Neuer Fahrplan der Stoag löst Frustration in Oberhausen aus

Seit dem 9. Juni geht es drunter und drüber in Oberhausens ÖPNV: Buslinien werden gestrichen und Bahnen verspäten sich oder fallen aus. Die Fahrgäste sind so frustriert und verärgert, dass sie schon Stoag-Mitarbeiter bedrohen. Der Stoag-Betriebsratschef sieht das Problem bei der Geschäftsführung.

Oberhausen. Was ist in diesen Tagen nur bei der Stoag, dem wichtigsten Unternehmen der Stadt, los? Fahrgäste beschimpfen Fahrer, greifen aus Wut über lange Wartezeiten bei der Straßenbahn 112 sogar Stoag-Mitarbeiter an, der Betriebsrat wütet öffentlich gegen Stoag-Geschäftsführer Werner Overkamp, die Bediensteten stöhnen über unerträgliche Arbeitsbedingungen.

Schuld daran sollen vor allem die Einschränkungen im Fahrplan seit 9. Juni sein, die Fahrgäste und Fahrer offensichtlich erhebliche Nerven kosten. Größten Ärger gibt es auf der 112, die tagsüber statt alle zehn Minuten nur noch im 20-Minuten-Takt von der Stadtgrenze Mülheim (Landwehr) nach Sterkrade fährt – die ständigen Verspätungen und sogar Ausfälle der maroden Mülheimer Bahnen erbosten die fast eine Stunde an der Landwehr wartenden Fahrgäste einmal so sehr, dass sie zwei Stoag-Mitarbeitern am Kragen packten und Prügel androhten.

Nur noch Mager-Takt

Aber auch der Mager-Takt der Busse 962 (nur noch einmal in der Stunde), die zu kleinen Busse auf der Linie 960 und das abrupte Ende des Mülheimer Busses 122 am Hauptbahnhof erregen die Gemüter.

Schuld daran sind nach Ansicht des Betriebsrates nicht die hohen Einsparungen von 3,5 Millionen Euro, sondern Fehlplanungen der Stoag-Führung. „Die Kritik der Fahrgäste ist berechtigt – aber weder Fahrer noch Servicemitarbeiter sind für die jetzigen chaotischen Zustände nach dem Fahrplanwechsel verantwortlich“, sagt Stoag-Betriebsratschef Michael Stemmer. Man habe Overkamp gewarnt und eigene Sparvorschläge vorgelegt – ohne Erfolg. „Herr Overkamp ist leider beratungs- und kritik-resistent“, meint Stemmer.

Zeit der nicht vergüteten Fahrer-Pausen verlängert

Er beklagt Arbeitsbedingungen für die 350 Fahrer, die „die Grenze der Menschenwürde“ überschritten hätten. Die Fahrer müssten fünf bis acht Tage pro Jahr mehr arbeiten, die Schichtzeit hätte sich verlängert, die freien Tage sollen künftig ständig variieren. „Soziale Kontakte der Mitarbeiter verkümmern.“ Die Arbeitsverdichtung sei so hoch, dass „mir hier die Leute heulend zusammenbrechen“.

Overkamp weist alle Vorwürfe strikt zurück: „Bei der Stoag gibt es keine chaotischen Zustände.“ Man habe zwar Verspätungen bei der 112 gehabt, versuche diese aber weiter zu verringern. Größere Busse sollen auf der 960 die Enge lindern. Insgesamt müsse er aber darauf achten, dass „das uns anvertraute Geld wirtschaftlich ausgegeben“ werde. Deshalb habe die Stoag die Zeit der nicht vergüteten Fahrer-Pausen von 30 Minuten auf 40 Minuten verlängert. Der geltende Tarifvertrag aber erlaube sogar noch längere unbezahlte Pausenzeiten.

 
 

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