„Nerven behalten“ mahnt der General-Anzeiger am 15. Juli

Nach Ansicht von Reichsbankpräsident Dr. Hans Luther sei nicht eigenes Versagen Deutschlands die Ur­sache für die Finanzkrise. Vielmehr seien seit Ende Mai 1931 in unerhörtem Maße ausländische Gelder aus Deutschland abgezogen worden, berichtete der General-Anzeiger (GA) für Groß-Oberhausen am 14. Juli 1931. Bankier Jakob Goldschmidt von der Danat-Bank belegte das mit Zahlen. Seit dem 30. Juni seien aus Deutschland drei Milliarden Mark abgezogen worden, allein bei seiner Bank 950 Millionen Mark. Daher der Zusammenbruch.

Die finanziellen Spielräume der Reichsregierung aber waren nahe Null. Trotz völliger Entschuldung durch die Geldentwertung von 1923 hatte das Deutsche Reich in acht Jahren bereits wieder 11,3 Milliarden Mark an Schulden aufgehäuft. Der Reichs-Etat umfasste aber 1931 nur rund 13 Milliarden Mark. Und davon mussten allein zwei Milliarden Mark an Wiedergutmachung an das Ausland für die Schäden durch den Ersten Weltkrieg geleistet werden, die so genanten Reparationen. Allerdings wurde diese Verpflichtung auf Vorschlag des US-Präsidenten Herbert Hoover im Juni 1931 für ein Jahr ausgesetzt.

„Unser Stadtbild zeigte in den ersten Morgenstunden ein außerordentlich unruhiges Bild. Überall standen Gruppen in lebhafter Debatte. Die Schutzpolizei griff hier und da ein“, berichtete der GA am Mittwoch, 15. Juli, über den ersten „Bankfeiertag“. Eine Nachfrage bei Oberbürgermeister Dr. Wilhelm Heuser habe jedoch ergeben, dass die jetzt fälligen Unterstützungen noch voll ausbezahlt werden könnten. Denn ebenso groß wie das Heer der Arbeitslosen war das der Wohlfahrtsempfänger. Ihre Zahl schnellte bis Anfang 1932 auf 38 000 hoch. Auch die Bezahlung der städtischen Beamten zum 1. August sei gesichert, hieß es.

Die Zeitung trat Gerüchten entgegen, Industrie und Bergbau könnten keine Löhne mehr ausbezahlen. „Nerven behalten“, mahnte das Blatt.

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