Marode Gleise an Güterzugstrecke in Oberhausen

Hans Gonska hat Sicherheitsmängel an der Güterstrecke entlang der Ripshorster Straße in Oberhausen-Borbeck entdeckt. Seit Jahrzehnten klagen die Anwohner im Viertel über zu laute Güterzüge und fehlenden Lärmschutz.
Hans Gonska hat Sicherheitsmängel an der Güterstrecke entlang der Ripshorster Straße in Oberhausen-Borbeck entdeckt. Seit Jahrzehnten klagen die Anwohner im Viertel über zu laute Güterzüge und fehlenden Lärmschutz.
Foto: Hans Gonska
Die Bahnschwellen an der Güterzugstrecke entlang der Ripshorster Straße an der Grenze zwischen Oberhausen und Essen wirken marode. An vielen Stellen sind sie verwittert und an einigen Stellen fehlen Schrauben. 16 solcher Fälle hat der Borbecker Hans Gonska in diesem Jahr an der Strecke gefunden.

Oberhausen.. Das Holz der Bahnschwellen wirkt an vielen Stellen verwittert, an einigen so genannten Schienenstühlen, die die Schiene mit der Schwelle wie eine Klammer verbinden, sind Schrauben ‘rausgedreht. 16 solcher Fälle hat der Borbecker Hans Gonska in diesem Jahr an der Güterzugstrecke entlang der Ripshorster Straße gefunden. „Wie sicher ist das Wohnen hier, wenn sich niemand um die Strecke kümmert?“, fragt er.

Bundespolizei ist informiert

Die Bundespolizei hat der Rentner bereits informiert und zumindest dieser Schaden wurde behoben. Doch noch immer sind manche Schienenstühle derart gebrochen, dass sie selbst bei vorhandenen Schrauben den Eindruck machen, als werden sie die Gleise im Belastungsfall nicht halten können. Zu dem Lärm, der die Anwohner seit vielen Jahrzehnten beschäftigt, kommt nun der Sorgen-Faktor Sicherheit hinzu.

Ruhiger wird man nicht, wenn Gonska seine Foto-Aufnahmen von den naheliegenden Brücken zeigt: Die Querungen auf Essener Gebiet an der Prosperstraße und Rauchstraße weisen stark rostige Träger auf, der Beton bröckelt an vielen Stellen, grobe Risse ziehen sich durch die Brücke. Eine Sanierung scheint an beiden seit vielen Jahren dringend erforderlich, doch wann die Bahn hier tätig wird, „können wir nicht nennen“, antwortet die Deutsche Bahn auf Anfrage dieser Zeitung. Die Brücke an der Ripshorster Straße – mehr als hundert Jahre hat sie auf dem Buckel – hat das Unternehmen erst im Juli 2011 saniert.

Wer den Schaden hat, braucht für den Lärm offenbar nicht zu sorgen: Auch die Waggons hält Gonska für schlecht gewartet, weil sie unglaublich laut sind. Durchschnittlich 100 Güterzüge fahren an Werktagen hinter seinem Haus an der Sandgathe durch, die wenigsten seien leise Elektro-Züge.

Wichtiger Bestandteil des Ost-West-Korridors

Von dem heutigen Lärm und Durchgangsverkehr entlang der Ripshorster Straße war vor 50 Jahren allerdings keine Rede. Im Gegenteil, weiß Hausbesitzer Gonska, damals, als man ihm und anderen Anwohnern Grundstücke an der Sandgathe verkaufte, hieß es, die Strecke würde einschlafen. Das bewahrheitete sich jedoch nicht, der Verkehr hat sich hingegen langsam gesteigert.

Für die Deutsche Bahn ist die Güterzugstrecke ein wichtiger Bestandteil des Ost-West-Korridors und somit Teil einer Verbindung zwischen Ost-/Norddeutschland (auch Skandinavien oder Polen) sowie dem östlichen Ruhrgebiet und Köln/Süddeutschland/Belgien/Niederlande. So war es, nach ihren Angaben bereits vor 20 Jahren. „Man macht damit viel Geld“, glaubt der Rentner. Nur in die Strecke investieren wolle man offenbar wenig.

Gegen ein Tempolimit auf dem Abschnitt oder gar einen Lärmschutz – beides von den Anwohnern immer wieder gewünscht – wehrt sich die Bahn verbal immer wieder. Man beruft sich in Schriftwechseln mit den Betroffenen auf ein Gewohnheitsrecht: Die Bahnstrecke gäbe es seit über 90 Jahren, die Siedlung aber erst seit etwa 60.

Leise ist es im Viertel an der Ripshorster Straße sicherlich nicht: Ein Schrotthändler und eine Hammerschmiede haben in der Vergangenheit immer wieder an den Nerven der Anwohner gerüttelt. Und doch wünschen sie sich wenigstens vor den Zügen Schutz, „wenn man nachts im Tiefschlaf ist, wird man davon aufgeweckt“, schildert Gonska den Alltag, „wenn man im eigenen Garten sitzt, und ein Zug fährt durch, dann versteht man sein eigenes Wort nicht“.

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