Damit Oberhausens Norden „tippi-toppi“ aussieht

Heinz Jennen rupft lästiges Unkraut aus einem Grünstreifen am Schmachtendorfer Marktplatz. Alle paar Wochen muss er hier ran.
Heinz Jennen rupft lästiges Unkraut aus einem Grünstreifen am Schmachtendorfer Marktplatz. Alle paar Wochen muss er hier ran.
Foto: Funke Foto Services
Heinz Jennen kümmert sich in Schmachtendorf um die Grünpflege im Ortskern. Interessengemeinschaft engagiert den 65-Jährigen seit gut fünf Jahren.

Schmachtendorf.. Ein Bekannter habe ihm mal gesagt, er sei wohl der bekannteste Schmachtendorfer. Heinz Jennen selbst ist da ein bisschen skeptisch. „Selbst wenn: Mein Gesicht dürften die wenigsten kennen. Meinen Hintern schon eher“, sagt der 65-Jährige und lacht herzlich. Seine Kehrseite präsentiert er deshalb so oft, weil er vier Mal in der Woche in Schmachtendorf unterwegs ist und in den Rabatten hockt. Im Auftrag der Interessengemeinschaft sorgt er sich nun schon im sechsten Jahr um die Grünpflege im Ortskern.

Viel positive Resonanz

„Die Stadt hat viele Leistungen in dem Bereich gestrichen“, erklärt Andreas Schwanke, Vorsitzender der Interessengemeinschaft Schmachtendorf (IGS). „Unser Dorf soll trotzdem tippi-toppi sein.“ Deshalb habe man sich vor gut fünf Jahren dazu entschieden, Geld in die Hand zu nehmen und einen Helfer für die Arbeiten zu engagieren. Die Wahl fiel auf Heinz Jennen. 65 Jahre alt, Schmachtendorfer, ehemaliger Bergmann und passionierter Kleingärtner.

Heute kniet er in einem Beet am Marktplatz. „Der Wind steht hier besonders günstig. Die Samen kommen von überall her, alle paar Wochen muss ich jäten“, sagt er, stapft aus dem Beet und klopft sich die Erde von der Hose. Sein „Revier“ ist der gesamte Ortskern: vom Siedler- bis zum Marktplatz, von der Dudeler bis zur Schmachtendorfer Straße. Er kratzt Unkraut aus den Fugen der Bürgersteige, hält Baumscheiben und Grünflächen sauber.

„Ich mache die Arbeit wirklich gerne“, sagt Heinz Jennen. „Vor allem, weil ich so viel positive Resonanz und Zuspruch von den Schmachtendorfern bekomme.“ Dieser Zuspruch schlage sich sogar in den Mitgliederzahlen der Interessengemeinschaft nieder, sagt Andreas Schwanke. „Die Leute sind so dankbar, dass sie im Gegenzug Mitglied bei uns werden.“ Das sei auch gut für die Vereinskasse. Denn die Lohnkosten, 450 Euro bekommt Heinz Jennen im Monat, stemmt die IGS allein. Bei sieben Monaten Einsatzzeit macht das inklusive aller Sozialabgaben immerhin rund 5000 Euro im Jahr.

Hundehaufen in der Hand

„Natürlich freue ich mich über den kleinen Nebenverdienst.“ So können sich er und seine Frau zum Beispiel den nächsten Urlaub leisten: Das Ehepaar fliegt nach Portugal, wo der Sohn der Jennens lebt. Gemeinsam wird die Familie zwei Wochen an der Algarve verbringen.

Es gebe aber auch schlechte Tage, erzählt Heinz Jennen. „Wenn es gießt wie aus Eimern und mir das Wasser den Rücken runter läuft.“ Von der Interessengemeinschaft wurde er mit allem Nötigen ausgestattet: Arbeitsgerät, Warnweste, Regenjacke. „Es gibt aber Wetter, da hilft die beste Jacke nichts.“

Auch über Mitbürger, die es mit der Sauberkeit nicht so ernst nehmen, ärgert sich der 65-Jährige. Er jätet nämlich nicht nur Unkraut, sondern muss immer auch Müll aus den Beeten fischen.

Und täglich habe er mindestens einen Hundehaufen in der Hand. „Das bringt bestimmt Glück, vielleicht sollte ich Lotto spielen“, scherzt er – und wird dann wieder ernst: „Wenn wir alle einfach mal öfter vor unserer eigenen Tür kehren würden, wäre schon viel getan“, sagt Heinz Jennen, setzt sich seinen Kopf- und Ohrenschutz auf und startet seinen motorisierten Freischneider mit den rotierenden Stahlbürsten. In den Fugen sprießt schon wieder das Unkraut.

 

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