Nussknacker dreht Pirouetten

Bunt, kindgerecht und nicht frei von Kitsch stellte sich der „Nussknacker on Ice" in der Arena dar.
Bunt, kindgerecht und nicht frei von Kitsch stellte sich der „Nussknacker on Ice" in der Arena dar.
Foto: Fabian Strauch Photography / WAZ
Das St. Petersburger Staatsballett zeigt auf dem Eis in der Arena Oberhausen sein Können. Verhaltener Beifall. Große Halle und knackende Boxen stören.

Oberhausen.. Eine Inszenierung wie aus dem Märchenbuch bot das St. Petersburger Staatsballett mit seiner Version von Tschaikowskis „Nussknacker” in der gut zur Hälfte gefüllten Köpi-Arena: Bunt, kindgerecht und nicht frei von Kitsch. Das Originellste an der russischen Interpretation des berühmten Stoffs steckt schon im Titel: Denn bei „Nussknacker on Ice” schwingen sich die Tänzer auf die Kufen.

Die Mischung aus klassischem Ballett und Eiskunstlauf hat ihren Reiz. Die Choreographie ist stark darauf ausgerichtet, die Geschichte zu transportieren: Die Eiskunstläufer erzählen in geschmeidigen Bewegungen von dem Mädchen Clara, das von ihrem Patenonkel Drosselmeier zu Weihnachten einen Nussknacker geschenkt bekommt, der sich in ihrem Traum ein Duell mit dem Mäusekönig liefert und in einen Prinzen verwandelt wird. Dann reist das Paar durchs Land und es gibt ein großes Fest. Friede, Freude, Nusskuchen.

Klassische Kostüme

Ihren Ursprung hat die Geschichte in einer Erzählung des Schriftstellers E. T. A. Hoffmann. Pjotr Iljitsch Tschaikowski komponierte die Musik fürs Ballett, das die Grundlage für die Arena-Show bildet.

D as von Elena Markova gestaltete Tournee-Bühnenbild von „Nussknacker on Ice” kommt malerisch-naturalistisch daher und erinnert an die Uraufführung des eisfreien Balletts 1882. Auf bunt bemalten Staffagen wird der Saal für die Weihnachtsfeier dargestellt. Die Tänzer treten in klassischen Kostümen auf, so dass die ganze Szenerie wie aus der Zeit gefallen wirkt.

Höflicher Beifall nach dem Finale

Wer eine Abneigung gegen moderne Inszenierungen besitzt, dürfte sich hier bestens aufgehoben fühlen. Auch Kindern dürfte die Show gefallen haben. Allen anderen könnte das Geschehen auf der Eisbahn etwas bieder vorkommen. Dass Tschaikowskis Musik nur vom Band und aus zuweilen knackenden Boxen kommt, trägt ebenso wenig zur Atmosphäre bei wie die unangemessen erscheinende Hallengröße.

Verhalten bleibt die Stimmung in der Arena. Nur wenn das Ensemble sein eisläuferisches Können zeigt, etwa wenn „Drosselmeier”-Darsteller Sergey Golodnev gekonnt eine Pirouette aufs Eisparkett legt, gibt es Szenenapplaus. Nach dem Finale ist der Beifall eher höflich – er endet so rasch, dass der Lichttechniker das Publikum für eine knappe Minute im Dunkeln sitzen lässt, weil er wohl noch mit einer Verbeugung des Ensembles gerechnet hat. Doch da hat sich schon ein gut Teil der Zuschauer längst rausgeschlichen.

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