Oberhausener Schüler lernen Arbeitsrecht kennen

Dr. Christian Kallos bespricht mit Schülern der Rechtskunde-AG in Sterkrade das Verhältnis von Arbeitnehmern und Arbeitgebern.
Dr. Christian Kallos bespricht mit Schülern der Rechtskunde-AG in Sterkrade das Verhältnis von Arbeitnehmern und Arbeitgebern.
Foto: Fabian Strauch
Arbeitsrichter besucht Rechtskunde-AG am Freiherr-vom-Stein-Gymnasium. Er berichtete aus der Praxis und betont, worauf zu achten ist.

Oberhausen. Was passiert, wenn der Arbeitgeber seinem Mitarbeiter eine Kündigung schickt, sobald dieser für drei Wochen im Urlaub verreist ist? Dann kommt der Arbeitnehmer entspannt zurück und muss feststellen, dass er dagegen rechtlich nicht mehr vorgehen kann. „Ist das nicht gemein?“, fragt ein Schüler. Vielleicht. Aber diese Frist ist rechtlich festgesetzt und darauf macht Arbeitsrichter Dr. Christian Kallos bei seinem Vortrag in der Rechtskunde-AG am Freiherr-vom-Stein-Gymnasium in Sterkrade aufmerksam.

Was sind die Aufgaben eines Richters? Wann wird das Gericht überhaupt tätig? Warum gibt es verschiedene Gerichte und Instanzen? Seit einigen Jahren gibt es die Rechtskunde-AG am Gymnasium in Sterkrade. Interessierte Schüler nehmen das Angebot als Nachmittagsunterricht wahr und erhalten bei ausreichender Anwesenheit eine Bescheinigung. Geleitet wird die AG von Rechtsanwalt Götz Schulz-Loerbroks. Den Schülern sei vor allem das Strafrecht aus dem Fernsehen bekannt, sagt er. „Dass es noch andere Arbeitsbereiche gibt, fällt ihnen oft nicht ein.“

Daher gibt Dr. Kallos einen Einblick in die Berufspraxis eines Richters und in seinen Fachbereich Arbeitsrecht. „Es ist eine Vorbereitung auf das Arbeitsleben“, sagt der Richter. In seinen Vorträgen will er die Schüler auf ihre Pflichten, aber auch Rechte aufmerksam machen. Das ist auch für diejenigen interessant, die nach dem Abitur eine Ausbildung anstatt eines Studiums beginnen. „Es geht darum, Schüler dafür zu sensibilisieren, auf ihre Rechte zu achten“, so Dr. Kallos.

Zum Beispiel beim Thema Arbeitszeiten: So gilt für Auszubildende grundsätzlich das Arbeitszeitgesetz, für Auszubildende zwischen 16 und 18 Jahren zusätzlich das Jugendarbeitsschutzgesetz – dazu gehört auch, dass die Obergrenze von 40 Stunden pro Woche nicht überschritten werden darf.

Anhand von Beispielen erläutert der Fachmann, unter welchen Umständen eine fristlose Kündigung rechtens ist, denn diese sollte immer das letzte Mittel nach meistens erfolgten Abmahnungen sein, betont der Richter und verweist auf Verhältnismäßigkeiten. Dabei erwähnt er den Streitfall Emmely, bei dem eine Kassiererin Pfandbons einlöste, die nicht ihr gehörten. Eine fristlose Kündigung wurde für unwirksam erklärt, da das Vergehen nicht im Verhältnis zur langjährigen Beschäftigung der Kassiererin in dem Supermarkt stand.

Praktisches Alltagswissen

„Es ist praktisch im Alltag dieses Grundwissen zu haben“, so die Meinung eines Schülers. Im Rahmen der AG erproben sich die Schüler beim Planspiel zu einer Gerichtsverhandlung, tauchen in die Theorie zu Straf-, Zivil- und Verwaltungsrecht ein und besuchen das Amtsgericht in Oberhausen.

Neben dem Mythos der Unkündbarkeit im Urlaub räumte Richter Dr. Kallos auch den im Falle einer Krankheit aus – auch dann kann der Arbeitgeber eine Kündigung verschicken. Das Gericht muss dann die Voraussetzungen prüfen.

 
 

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