Kneipe in Oberhausen-Sterkrade kämpft gegen Gerücht an

Auf den ersten Blick gefällt Gaby und Wolfgang Poerschke (li.) das Yesterday am Sterkrader Bahnhof. Die Gleise nebenan werden ausgebaut, das Haus abgerissen – aber das dauert noch, sagen Thomas Uphoff und Kirsten Roes.
Auf den ersten Blick gefällt Gaby und Wolfgang Poerschke (li.) das Yesterday am Sterkrader Bahnhof. Die Gleise nebenan werden ausgebaut, das Haus abgerissen – aber das dauert noch, sagen Thomas Uphoff und Kirsten Roes.
Foto: FUNKE Foto Services
„Wir sind immer noch hier“, sagt Kirsten Roes vom Sterkrader Yesterday-Team. Denn viele glaubten, das Haus sei wegen des anstehenden Bahnausbaus abgerissen. Stattdessen locken Konzerte und Gemütlichkeit.

Oberhausen.. Klaus Vogel sitzt vor seinem Sudoku-Rätsel am Tresen. Zwei Kästchen in dem Zahlenquiz hat der 52-Jährige bereits gelöst, für die anderen schreibt er saubere kleine Ziffern als Hilfe an den Rand der Karrees. Einmal in der Woche kommt Vogel in die Sterkrader Kneipe Yesterday, um sein Sudoku-Rätsel zu lösen, in Ruhe ein Bierchen zu trinken oder mit jemandem zu quatschen. „Die Kneipe gibt es seit 25 Jahren. Ich bin von Anfang an hergekommen. Da findest du immer einen, den du kennst“, meint Vogel.

Eins aber nervt den Sterkrader: dass ihn immer wieder Bekannte auf die vermeintlich bald anstehende Schließung seiner Stammkneipe ansprechen.

Das Yesterday in Sterkrade steht direkt neben dem Sterkrader Bahnhof. Ein guter Standort für eine Kneipe, denn so kommen Gäste nach einem Feierabendbier, nach einem der beliebten Konzerte oder Feste auch gut mit Bus und Bahn nach Hause. Allerdings will die Deutsche Bahn die Gleise, die am Yesterday vorbeiführen, ausbauen und den Bahnhof sanieren. Dafür wird Platz benötigt – das Gebäude, in dem das Yesterday ansässig ist, wird abgerissen.

Spekulationen schaden Geschäft

Allerdings nicht morgen, auch nicht in diesem Jahr, beruhigt Kirsten Roes vom Yesterday-Team. „Unser Vermieter geht davon aus, dass der Abriss in zwei bis drei Jahren aktuell wird, ein Bahnmitarbeiter sprach von drei bis vier Jahren.“ Doch hartnäckig halte sich das Gerücht, dass die Kneipe sehr viel früher dicht gemacht werde. Und das sei zunehmend geschäftsschädigend. Roes sagt deshalb entschieden: „Wir sind noch immer hier“ – auch mit den beliebten Konzerten, die für ein volles Haus sorgen.

Deshalb sind Gaby und Wolfgang Poerschke an diesem Abend ins Yesterday gekommen. Fast täglich seien sie an der Kneipe vorbeigefahren, auf dem Weg von der Mutter nach Hause, sagt Wolfgang Poerschke. „Immer dachte ich, da müsste man mal hingehen.“ Nun will das Paar Karten für ein Konzert am Wochenende besorgen.

Gaby Poerschke will aber auch häufiger kommen: „Das gefällt mir hier gleich auf den ersten Blick, weil es gemütlich ist.“ Kunstvoll verpackte Stühle und Schallplatten hängen von der Decke, Musik läuft, es wird gelacht.

Viele Gäste kommen seit Jahren ins Yesterday, bringen heute ihre erwachsenen Kinder mit. Als familiär loben die Besucher die Atmosphäre, die Kneipe sei zeitlos, der Service nett. Deshalb war das Bedauern über eine Schließung bei Bahnausbau von Anfang an groß. „Das Yesterday ist wie ein ausgelagertes Wohnzimmer, mit den Leuten bin ich groß geworden“, brachte ein 43-Jähriger dies auf dem Punkt.

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