Menschen aus dem Ruhrgebiet zeigen in der Galerie Ludwig ihre Möbel

Foto: Stephan Glagla / WAZ FotoPool
Die Galerie Ludwig eröffnete am Sonntag im Rahmen der kuriosen wie intimen Ausstellung „At Home – Der Blick durchs Schlüsselloch" die Mitmach-Schau „Mein liebstes Stück“: Bis zum 16. September sind in Oberhausen nun auch 50 Leihgaben – Möbel und Haushaltsgegenstände – aus realen Ruhrgebiets-Wohnungen zu sehen.

Oberhausen.. Wenn sich Ghizela Widzinski in ihr Bett kuscheln will, dann muss sie dazu wohl künftig in die Ludwig Galerie Schloss Oberhausen schleichen. Denn genau dort steht das schwarz lackierte Metallbett der Essenerin nun, eingebettet in eine kuriose und zugleich intime Ausstellung, die ihre Besucher Beobachter und auch Teilhaber sein lässt. „Mein liebstes Stück“, eine besondere Mitmachaktion im Rahmen der aktuellen Schau „At Home“, ist seit diesem Sonntag und noch bis zum 16. September zu sehen.

Menschen aus dem ganzen Ruhrgebiet waren aufgerufen, Möbelstücke und Haushaltsgegenstände zusammenzutragen, die ihnen besonders am Herzen liegen. Geerbtes und Gekauftes. Grotesk-Kitschiges und geradezu Museales ist zusammengekommen; die knapp 50 Leihgaben schaffen das Bild einer heimeligen Wohnung, in der jedes Stück – mal laut und präsent, mal leise und versteckt – eine einzigartige Geschichte zu erzählen hat.

Da ist etwa die Schreibmaschine mit der griechischen Tastatur. Ein Paar hat sie aus dem Athenurlaub mitgebracht, um Griechisch zu lernen. Da ist das rote Samtsofa, das ein heute erwachsener Mann mit 17 Jahren von seinen Großeltern geschenkt bekommen hat. Da ist der filigran gearbeitete Kleiderständer, der an den ersten gemeinsamen Urlaub zu zweit erinnert. Und da ist das Bett von Ghizela Widzinski.

„Das war das Hochzeitsbett meiner Tante und meines Onkels“, erzählt die 63-Jährige. Irgendwann ab 1946 stand es in der Wohnung der Großeltern, wo das frisch vermählte Paar lebte. Woher das Bett stammte das wisse sie nicht mehr in Erfahrung zu bringen. „Vielleicht aus einem Krankenhaus.“ Die Rollen an den Metallfüßen erinnern daran.

„Eine Wohnung aus dem Ikea-Katalog ist steril und tot"

Nach dem Paar schlief der Opa darin, weil die Oma schnarchte. Und als die Großeltern verstorben waren, da stellte Ghizela Widzinski das Familienbett ins eigene Schlafzimmer. „Es ist mein liebstes Möbelstück, weil ich es mit Menschen verbinde, die mir sehr wichtig sind.“

Geschichten wie diese, Helene Seydel hat sie für ihre Mitmach-Schau gesammelt. Im Rahmen ihres Freiwilligen Sozialen Jahres (FSJ) an der Ludwig Galerie hat sie „Mein liebstes Stück“ entwickelt, seit Januar Leihgaben gesucht. „Mir war es dabei egal, ob ein Lieblingsstück 100 Jahre alt ist oder im letzten Londonurlaub gekauft wurde.“

Auch Mitarbeiter der Galerie haben sich beteiligt. Die gehäkelte Klopapierrollen-Puppe, die Ausstellungstechniker Olaf Stöhr mitgebracht hat, hatte eine fahrende Händlern seiner Mutter in den 60er Jahren verkauft. „Ich finde sie so toll, weil die Farbgebung, creme und grün, so unglaublich schäbig ist.“ Ein geschmacklicher Fauxpas, ja, aber: So etwas gehöre in jede Wohnung, so Stöhr. „Eine Wohnung aus dem Ikea-Katalog ist steril und tot. Diese Dinge machen sie lebendig.“

Galerie nimmt weitere Leihgaben an

Übrigens muss Ghizela Widzinski letztlich doch nicht in der Ludwig Galerie übernachten. „Ich habe ein Gästebett im Wohnzimmer aufgestellt“, beruhigt sie. „Aber ich freu mich schon darauf, wieder mein eigenes Bett zurückzuhaben.“

Noch bis Ende August werden weitere Leihgaben angenommen: Informationen unter www.ludwiggalerie.de oder 0208/412 49 12.

EURE FAVORITEN