Mehr Taufen als Austritte

In Oberhausen macht die katholische Kirchen denen, die austreten, ein Gesprächsangebot. Das hat alelrdings noch keiner angenommen. Foto: Michael Gottschalk
In Oberhausen macht die katholische Kirchen denen, die austreten, ein Gesprächsangebot. Das hat alelrdings noch keiner angenommen. Foto: Michael Gottschalk
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Oberhausen. In Oberhausen ist wieder mal alles etwas anders. Traten in der gesamten Bundesrepublik 2010 deutlich mehr Gläubige aus der katholischen Kirche aus als ein Jahr zuvor und zum ersten Mal auch eine größere Zahl als getauft wurden, überraschen die Oberhausener Zahlen.

Im Jahr 2010 kehrten 419 Katholiken in der Stadt der Kirche den Rücken. 2009 zählte man 368. „So dramatisch viel mehr waren es im vergangenen Jahr also gar nicht“, erklärte ein Bistumssprecher. Das Überraschende ist jedoch: Es fanden deutlich mehr Taufen, 457, statt, als Menschen die Kirche verließen. Dazu kommen noch 14 Eintritte und 24 Wiederaufnahmen.

„Jeder Mensch sollte einen Platz in der Kirche haben“

Auch wenn Oberhausen damit vom Bundestrend abweicht, bedauert Stadtdechant Peter Fabritz jeden Austritt als „unendlichen Verlust für die Kirche“. „Jeder Mensch sollte einen Platz in der Kirche haben“, sagt Fabritz. Auch ihm fällt es schwer zu erklären, warum sich die Menschen von der Kirche abwenden. Sicher, im vergangenen Jahr mögen es die Missbrauchsfälle gewesen sein, die eine große Rolle spielten. Aber als einzige Ursache für den Schwund an Gläubigen will Fabritz den Missbrauchsskandal auch nicht sehen. „Früher“, das weiß er, „gaben die Leute oft finanzielle Gründe an.“ Sie konnten oder wollten die Kirchensteuer nicht mehr zahlen.

Warum sie heute „gehen“, bleibt unklar. „Der Kirchenaustritt erfolgt beim Amtsgericht“, erklärt der Pfarrer. Und: „Wenn wir davon erfahren, ist die Sache gelaufen.“ Über die persönlichen Gründe eines Austrittes erführen sie nie etwas.

Dabei bieten Vertreter der katholischen Kirche in Oberhausen allen Menschen, die austreten, ein Gespräch an. Die Betreffenden erhalten einen Brief. Fabritz: „Darin drücken wir unsere Betroffenheit aus, ohne Vorwürfe zu machen.“ In dem Brief heißt es unter anderem: „Um die Gründe zu verstehen, würden wir gern mit Ihnen ins Gespräch kommen. Da, wo die Ursachen bei uns vor Ort liegen, kann ein solches Gespräch helfen, das ein oder andere zu erklären oder uns auch helfen, etwas zu korrigieren. Aus der Erfahrung wissen wir, dass oft die direkte Kommunikation hilfreich sein kann.“ Allerdings, bisher hat von diesem Gesprächsangebot noch nie jemand Gebrauch gemacht. Und so bleiben die Gründe für die Austritte weiter im Dunkeln.

Bei Eintritt in die Kirche wird nur ein Formular benötigt

Während ein Austritt beim Amtsgericht verzeichnet wird, ist es der Pfarrer, bei dem ein Wiedereintritt erfolgt. Fabritz macht noch einmal deutlich: „Viele Leute denken, dass es ganz kompliziert ist, wieder in die Kirche einzutreten.“ Sei es aber nicht. Es müsse lediglich ein Formular ausgefüllt werden.

Neben dem Mitgliederschwund beklagen viele katholische Pfarreien auch einen Personalnotstand. Den sieht Fabritz in Oberhausen für die vier Großpfarreien jedoch nicht. „Wir haben 25 Priester im aktiven Dienst, acht Diakone, elf Gemeindereferenten und eine Pastoralreferentin“, listet er auf. Dazu kommen die Priester im Ruhestand. Fast in jeder Gemeinde packt so ein Ruheständler mit an. „Es gilt ja die Devise, ein fitter Rentner ersetzt einen halben Kaplan“, scherzt Fabritz. Und er sagt noch zum Vergleich: „In Frankreich gibt es Bistümer, die haben nicht so viele Priester wie wir in Oberhausen.“ In Frankreich gibt es auch keine Kirchensteuer. Da muss sich die Kirche selbst finanzieren.

Was noch nicht vorliegt: die Zahlen der Austritte bei der evangelischen Kirche im Jahr 2010. Ein Jahr zuvor wurden dort 278 Austritte und 95 Eintritte verzeichnet.

 
 

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