Modisch durch Wind und Wetter

Jana Wilms
NRZ-Praktikantin Jana Wilms (rechts) schaut sich mit Stilberaterin Anke von Garrel im Second-Hand-Shop „Piccobello“ in Osterfeld um.
NRZ-Praktikantin Jana Wilms (rechts) schaut sich mit Stilberaterin Anke von Garrel im Second-Hand-Shop „Piccobello“ in Osterfeld um.
Foto: WAZ FotoPool
Imageberaterin Anke von Garrel zeigt, wie man sich mit Mode aus zweiter Hand preiswert und gut für die kalte Jahreszeit rüsten kann

Oberhausen. Der Einzelhandel wirbt mit Hochglanzprospekten für die neuen Herbst- und Winterkollektionen und macht Lust auf neue Mode. Was aber, wenn im Geldbeutel Ebbe herrscht? Muss mit dem Vorjahres-Chic vorlieb nehmen, wer nicht so gut betucht ist?

„Absolut nicht“, ist Stilberaterin Anke von Garrel überzeugt: „Teuer ist heutzutage nicht gleich gut. Marken sollten generell nicht im Vordergrund stehen. Wichtig ist, dass Kleidung nicht abgetragen aussieht.“ NRZ-Praktikantin Jana Wilms machte die Probe aufs Exempel.

Auf der Suche

In Zusammenarbeit mit der VHS Oberhausen, wo Imageberaterin Anke von Garrel Kurse für Frauen und Männer gibt, ging es dazu in den Second-Hand-Laden „Piccobello“ in Osterfeld. Nach nur wenigen Minuten war das erste Outfit bereits gefunden: ein Nadelstreifenanzug mit einem dicken Wintermantel und Lederschuhen mit Absatz. Eine ideale Kombination für Business-Termine oder ein Vorstellungsgespräch. „Da fehlt noch was!“, sagte von Garrel, während sie ihr Model begutachtete. „Wie wär’s denn mit diesem Halstuch?“, schlug Gesa Reisz, stellvertretende Leiterin der VHS Oberhausen, vor. „Ja, perfekt.“, antwortete von Garrel.

Als nächstes ein Abend-Outfit – nicht zu schick, dennoch passend für einen netten Restaurantbesuch mit Freunden. „Lederhosen sieht man aktuell auch wieder überall“, erklärte von Garrel, als sie eine braune Lederhose vom Ständer nimmt. Dazu kombiniert sie ein rotes Bolero-Jäckchen und ebenfalls ein Halstuch. „Man findet nicht immer Schmuck in Second-Hand-Läden, aber gerade in der kalten Jahreszeit kann man Halstücher gut tragen. Sie sehen schick aus und halten noch gleichzeitig warm“, so die Stilberaterin.

Keine 20 Euro pro Outfit

Zu guter Letzt ein Freizeit-Outfit: Eine Jeanshose war schnell gefunden und ein weißes Shirt mit hellblauem Pullunder ebenfalls. Irgendwas fehlte noch. Direkt neben der Kabine hing dann auch das gute Stück: ein pastellfarbener Tweedblazer, der ideal zu dem Hellblau vom Pullunder passte. „Von wegen, man kann in Second-Hand-Läden keine guten Funde machen!“, sagte Gesa Reisz lächelnd, „für seine Kinder guckt man schon eher mal hier, aber als Erwachsener hört man plötzlich auf.“

Und dann stand die große Frage im Raum: Wie viel kostet das alles eigentlich? „Piccobello“-Chefin Cornelia Schade musste nicht lange überlegen: „Jedes Outfit ist unter 20 Euro, da bin ich mir sicher. Jeden Dienstag geben wir 50 Prozent auf alles und freitags ist immer ein Kleidungsstück – mal Blusen, mal Hosen – reduziert. Da kann man nicht meckern, oder?“. Dass hier keine aktuellen Trendteile zu finden waren, war klar, aber Anke von Garrel erklärte, warum man gerade darauf nicht achten soll: „Mode ist für mich auch Kommerz, man sollte nicht einfach jedem Trend und Werberuf folgen. Mir geht es darum, dass sich Leute in ihrer Kleidung wohl fühlen. Es gibt für mich auch keine peinlichen Outfits. Wie man sich selber darin gibt, das ist mir wichtig und in die Richtung berate ich meine Kunden.“

Gut durch Herbst und Winter

Wie bereiteten Frauen also ihren Kleiderschrank für die kalten Tage vor? Anke von Garrel: „Ich würde immer erst einen gut bestückten Second-Hand-Laden aufsuchen. Oft findet man tolle, klassische Stücke dort. Anschließend würde ich im Einzelhandel nach aktuelleren Accessoires oder Kleidung schauen. Nur weil ein Teil im eigenen Kleiderschrank älter ist, ist es nicht gleich schlecht.“

In was sollte man eher Geld investieren? „Definitiv in ein gutes Paar Stiefel mit rutschfester Sohle, am besten in Braun oder Schwarz. In eine gute Hose mit wenig Waschung und einen Blazer, der zu vielem passt.“