Mehr Geld für arme Oberhausener Jugendliche

Barbara Hoynacki
Die Grenzstraße in der Nähe der Flaßhofstraße, südliche Oberhausener Innenstadt.
Die Grenzstraße in der Nähe der Flaßhofstraße, südliche Oberhausener Innenstadt.
Foto: Ulla Emig/WAZ FotoPool
1,6 Millionen Euro sollen nach dem Willen der Stadt Oberhausen künftig in die Förderung sozial benachteiligter Jugendlicher fließen, um ihnen den Übergang von der Schule in den Beruf zu erleichtern. Denn die Perspektive junger Leute in einigen Quartieren ist ziemlich schlecht.

Oberhausen. 1,6 Millionen Euro sollen nach dem Willen der Stadt künftig in die Förderung sozial benachteiligter Jugendlicher fließen, um ihnen den Übergang von der Schule in den Beruf zu erleichtern. Sichergestellt werden soll die Finanzierung vor allem durch die Teilnahme am Förderprogramm „Jugend stärken im Quartier“ des Europäischen Sozialfonds (ESF). Höchste Zeit, denn die Zahlen in Oberhausen sind alarmierend.

17 Prozent ohne Schulabschluss

1285 junge Menschen unter 25 Jahren waren vor Ort im Sommer 2014 arbeitslos gemeldet. Davon hatten 17 Prozent (222 Jugendliche) keinen Schulabschluss und 77 Prozent (1028 junge Arbeitslose) keine abgeschlossene Berufsausbildung. Wie aus den Sitzungsunterlagen für den Jugendhilfeausschuss hervorgeht, befürchtet die Stadt: „Da zeichnen sich hohe Folgekosten ab.“

Insbesondere in Lirich, aber auch in der Innenstadt, im Knappenviertel und in Osterfeld stellte die Verwaltung eine hohe Konzentration sozialer Probleme fest. In allen vier Stadtteilen gibt es einen überdurchschnittlich hohen Anteil junger Menschen unter 27 Jahren.

In der Innenstadt hat jeder zweite unter 27 einen Migrationshintergrund. In allen vier Quartieren leben außerdem besonders viele kinderreiche Familien. Und dort ist auch der Anteil der Alleinerziehenden überdurchschnittlich hoch. Dazu kommen teils doppelt so hohe Arbeitslosen- und Hartz-IV-Quoten wie im übrigen Oberhausen. In Lirich benötigen unglaubliche 64,8 Prozent aller Vierjährigen eine besondere Sprachförderung. In der Innenstadt liegt diese Quote bei 56,9 Prozent (in Gesamt-Oberhausen bei 33,9).

Zusatzprojekte vor Ort geplant

Zwar sind die betroffenen Stadtteile bereits Programmgebiete der „Sozialen Stadt“ (Osterfeld soll es in den kommenden Jahren werden). Doch mit Hilfe von „Jugend stärken im Quartier“ sollen künftig alle bisherigen Programme gebündelt werden.

Dazu gehört federführend die „Zweite Chance“, ein Projekt der Ruhrwerkstatt für Schulschwänzer. Denn die Erfahrung zeige: Besonders Jugendliche, die häufig in der Schule fehlten, hätten Schwierigkeiten, einen Abschluss und damit später einen Ausbildungsplatz zu erhalten. Insgesamt 78 Prozent der Jugendlichen aber, die an der „Zweiten Chance“ teilgenommen haben, konnten in die Regelschule zurück oder in weitere Hilfen vermittelt werden.

Zielgruppe des EU-Förderprogramms sind entsprechend Jugendliche bis 26 Jahren mit besonderem Förderbedarf. Gedacht ist an eine längerfristige sozialpädagogische Begleitung, an Schulsozialarbeiter, die zu den Jugendlichen gehen, sowie an kleine Zusatzprojekte vor Ort in den Quartieren, die mit dem Programm „Soziale Stadt“ verknüpft werden sollen.