Nähen statt neu kaufen

Nadia Al-Massalmeh
Da soll der Aufnäher hin: Bei der Kleiderbar wird jetzt auch upgecycelt. Dilek Pittard (l.) zeigt Larissa wie’s geht.
Da soll der Aufnäher hin: Bei der Kleiderbar wird jetzt auch upgecycelt. Dilek Pittard (l.) zeigt Larissa wie’s geht.
Foto: Funke Foto Services
Im Oberhausener Druckluft bietet die Kleiderbar neuerdings auch „Upcycling“ an. Alte Kleidung wird mit schicken Accessoires aufgehübscht.

Oberhausen. Mit den Fingerspitzen nestelt David Klöcker an seinen blonden Dreadlocks. Interessiert betrachtet er den flinken Nähfuß der Maschine. Ihr Rattern ist allerdings kaum zu hören, denn im Druckluft, dem soziokulturellen Zentrum Am Förderturm, wird peppige Tanzmusik gespielt. „Wir veranstalten heute zum ersten Mal einen Upcycling-Workshop in Kooperation mit der Jugendkunstschule“, erzählt der Diplom-Sozialwissenschaftler, der im Druckluft für die Jugendarbeit zuständig ist. Jeden dritten Mittwoch im Monat findet hier die Kleiderbar statt. „Wer möchte, kann zwischen 17 und 23 Uhr vorbeikommen, Klamotten mitbringen und mitnehmen“, erklärt Klöcker, der gespannt ist, was es mit dem Upcycling auf sich hat.

Alte Klamotten werden peppiger

An einer der beiden Nähmaschinen sitzt Dilek Pittard. Von einem Workshop kann noch nicht die Rede sein. „Heute ist erstmal Dilek da, damit wir und die Besucher eine Vorstellung davon bekommen, was Upcycling ist“, erklärt der Sozialarbeiter. „Beim Upcycling werden aus alten Kleidern wieder peppigen Klamotten“, sagt die Mitarbeiterin der Jugendkunstschule, während ihre Maschine im Kreuzstich arbeitet.

Mit Aufnäher, Pailletten, Bordüren und sonstigen Accessoires bekommen Blusen und Hosen einen ganz neuen Look. Eine der ersten, die sich eine Aufhübschung wünscht ist Larissa. Auf ihr graues Shirt lässt sie einen Sticker nähen. „Ein Freund hat die selbst gemacht. Cool, dass ich den jetzt nicht mühsam per Hand anbringen muss“, erzählt sie.

Nach und nach füllt sich das alte Café. Einige kommen mit bunten Tüten, aus denen Ärmel und Hosenbeine gucken. So auch Joana und Laura. „Ne, ne, Hosen nach da“, instruiert Laura ihre Freundin, die ein paar Shorts ablädt. Sie hat sogar Schuhe dabei. „Die waren echt teuer und sind viel zu schade, um sie wegzuwerfen“, erzählt Joana, während Freundin Laura in den Kleiderbergen wühlt und eine neongelbe Warnweste zum Vorschein bringt. Mit großen Augen schauen sich die beiden an: „Was man nicht alles hier findet.“

Kaputte Klamotten kommen weg

Ein Großteil der Kleidungsstücke ist allerdings weniger Außergewöhnlich; Jacken, Kleider, T-Shirts. „Wir überprüfen alles was hier abgegeben wird“, sagt Klöcker. Kaputte oder schmutzige Sachen werden sofort aussortiert. Ansonsten entscheiden die Besucher: Was gefällt, wird mitgenommen, was nicht gefällt, verschwindet nach und nach in den Untiefen der Kleiderberge, bis es irgendwann endgültig aussortiert wird.

Inzwischen ist Dilek Pittard mit dem Aufnäher fertig. „Die Aktion ist ziemlich spontan“, erzählt Pittard, die auch privat viel an der Nähmaschine sitzt und ziemlich stolz auf ihre selbstgemachten Petticoats ist. Nächste Mal einen richtigen Workshop, nicht nur einen Upcycling-Nähservice, anzubieten, dagegen hätte sie nichts: „Wäre doch super.“

Ein paar Jugendliche begutachten die Hobby-Schneiderin skeptisch. Klöcker nutzt die Gelegenheit, sein neugewonnenes Wissen über den Nähtrend weiterzugeben. Nächstes Mal wollen sie auch ein paar T-Shirts mitbringen.