Lehrer fühlen sich bei der Inklusion alleingelassen

Foto: Heiko Kempken/WAZ FotoPool

Das große Ziel der Inklusion an Schulen – Kinder mit und ohne Förderbedarf werden gemeinsam unterrichtet – löst unter den Oberhausener Lehrern viel Frust aus. Jetzt melden sich die Lehrerräte der hiesigen fünf Gymnasien zu Wort.

Die Personalvertreter kacheln gegen die Stadt und das Land und fordern, dass die Umsetzung der Inklusion an den Oberhausener Schulen transparenter und in Absprache mit den Betroffenen erfolgt. „Wir fordern eine Aussetzung der Schulschließungen bei den Förderschulen in Oberhausen bis ein funktionsfähiges Konzept erkennbar ist“, heißt es in dem Schreiben der Lehrerräte.

Sie schildern die Nöte an der Basis: „Wir erleben, dass es zu wenige Förderschulkollegen gibt. Wir erleben, dass die nötigen Differenzierungsräume fehlen. Wir erleben, dass Schulen erst ganz kurz vor dem neuen Schuljahr über die Zuweisung von Kindern mit Förderbedarf erfahren (erfahren sollen?). Wir erleben, dass sich die Lehrer hilflos und überfordert fühlen und dass zeitliche Ressourcen für Fortbildungen, Teamabsprachen, das Anfertigen differenzierter Schulmaterialien und Schulbücher fehlen. Wir erleben Förderschullehrer, die von Schule zu Schule hetzen und sich nirgendwo richtig heimisch fühlen. Wir erleben die Schließung von fünf Hauptschulen und vier Förderschulen (das Umkrempeln einer gesamten örtlichen Schulstruktur) in einem extrem kurzen Zeitraum. So kann Inklusion nicht funktionieren!“

Augenmerk auf die Qualität richten

Stadt und Land sollten die Betroffenen, die sich mit der Aufgabe Inklusion alleingelassen fühlen, anhören, so die Lehrerräte. Es gebe viele unbeantwortete Fragen, vor allem über die Beschulung von Schülern mit Förderbedarf im gymnasialen System. Als Beispiel: Was passiert mit diesen Jugendlichen, die in das Kurssystem der Oberstufe in Jahrgang zehn eintreten? Das Fazit der Lehrerräte: „Es gilt, nicht nur die Quantität von Inklusion festzustellen und zu feiern (Erhöhung der Inklusionsrate), sondern auch das Augenmerk auf die Qualität von Inklusion zu richten (was passiert eigentlich mit den betroffenen Schülern?).“

 
 

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