den vierten Oberhausener Weihnachtswald.

Dezember: 700 Gäste feiern die Fertigstellung des Aquaparks, WAZ-Leser dürfen probeschwimmen. Gottes Segen erhalten das Bad und seine Heilige Barbara, Schutzpatronin des Bergbaus, der das Ambiente prägt. Kuro, Walter Kurowski, bekommt ein nachträgliches Geburtstagsgeschenk: Das Jazz-Karussell ist der Gewinner des Kruft-Kulturpreises. WAZ-Leser haben darüber abgestimmt, wer ihn erhält. Daniel scheitert im Popstars-Finale. Alle Jahre wieder extrem gestalten Aktive der Gemeinde St. Marien Rothebusch die Weihnachtskrippe thematisch, diesmal geht's um Abwrackprämie, Klima, Börse. Sie haben einen Trabi ins Gotteshaus gestellt.

Ein Wetterrekord fällt am Sonntag, 20.12.: Schnee satt zum zweiten Mal im Jahr, doch die Pracht ist schon vor den Festtagen wieder verschwunden. 2009 verabschiedet sich voraussichtlich so wie es begann: Mit einer kalten Silvesternacht.

 
 

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