Anwohner in Oberhausen klagen über Abwasser und Fäkalien im Garten

Der Hinterhof der Familie Herzog stand innerhalb von Minuten unter Wasser. Abwasser. Fäkalien, Toilettenpapier inklusive.
Der Hinterhof der Familie Herzog stand innerhalb von Minuten unter Wasser. Abwasser. Fäkalien, Toilettenpapier inklusive.
Foto: WAZ FotoPool
Das Kanalnetz an der Lütticher Straße in Oberhausen hat zum vierten Mal in zwei Jahren vor heftigen Regenfällen kapituliert. Den Anwohnern stinken die Fäkalien im Garten. Die WBO will das Gebiet sanieren - doch derweil bleiben die Anwohner auf den Schäden sitzen.

Oberhausen.. Innerhalb von Minuten soll der Hinterhof der Familie Herzog unter Wasser gestanden haben. Unter Abwasser: Fäkalien, Toilettenpapier, Damenbinden – eine stinkende Jauche sei nach den heftigen Regenfällen vergangenen Mittwoch aus dem Abwasserkanälen ausgetreten und über den Garten in Schmachtendorf geschwappt. 1,25 Meter, berichtet Brigitte Herzog, so hoch habe der Unrat gestanden.

„Wir haben sechs Tage gebraucht, um alles wieder sauber zu bekommen“, sagt die 72-Jährige. Herzog steht an diesem Morgen mit Harke und Eimer in Hinterhof, nur die Reste von Toilettenpapier auf Gehplatten und Pflanzen erinnern noch an die heftige Überschwemmung, die ihren Garten und drei weitere Hinterhöfe von Nachbarn an der Lütticher Straße verwüstet hatte. Zum vierten Mal in nur zwei Jahren – es gibt zahlreiche Fotos.

Das Wasser kommt von allen Seiten

So hoch wie diesmal stand das Wasser allerdings noch nie. Die vier betroffenen Familien wohnen am unteren Ende der abschüssigen Lütticher Straße, direkt an der Kreuzung der ebenfalls abschüssigen Schmachtendorfer Straße. „Man ist genau in der Grube, das Wasser kommt von allen Seiten“, sagt Holger Sauerborn, der Vermieter von Familie Herzog.

Vergangene Woche stand zudem die Unterführung am Holtener Bahnhof unter Wasser. Abwasser hatte sich dadurch wohl noch mehr gestaut – so heftig, dass es sogar einige Gullydeckel anhob. Das Abwasser drängte an die Oberfläche, mischte sich mit den Regenwassermassen und überschwemmte so die Grundstücke. Es kam also nicht wie in den meisten Haushalten durch den Kellerschacht hoch, sondern von außen herein.

Die Herzogs kannten das schon und sahen sich gewappnet: Sie hatten ihre Kellertür mit einem hohen Brett und Isolierband versiegelt. Doch das half wenig: Das Wasser stieg höher als das Brett und floss ins Gebäude. Die Nachbarn packten mit an: Sie sind längst mit teuren Pumpen ausgestattet, die auch dann noch arbeiteten, als die Schlammpumpen der Freiwilligen Feuerwehr Königshardt ins Straucheln gerieten.

Wirtschaftsbetriebe: Das ist ein kritischer Bereich

Der Bereich an der Lütticher Straße sei in der Tat ein kritischer, sagt Heinz van Gemmeren von den Wirtschaftsbetrieben WBO. „Die Abwasserleitungen sind vor Jahren geplant und verlegt worden. Seitdem hat sich die Lage verändert.“ Mehr Flächen wurden bebaut und versiegelt, in Folge des Bergbaus hat sich das Gebiet gesenkt. Zudem ist die Häufigkeit heftiger Unwetter gestiegen. Van Gemmeren: „Wir haben die Absicht, das Gebiet neu zu beplanen.“ Das Kanalnetz könnte also erneuert oder erweitert werden. Konkrete Angaben sind am heutigen Donnerstag zu erwarten.

Die Herzogs und ihre Nachbarn bleiben derweil auf Schaden und einem Teil des Unrats sitzen. Die aufgeweichten Möbelstücke und Säcke mit Schlamm holt die WBO nur gegen einen Beitrag von 268 Euro ab – Alternative: selbst zum Wertstoffhof bringen.

Auch übernehme die Versicherung die Schäden nicht. Versicherungsexperte Ingo Aulbach sagt: „Die reguläre Hausratsversicherung haftet da wirklich nur.“ Zwar gebe es eine Zusatzpolice, die aber einen Selbstkostenbetrag von bis zu 5000 Euro hat. Aulbach: „Eventuell haftet aber die Stadt für die Schäden. Wenn immer mehr Baugebiete in einem Umfeld genehmigt werden, muss auch ein ausreichendes Kanalnetz vorgehalten werden.“

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