Moleküle mit dem Lasso einfangen

Foto: Tom Thöne / WAZ FotoPool
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Oxea stellt 60 chemische und organische Produkte her. Eine Anwohnerin klagt über Gestank, den sie dem Werk zuordnet. Oxea: „Gehen jedem Hinweis nach“

Oberhausen.. Die Autobahnausfahrt in Holten, früher erkannten Oberhausener sie ohne hinzuschauen. Am Geruch. Immer der Nase nach, wo es besonders muffig stinkt, da ist die Ruhrchemie, da ist Holten.

Heute überwacht die Oxea-Gruppe als Betreiberin des Ruhrchemie-Geländes und eine von sieben ansässigen Firmen die Emissionen der Anlagen genau. Die Abluft wird zentral gereinigt, ein Mal am Tag fahren die Werksfeuerwehrleute zum Geruchs-Check übers Gelände. Dennoch: Eine Biefangerin klagt über zunehmend belastende, mal staubige, mal duftende Gerüche, die sie dem Werk zuschreibt. Reinhold Bührer, Leiter des Bereichs Sicherheit und Umweltschutz, sagt: „Wir können nicht jedes Molekül mit dem Lasso einfangen. Aber wir sind dankbar für jeden Hinweis auf Geruchsbelästigungen und überprüfen sofort aufgrund der Windrichtung, ob wir oder andere Quellen Ursache sein könnten.“

Das weltweit tätige Chemieunternehmen Oxea hat sich auf chemische und organische Verbindungen spezialisiert. Rund 60 sogenannte Oxo-Produkte stellen die über 1065 Mitarbeiter her, Einsatz finden die Produkte in geruchsloser Farbe, als Duft- und Aromastoffe, auch in Schutzfolien für Fensterscheiben.

Lydia Beuchert hat ihre Fenster häufig geschlossen. Sie lebt seit 19 Jahren in Biefang, sagt, dass die Geruchsbelastung in den letzten Monaten enorm zugenommen habe. „Früher war es meist abends, da habe ich diese Gase gerochen, als würden sie die dann ablassen.“ Seit einigen Monaten zögen die Gerüche auch tagsüber in ihre Wohnung. Nachbarn klagten ebenfalls über den Gestank. Beuchert vermutet hinter dem Muff eine neue Anlage auf dem Oxea-Gelände.

Diese neue Anlage, ein Luftzerleger eines Standortpartners, sagt Bührer, habe nur die Aufgabe, Luft in Sauer- und Stickstoff zu trennen. „Da riecht nichts.“ Zwei neue Produktionsstätten für Carbonsäuren und Ester befänden sich im Bau. „Sie sind noch nicht mit Produkten in Berührung gekommen.“

„Abgelassen“ würden zudem keine Gase, sagt Bührer. „Wir machen Gase ja zu Produkten, damit verdienen wir unser Geld. Am Produktionsende werden ungenutzte Gase an drei Sammelstellen verbrannt und geruchsneutral durch den Schornstein abgeleitet.“ Rauchschwaden überm Gelände wiederum bestünden aus reinem Wasserdampf eines Kühlturms.

Dass es zudem regelmäßig zu bestimmen Tageszeiten schlecht rieche, kann sich Bührer nicht erklären: „Es gibt keine Zeit, zu der es häufiger oder seltener zu Geruchsbelastungen kommt.“ Meist würden diese bei einer Probenentnahme auftreten oder etwa, wenn beim Ausbau einer Pumpe kleine Restmengen eines Produkts nicht vorab abgesaugt wurden. „Nur kleine Mengen eines Produktes reichen aus, um es noch einen Kilometer weit zu riechen.“ Eine Gefährdung gehe in keinem Fall davon aus.

Seit 2007 habe sich pro Jahr maximal ein Anwohner über störende Gerüche beschwert. „Natürlich greift nicht jeder gleich zum Hörer.“ Jeder Beschwerde werde nachgegangen: Sofort müssen die Betriebe mögliche Probleme melden, die Betriebswehr durchforstet das Gelände nach Geruch-Lecks, die Windrichtung wird bestimmt, ob nicht auch andere Quellen Ursache sein können. „Wir besuchen die Beschwerdeführer, überprüfen vor Ort die Faktoren, die zu einer Geruchsbelästigung geführt haben könnten.“ Lydia Beuchert will sich in Kürze mit ihm treffen.

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