Neun Jahrzehnte Gasthaustradition

Maria (r.) und Martin Kleine-Natrop übergeben bald an Enkelin und Nichte Saskia, bleiben aber mit an Bord in der Gaststätte
Maria (r.) und Martin Kleine-Natrop übergeben bald an Enkelin und Nichte Saskia, bleiben aber mit an Bord in der Gaststätte
Foto: WAZ FotoPool
Familie Kleine-Natrop feiert an der Bebelstraße runden Geburtstag. Blick in die Vergangenheit und in die Zukunft. Bald übernimmt die vierte Generation.

Wenn Saskia Kleine-Natrop im August die Gaststätte „Im Krug zum grünen Kranze“ übernimmt, tritt sie ein großes Erbe an. In vierter Generation wird die 24-Jährige den beliebten Treffpunkt an der Bebel-straße Ecke Flockenfeld führen, der seit neunzig Jahren im Familienbesitz ist.

Man muss schon ein ganz bestimmter Typ Mensch sein, um ein Wirtshaus zu leiten. Muss fleißig sein und zupackend, ein großes Herz haben und nicht auf den Mund gefallen sein. So wie Maria Kleine-Natrop, die mit 77 Jahren noch immer täglich nach dem Rechten sieht in ihrem Laden – und das seit 53 Jahren schon. „Man hatte viel Arbeit, aber auch viel Freude“, sagt sie bescheiden. Sie mag es nicht, zu viel Wirbel zu machen. Dabei rechtfertigen neun Jahrzehnte Familienbetrieb voll und ganz, stolz zu sein auf das Geleistete.

Die Kinder halfen mit

Zusammen mit ihrem Ehemann Rudi hat Maria Kleine-Natrop das Geschäft 1960 von ihren Schwiegereltern übernommen. Damals gab es die Zeche noch und auch die Büroarbeiter von Babcock kamen auf ein Feierabendbier vorbei. Die Kneipe war der Mittelpunkt des Stadtteils, Klatsch und Tratsch wurden ebenso ausgetauscht wie Kontakte für Geschäftsanbahnungen. „Bei Freud und Leid waren wir immer Ansprechpartner“, erzählt die dreifache Mutter. Hochzeiten und Geburtstage wurden hier gefeiert und Rauen ausgerichtet. Die Familie wohnte praktischerweise gleich obendrüber. Sobald die Tochter und die beiden Söhne alt genug waren, mussten sie mitarbeiten. Abwaschen und Bedienen kamen gleich nach den Hausaufgaben, das gehörte eben dazu.

Einen ihrer Söhne haben die Eltern infizieren können: Martin Kleine-Natrop, heute 50 Jahre alt, lernte Restaurantfachmann und führte nach dem Tod seines Vaters 1989 zusammen mit der Mutter das Geschäft. Bruder und Schwester gingen andere berufliche Wege, blieben dem „Krug“ jedoch verbunden und helfen bis heute, wo sie können. „In Büros ist man einsam“, glaubt Martin Kleine-Natrop. Er habe großen Spaß daran, unter Menschen zu sein. Leider muss er damit etwas kürzer treten, aus gesundheitlichen Gründen. Und auch Mutter Maria möchte gerne ein kleines bisschen verschnaufen.

Wie gut, dass mit Enkeltochter Saskia die vierte Generation in den Startlöchern steht. Die staatlich geprüfte Servicekraft jobbt schon lange im Familienbetrieb, ab August will sie ihn als Pächterin führen. Mit der Mama im Rücken, die dafür ihren Beruf als Steuerfachangestellte aufgibt. Und da ist ja auch noch die Oma, die im Haus wohnt. Der Onkel, der arbeiten will, so viel er schafft. Schon heute wirkt die Gaststätte überhaupt nicht verstaubt, bald wird bestimmt noch mehr moderner Wind wehen. Saskia Kleine-Natrop will ab Sommer auch sonntags öffnen –- und hofft auf neue Besucherschichten. Zum Beispiel Familien, die sich übers neue Rauchverbot bestimmt freuen. Der Rat ihrer Omi: „Viel Schwung“.

 
 

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