Rentner aus Sterkrade erradelt Pilgerweg in Polen

Am Ende seines Pilgerweges zeigte sich Stettin mit seinem Schloss in strahlendem Sonnenschein.
Am Ende seines Pilgerweges zeigte sich Stettin mit seinem Schloss in strahlendem Sonnenschein.
Foto: Peter Nadarzy
  • Mit seinem Fahrrad war Peter Nadarzy auf den meisten Pilgerweg-Etappen allein unterwegs
  • Er fand immer hilfsbereite Menschen, die ihm Quartier und Verpflegung zur Verfügung stellten
  • Im kommenden Jahr will der Rentner eine weitere Etappe des Weges zurücklegen

Oberhausen.  Allein mit seinem Fahrrad hat sich Peter Nadarzy (68), der seit 1970 in Sterkrade lebt, auf die Spuren des pommerschen Jakobsweges in Polen gemacht – pannenfrei, wie er nach seiner Rückkehr freudig betont. Das Pilgern biete ihm die Möglichkeit, ganz für sich zu sein, seinen Gedanken nachhängen zu können: „Auf diesem Pilgerweg hatten sich an einer Station gerade mal 30 Pilger in diesem Jahr eingetragen. Ich war zumeist allein unterwegs.“

Viele vor allem positive Eindrücke hat er von der Tour mitgebracht. „Eine Begegnung ist mir besonders in Erinnerung geblieben“, sagt der Rentner. Es war in einer einsamen Gegend, sein Navi versagte den Dienst. Arbeiter, mit denen er sich mit Händen und Füßen zu verständigen versuchte, wussten auch nicht weiter: „An einem Bauernhaus fragte ich erneut nach dem Weg. Ruck, zuck standen fünf Leute um mich herum und versuchten, mir zu helfen. Schließlich kam ein Mädchen dazu, schnappte sich sein Rad und den Hund und erklärte mir, ich solle folgen – obwohl es mich doch gar nicht kannte“, erzählt Nadarzy. Fünf Kilometer weit habe sie ihn auf den richtigen Weg geführt: „Sie erklärte mir, das sei ein gutes Training für ihren Hund.“

Ähnliches widerfuhr ihm, nachdem ihm ein Pfarrer das Nachtquartier verweigerte: „Ich musste 20 Kilometer weiterfahren, fand weder ein Hotel noch Restaurant und hatte nur noch zwei Äpfel“, erinnert er sich. Doch in einem Dorf fand er hilfsbereite Bewohner, die ihm ein Quartier zur Verfügung stellten: „Und die mich verköstigten für kleines Geld.“

Auf seiner Strecke, die ihn knapp drei Wochen lang von der polnisch-russischen Grenze in Masuren entlang der Ostseeküste durch Pommern bis nach Stettin führte, kehrte Peter Nadarzy vor allem in Pfarrhäusern ein: „Viele Pfarrer sprachen etwas oder sogar sehr gut Deutsch.“ Der Pilger erfuhr, dass sich die polnischen Pfarrer selbst um ihr Auskommen kümmern müssen; eine Kirchensteuer wie in Deutschland gibt es dort nicht: „Sie ziehen mit dem Klingelbeutel von Haus zu Haus.“

Nächste Etappe im Jahr 2017

Abenteuerlich wie einige Strecken auf dem Weg sei schon die Anreise gewesen, sagt Nadarzy: „Mit dem Rad zu verreisen, ist bei der Deutschen Bahn nicht einfach, in meinem Zug, der von Amsterdam nach Berlin fuhr, gab es gerade vier Fahrrad-Plätze. In Polen gibt es viel mehr Möglichkeiten.“

Abenteuerlich sei in Polen das Radfahren auf manchen Straßen gewesen: „Polnische Autofahrer sind es offensichtlich nicht gewohnt, dass Radler auf den Straßen unterwegs sind.“

Bis zu 70 Kilometer schaffte der 68-Jährige, der in der Nähe von Baden-Baden geboren wurde, dennoch an jedem Tag: „Dreimal bin ich auf sehr sandigen Wegen über den Lenker gegangen. Zum Glück ist nichts passiert.“

Der pommersche Jakobsweg ist nicht die erste Pilgerstrecke, die Peter Nadarzy bewältigt hat: „Den ersten Kontakt zum Pilgern bekam ich auf einer Radtour über den sogenannten Ochsenweg in Dänemark. Da entdeckte ich eine kleine Hütte mit einem Schild ,Pilgerschutzhütte’. Darüber wollte ich mehr wissen.“ In Dänemark folgte er dann im Jahr 2013 erstmals einem Pilgerweg: „Ich hab’ da bei Bauern, Pfarrern, aber auch in Altenheimen und Kindergärten übernachtet, die als Pilgerstätten ausgewiesen waren.“

Auch in Polen war er bereits – das war im Jahr 2015: „Da habe ich beschlossen, die gesamte 780-Kilometer-Strecke durch Polen zu fahren.“ Neue Pläne hat er auch schon: „Im kommenden Jahr möchte ich von Stettin über Usedom bis Münster radeln.“

 
 

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