Muezzin-Ruf in Oberhausener Moschee - Stadt will Antrag prüfen

Die neue Moschee an der Duisburger Straße soll in Oberhausen die erste werden, bei der ein Muezzin die gläubigen Muslime zum Gebet ruft.
Die neue Moschee an der Duisburger Straße soll in Oberhausen die erste werden, bei der ein Muezzin die gläubigen Muslime zum Gebet ruft.
Foto: Hans Blossey
Türkisch-Islamische-Gemeinde in Oberhausen möchte, dass ein Muezzin zum Gebet ruft. Wie die Stadt und christliche Gemeinden darauf reagieren.

Oberhausen. Vom 18 Meter hohen Turm der neuen Moschee an der Duisburger Straße soll bald ein Muezzin rufen und die Gläubigen so zum Gebet auffordern. Das zumindest wünscht sich die Türkisch-Islamische-Gemeinde. Aber wie sieht das die Stadt? Wie stehen Vertreter christlicher Kirchen dazu? Was sagt Ercan Telli, Geschäftsführer des Integrationsrates, über dieses Novum für Oberhausen?

„Wir warten auf einen entsprechenden Antrag der Gemeinde“, erklärt Stadtsprecher Martin Berber. Es müsse geklärt werden, wie oft der Ruf erschallen soll, ob ein Muezzin rufen oder der Ruf vom Band ertönen wird. „Dann wird geprüft, ob der Antrag genehmigt werden kann“, verdeutlicht Martin Berger. Sollte dem so sein und der Muezzin-Ruf erschallen, werde auch dann noch einmal etwa die Lautstärke getestet.

Skandal in der Türkei

Superintendent Joachim Deterding hätte mit einer Genehmigung keine Probleme: „Warum sollten wir den Ruf ablehnen, wenn er der staatlichen Ordnung nicht entgegensteht.“ Der Muezzin würde - wie Kirchenglocken auch - zum Gebet rufen. Deterding zeigt sich tolerant. Doch ist der Islam gegenüber „Ungläubigen“ genauso tolerant. „Natürlich ist es ein Skandal, dass in der Türkei keine Kirchen gebaut werden dürfen“, nennt der evangelische Pfarrer ein vielzitiertes Beispiel. Aber die Tatsache, dass Staaten existierten, in denen es keine Religionsfreiheit gebe, könne nicht dazu führen, das wir sie bei uns auch abschafften.

Ganz ähnlich argumentiert Stadtdechant Peter Fabritz. „Bei uns herrscht Religionsfreiheit“, verdeutlicht der katholische Priester. Auch die Christen würden durch das Glockengeläut um 6, 12 und 18 Uhr zum Gebet aufgerufen. Bei Muslimen übernehme diese Rolle der Muezzin. Peter Fabritz schätzt, dass bei uns so viele Ängste vor dem Islam existieren, weil wir dieser Religion vermeintlich nichts entgegenzusetzen haben. „Deshalb ist es wichtig, seinen Glauben zu leben“, ist der Pfarrer überzeugt.

Friedliches Zusammenleben wichtig

Zurückhaltender reagiert Ercan Telli auf den Ruf des Muezzin in Oberhausen. „Das ist ein großer Schritt und Schnitt“, sagt er, „da wird etwas hörbar, erlebbar.“ Für Menschen, die keine Beziehung zu entsprechenden Ländern hätten, sei der Ruf fremd. Deshalb rät er der Türkisch-Islamischen-Gemeinde unbedingt zur Offenheit, dazu, die Menschen anderer Religionen mitzunehmen. „Sie sollten einladen und informieren“, sagt Ercan Telli. Das hätten sie beim Bau der Moschee auf dem Tackenberg so gehandhabt, es habe sich bewährt. Ja, der Ruf des Muezzin sei Teil der Religionsausübung. „Man kann immer all seine Rechte einfordern, aber mir ist vor allem das friedliche Zusammenleben wichtig“, stellt Telli klar. Die Gemeinden verschiedener Religionen müssten sich vor allem untereinander öffnen.

 
 

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