Oberhausen

„Kelly Family“: Maite Kelly spricht Klartext – „Ich kriege einen Schreck für's Leben, wenn...“

Maite Kelly live.
Maite Kelly live.
Foto: Gregor Fischer / dpa

Oberhausen. Sie war Sängerin einer der bekanntesten Bands der Welt. Jetzt ist sie solo unterwegs – Maite Kelly. Am 31. März spielt die 39-Jährige in der Arena Oberhausen.

Und am ersten Weihnachtstag ist Maite Kelly in der „Helene Fischer Show“ im ZDF zu sehen. Für DER WESTEN nahm sich Maite Zeit für ein Gespräch über Familie, Musik und die Kunst.

Frau Kelly, Sie gehen im Frühjahr auf Tour. Wenn ich noch nie bei Maite Kelly war, was darf ich erwarten?

Die neue Show wird meine größte und glamouröseste. Aber es wird auch die persönlichste und auch die nahbarste Show meines Lebens.

Ich komme ja aus einer folkloristischen, aus einer sehr poetischen Familie. Nach dem Tod meiner Mutter haben wir auf der Straße singen müssen, um uns dann wieder hochzuarbeiten und in den großen Hallen spielen zu können. Dann fing meine Karriere wieder ganz von vorne an, ganz klein. Es war ein sehr langer Weg, bis ich mich als Einzelkünstler getraut habe, wieder auf den großen Bühnen zu spielen. Ich war bis dahin immer der Rahmen, nie das Porträt.

Vielleicht kommt das jetzt auch durch meine Reife, dass ich mich traue, noch klarer zu schreiben. Ich glaube, ich hätte es mich mit dreißig Jahren nicht getraut, mich so zu offenbaren.

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Sind Sie generell so offen?

Nein, ich erlaube mir das nur in der Kunst. Ich bin kein Exhibitionist und bin eher schüchtern. Aber auf der Bühne, im Mantel der Kunst, im Mantel der Musik, ist das für mich nicht nur erlaubt, sondern auch sehr wichtig. Sonst wäre das alles nur Klamauk.

Sie kommen aus einer Künstlerfamilie. Da mussten eigene Ideen auch sicherlich ab und an hintenanstehen. Ist die Solokarriere da auch eine Art Befreiung?

Ich habe nie das, was ich geschrieben habe, als außergewöhnlich empfunden. Mein Vater jedoch hat das immer erkannt. Er hat immer gesagt: 'Maite, du wirst irgendwann Kinderlieder schreiben. Du hast eine Gabe: Du redest viel, aber du hältst dich wahnsinnig kurz in deinen Gedichten und schaffst große Bilder'.

Also Musik als Therapie?

Um das klarzustellen: Das hier ist keine Therapie, das ist Berufung. Ich bin so innerlich mit mir im Reinen, dass ich es zulasse, dass alles, was mir auch weh tut, andere mitempfinden können. Wenn es um die essenziellen Dinge geht, sei es Liebe, Lust, Trauer, Angst, Hoffnung, Zuversicht, dann sind wir alle gleich. Wir haben alle die gleichen Fragen, wir haben alle die gleichen Ängste und wir sehen alle die gleiche Notwendigkeit, geliebt zu werden und zu lieben. Und meine Aufgabe als Musikerin ist es, meine Lebensfragen und -Antworten so zu verpacken, dass ich sie teilen kann.

Und wenn ich mit meiner Musik einen gewissen Lebensschmerz begleiten kann. Wenn Schlager die Placebo-Tablette gegen Lebensschmerz ist, dann ist es meine Aufgabe dafür zu sorgen, dass das Rezept aufgeht. Dann bin ich der Song-Dealer (lacht).

War Künstlerin zu sein, immer Ihr Lebenstraum?

Ich bin sehr dankbar, dass das Leben mich dazu gezwungen hat. Ich muss sagen, ich war mehr wie Jonas in der Bibel. Ich bin eher davon weggelaufen und wollte lieber Nonne werden oder Mutter. Ich habe auch viele Jahre in der Kirche gearbeitet. Ganz ehrlich, ich träume immer noch davon. Weg.

Weg von der Welt (lacht). Ich hasse das Showbusiness. Ich gehe nie freiwillig auf die Bühne, aber ich liebe den Menschen und ich liebe die Musik. Ich liebe die Kraft des Klanges und was er mit einem Menschen macht. Dass ich dazu beitragen kann, dass Menschen Kraft schöpfen können.

Das ist ein Weg, der wird nicht vielen Menschen gegeben.

Sie konnten diesen Weg ja sogar zwei Mal gehen...

Ja, mit der Kelly Family und auch einzeln. Ich habe gestern noch mit Patrick (Michael Patrick Kelly) ganz lange gesprochen. Ich habe gesagt, wie schön es ist, dass wir das beide erleben. Dass wir als Musiker ein eigenes Buch aufschlagen dürfen. Und dass die Menschen dieses Buch mit uns auch lesen wollen.

Sie haben ja nun schon gesagt, welch gutes Verhältnis Sie zu ihrem Bruder haben. Im Netz taucht da ja immer wieder Gegenteiliges auf?

Es tut mir weh. Wenn ich mich selbst google, bekomme ich einen Schreck fürs Leben. Du kannst ja gar nichts mehr richtig machen. Denn selbst wenn du etwas richtig machst, wird das einfach verdreht. Sie müssen wissen, ich habe letztens einen Kommentar für eine Doku abgegeben. Da hat mich jemand gefragt, wie es für mich ist, wenn ich auf die Bühne gehe und von Männern begehrt werde. Da sage ich, ich gehe nicht auf die Bühne, um begehrt zu werden. Ich brauche nur einen Mann in meinem Bett. Ich brauche nur einen Mann, der mich liebt, meinen Körper braucht. Am nächsten Tag stand die Schlagzeile: 'Was Maite Kelly im Bett braucht'.

Die Schlagzeilen betreffen ja auch immer wieder ihre anderen Geschwister. Wie sieht ihr Verhältnis wirklich aus?

Ich bin kein Freund davon, mit dem guten Verhältnis zu meinen Geschwistern zu prahlen. Es gibt Momente, da finde ich es wichtig auch nach außen hin zu zeigen, 'Hey, ich bin stolz auf meinen Bruder'. Ich sehe meine ganze Familie auch ständig auf den Schlagershows und wir sitzen oft im Cafe und wir lachen. Nur weil wir beruflich nicht miteinander auf Tournee gehen, heißt das nicht, dass wir keine starke Wertschätzung füreinander haben. Ich habe mit jedem Einzelnen ein gutes Verhältnis.

Klar habe ich mit manchen eine engere Verbindung, aber das hat auch was mit dem Alter zu tun.

Glauben Sie, dass es in Zukunft noch mal ein Comeback für Sie bei der Kelly Family geben wird?

Ich glaube, denen geht es so gut, die brauchen mich nicht. Ich kann auch meine Karriere - ich habe noch junge Kinder - derzeit so bestimmen, dass ich von Zuhause viel machen kann. Ich kann Bücher von Zuhause aus schreiben. Aus dem Homeoffice arbeiten. Während der Tourneen bin ich dann zwar sechs Wochen nicht da, aber als Solo-Künstlerin teile ich mir meine Arbeit eben ganz anders ein. Das kann ich mit den Kellys nicht machen.

Also war der Austritt aus der Band eine Entscheidung für die Kinder?

Na klar. Was dazu kommt: Als sie damals die Idee mit dem Comeback hatten, hatte ich auch schon einen Plattenvertrag unterschrieben. Und was ich verspreche, das halte ich auch.

 
 

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