Muslime wollen Oberhausen-Heide verlassen

2012 kaufte eine bosnischer Kulturgemeinschaft diese Bäckerei, um sie zur Moschee umzubauen. Dass dies die vierte muslimische Vereinsstätte in direkter Nachbarschaft wäre, sorgte im Ortsteil für Diskussionen.
2012 kaufte eine bosnischer Kulturgemeinschaft diese Bäckerei, um sie zur Moschee umzubauen. Dass dies die vierte muslimische Vereinsstätte in direkter Nachbarschaft wäre, sorgte im Ortsteil für Diskussionen.
Foto: WAZ FotoPool

Oberhausen. Dass rund um die Fahnhorststraße in Osterfeld-Heide auf wenigen hundert Metern die vierte Stätte eines muslimischen Vereins entstehen soll, sorgte im Ortsteil zuletzt für viel Zündstoff. Nun will einer der dort ansässigen Osterfelder Vereine, das „Glaubens- und Kulturzentrum“, wegziehen. „Wir wollen die Situation entschärfen“, sagte Muhammed Erdogan, Sprecher des rund 60 Mitglieder starken Vereins. „Wir suchen eine neue Bleibe, die für uns und unsere Nachbarn eine gute Alternative ist.“

Seit rund einem Jahr schwelt das Thema in Osterfeld. Damals hatte die Bosnisch-islamische Kulturgemeinschaft Oberhausen aus Sterkrade bekannt gegeben, dass sie eine ehemalige Bäckerei an der Fahnhorststraße kaufen und zur Moschee umbauen will. Bürger fühlten sich überfahren, vordergründig ging es um Parkplatzsorgen und laute Feste.

Erster Verein an der Straße

Die Arbeiten an der dann bosnischen Moschee sollen noch in diesem Jahr beginnen. Gegenüber baut der Osterfelder Verein für Bildung und Integration (OVBI), der zum Verband islamischer Kulturzentren gehört (VIKZ) und bisher noch an der Kapellenstraße ansässig ist, derzeit eine Fabrikhalle zum Bildungszentrum mit Schülerwohnheim, Gebetsräumen und Seniorenbetreuung aus.

Ebenfalls wurde spekuliert, dass eine leerstehende Lidl-Filiale als Gebetsraum umgenutzt werden sollte. Das hatte sich aber nicht bestätigt.

Seit 2001 ist das Glaubens- und Kulturzentrum an der Fahnhorst­straße ansässig, es war der erste Verein, der sich an dieser Straße in einem Mischgebiet aus Gewerbe und Wohnraum ansiedelte. „Wir hatten in all der Zeit nie Probleme mit unseren Nachbarn“, sagt Muhammed Erdogan, Mitglied im Integrationsrat, deutlich. Regelmäßig hat das Glaubens- und Kulturzentrum auch zu Nachbarschaftsfesten eingeladen.

Die derzeitigen Räume seien mit 190 Quadratmetern zu klein, deshalb habe der Verein bereits seit einigen Jahren Ausschau nach einem anderen Heim gehalten. „Wir haben viele junge Mitglieder, denen wir etwas bieten wollen.“ Der Wunsch wegzuziehen, habe sich durch die aktuelle Diskussion verstärkt. „Es muss eine Lösung her, die niemanden eingrenzt.“

Der Verein hofft bei der Raumsuche nach geeigneten Mietflächen auf Unterstützung der Stadt. Ein Grundstück zu kaufen, komme nicht in Frage. „Wir sind ein kleiner Verein, die finanziellen Mittel haben wir nicht.“

Scharfe Kritik an der CDU

Ercan Telli, Geschäftsführer des Integrationsrats, weist die Kritik der CDU-Ratsfraktion an Hinterhof-Moscheen und Ballungen von muslimischen Vereinsstätten wie an der Fahnhorststraße scharf zurück.

„Es gibt in Oberhausen nicht eine Hinterhof-Moschee“ , sagt der SPD-Mann. „Wir haben erlebbare und sichtbare Häuser.“ Er appelliert, die Diskussion um Moscheen sachlich und besonnen zu führen. „Das ist kein Wahlkampfthema.“ Man dürfe keine Ängste schüren.

Grundsätzlich verwehrt sich Telli dagegen, muslimische Vereine über einen Kamm zu scheren: „Wir haben verschiedene Nationalitäten und Kulturen“, sagt Telli. „Da gibt es natürlich nicht ein Gebetshaus für alle.“

Dass es zu Parkplatzproblemen etwa an der Fahnhorststraße komme, sei nicht auszuschließen. „Ob das jetzt ein muslimischer Verein ist oder eine Einrichtung, die große Feste feiert, klar, das kann eng werden.“ Deshalb habe der „Osterfelder Verein für Bildung und Integration“ (OVBI), der derzeit ein Fabrikgebäude zum Bildungszentrum und Schülerwohnheim umbaut, einen ehemaligen Bahndamm hinterm Haus gekauft, um dort Parkplätze einzurichten. „Die Sorgen werden ernst genommen“, so Telli.

Er erinnert daran, dass es seit 2004 einen Runden Tisch in Osterfeld-Heide gebe, an dem CDU, SPD, Wohlfahrtsverbände und das Landesjugendamt beteiligt sind. Dieser begleitet die Entwicklung des OVBI-Schülerwohnheims.

Rewe will ins Lidl-Gebäude ziehen

Die Rewe-Gruppe will sich noch stärker in Osterfeld engagieren als bisher bekannt. Offenbar ist geplant, die leerstehende Lidl-Filiale an der Fahnhorststraße anzumieten und dort einen neuen Getränkemarkt unter der Konzern-Marke Kaufpark zu etablieren. Eine erste Besichtigung ging am Donnerstag offenbar vielversprechend zu Ende. Wie es aus Kreisen der Rewe-Dortmund Großhandel eG, einem Zusammenschluss von 300 selbstständigen Einzelhändlern, heißt, sei man sehr interessiert an dem Standort. Es geht um einen zehnjährigen Mietvertrag.

Zuletzt hatte es im Ortsteil geheißen, dass die Lidl-Filiale zum Gebetshaus umgebaut werden soll. Das scheint sich nicht zu bestätigen.

Voraussetzung für die Anmietung des ehemaligen Lidl, so heißt es von der Rewe-Gruppe, sei aber die Genehmigung des geplanten Kaufparks auf dem jetzigen Betriebsgelände des Kramer-Autohauses an der gegenüber liegenden Straßenseite. Dort hat Kramer-Geschäftsführer Kai Brandenburg über Jahre erstritten, dass er auf seinem Betriebsgelände einen 800 Quadratmeter großen Supermarkt errichten darf. Für eine Kaufpark-Filiale mit bis zu 15.000 Artikeln und Thekenbereich im Sortiment braucht es aber 1200 Quadratmeter. Die Genehmigung der Stadt steht noch aus.

 
 

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