Der Trend geht zum Selbstversorger

Kerstin Oldendorf vom Projekt „Meine Ernte“ und Landwirt Andreas Klapheck freuen sich auf die fleißigen hobby-Gärtner.
Kerstin Oldendorf vom Projekt „Meine Ernte“ und Landwirt Andreas Klapheck freuen sich auf die fleißigen hobby-Gärtner.
Foto: WAZ FotoPool
Die vielen Lebensmittelskandale verunsichern Verbraucher zunehmend. Mit „Meine Ernte“ können sie auf einem eigenen Stück Garten Gemüse züchten.

Oberhausen.. Pferdefleisch in der Lasagne, gefälschte Bio-Eier, wässrige Gen-Tomaten im Supermarkt – beinahe im Wochentakt erreichen uns neue Meldungen über Lebensmittelskandale. Da wird es immer schwieriger, sich bewusst und gesund zu ernähren. Und vielen geht das Vertrauen in die Lebensmittelindustrie verloren. Allerorts wird geseufzt: „Was kann man denn noch essen?“

Nah liegt da der Gedanke, eigenes Gemüse anzubauen und somit zum Selbstversorger zu werden. Doch wie geht das eigentlich?

Landwirt steht als Fachmann bereit

Hier will das Projekt „Meine Ernte“ ansetzen, das ab dem Frühjahr auch in Oberhausen aktiv ist: Die Organisatoren stellen gemeinsam mit Landwirten Felder zur Verfügung und geben reichlich Hilfestellung beim Säen, Pflanzen, Pflegen und Ernten. Auch auf dem Hof von Andreas Klapheck zwischen Biefang und Holten steht ein Feld bereit, auf dem bis zu 50 Bereiche gemietet werden können.

Die Idee, bei dem Projekt mitzumachen, hatte Landwirt Klapheck sofort, als er zum ersten Mal davon hörte. „Ich fand die Idee gut und habe da für mich drüber nachgedacht. Kurze Zeit später rief mich Kerstin Oldendorf von ‘Meine Ernte’ an.“ Der Hof der Klaphecks passte ins Konzept: „Wir achten auf gute Erreichbarkeit, genügend Platz und natürlich ist auch Sympathie wichtig“, sagt Oldendorf.

Auch bei den Oberhausener Hobbygärtnern scheint die Idee anzukommen: Zur ersten Infoveranstaltung am Dienstagabend kamen rund 30 Interessierte mit allerlei Fragen. „Wie oft muss ich gießen?“ – „Was ist, wenn ich in den Urlaub fahre?“ – „Wie baue ich richtig ökologisch an?“ – Was ist Gemüse, was Unkraut?“

22 Standorte in Deutschland

„Meine Ernte“ startete 2010 an sechs Standorten. Heute sind es schon 22 in Deutschland – Tendenz steigend. Im Mai geht das Gärtnern auch in Oberhausen los. Über 20 Gemüsesorten werden hier von den Organisatoren gesät und können bis zum Herbst gepflegt und geerntet werden. „Das ist das Tolle am Projekt. Es gibt die Garantie, dass man nicht mit leeren Händen dasteht“, sagt Oldendorf. „Es geht mit Radieschen und Salat los. Die werden zuerst reif.“

Landwirt Klapheck freut sich auf die Zusammenarbeit mit den Hobby-Bauern. In regelmäßigen Gärtnersprechstunden steht der mit Rat und Tat bereit. Eine Ähnlichkeit zum Schrebergarten sieht Organisatorin Oldendorf nicht. Zwar können auch hier Städter mal Landluft schnuppern, doch sei das „Meine Ernte“-Konzept viel weniger streng. Oldendorf sieht einen klaren gesellschaftlichen Trend: „Die Leute wollen hin zur Selbstbestimmung. Ein Garten bedeutet Entschleunigung. Man vergisst die Zeit, sobald man im Beet steht.“

 

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