Neue Gasturbine von "MAN Diesel & Turbo" in Oberhausen entwickelt

Tobias Fülbeck
Eine neue Gasturbine, entwickelt in den Oberhausener Werkshallen von "MAN Diesel & Turbo" ist klein, kompakt und effizient. Sie kann eine Leistung von sechs Megawatt Strom erzeugen – genügend für eine Kleinstadt mit 13.000 Haushalten.

Oberhausen. Klein, kompakt und effizient: Was der VW-Käfer für die Automobilindustrie war, könnte eine neue Gasturbine, entwickelt in den Oberhausener Werkshallen von „MAN Diesel & Turbo“, für den Energiesektor werden.

Sechs Jahre sind vergangen, vom ersten Strich auf dem weißen Papier bis zum Härtetest, 200 Mitarbeiter haben mitgetüftelt, etliche Millionen sind in den neuesten erstmals komplett eigenständig konzipierten „Familienzuwachs“ geflossen, der eine Leistung von sechs Megawatt Strom erzeugen kann – genügend für eine Kleinstadt mit 13.000 Haushalten. Die Verantwortlichen sprechen von einer Maschine „auf Weltniveau“.

Gasturbine, das klingt erstmal reichlich unsexy, nach komplizierter Technik, die für den Verbraucher keine Rolle spielt. Doch die neue Turbinen-Generation – nach Angaben von Chef-Entwickler Dr. Markus Beukenberg „so platzsparend, dass sie in eine Garage passt“ – fällt hinein in die Zeit nach der Reaktorkatastrophe in Fukushima. Rufe nach einem verstärkten Ausbau von Wind- und Solarenergie und einem schnelleren Abschalten von Atomkraftwerken sind im politischen Mainstream angekommen.

„Hervorragende C02-Bilanz“

„Wenn die Sonne scheint und der Wind weht wie am Osterwochenende, können in Deutschland schon rund 50 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Energien gewonnen werden“, sagt Beukenberg. „Aber was passiert, wenn es leicht regnet, der Himmel bewölkt ist und kein Wind weht?“, fragt Beukenberg – nicht ohne die Antwort bereits zu kennen: „Dann kommt es auf die Versorgungssicherheit an. Es geht um dezentrale Energieerzeugung.“ Also etwas zugespitzt um Mini-Kraftwerke vor der Haustür, die schnell, zuverlässig und unabhängig vom restlichen Stromnetz sind.

Ein Ansatz: die neue Gasturbine, die 2012 auf dem Markt kommen wird, mehrere Millionen kostet und große Vorteile habe. Die Turbine dürfe näher an Wohngebiete gebaut werden als Kraftwerke, habe eine „hervorragende C02-Bilanz“ und mache wenig Lärm, schwärmt Chef-Entwickler Beukenberg. „Wenn Autos dieselben Schadstoff-Emissionen einhalten müssten, würden viele nicht mehr fahren.“

Mögliche Kooperation mit der EVO

Bereits jetzt ist man in Gesprächen mit kommunalen Energieversorgern, etwa mit der Energieversorgung Oberhausen (EVO). Seit Mitte der 1990er-Jahre nutzt die EVO eine Gasturbine von MAN, die im Heizkraftwerk II in Sterkrade steht. Jüngstes Beispiel der „langjährigen, erfolgreichen Zusammenarbeit“ ist die Ausstattung des neuen Biomasse-HKW am Standort Sterkrade mit einer Dampfturbine.

Unabhängig davon überlegen MAN und die EVO, inwieweit der gerade neu entwickelte Turbinentyp auf Oberhausener Stadtgebiet eingesetzt werden kann. Für einen Testbetrieb sind verschiedene Standorte möglich, darunter auch das denkmalgeschützte, alte Elektrizitätswerk an der Danziger Straße. Ein abschließendes Ergebnis liege „augenblicklich noch nicht vor“, sagte eine Sprecherin der EVO.

Mit der Wärme Kaffeebohnen rösten

Zu den Hauptkunden zählen aber – Energiewende hin oder her – nicht kleinere bis mittlere Energieversorger, sondern Unternehmen, die entweder Kaffeebohnen rösten, Pommes Frites vorgaren oder Medikamente unter großer Wärmezufuhr herstellen. Auch in entlegenen Gebieten, etwa auf Ölplattformen, könne die aufgrund ihrer Baugröße flexible Maschine genutzt werden. „Entscheidend für die Verwendung der Turbine ist der Bedarf an dezentraler Stromversorgung, kombiniert mit der Nutzung von Abwärme“, so Beukenberg.

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