Lebende Hölle, in Eigenregie inszeniert

Foto: Theater Oberhausen

Vier Menschen, getrieben vom Konsum, bedacht aufs Äußere, mit wenig Tiefgang. So scheint es. Doch es brodelt. Tief im Inneren rumoren auch bei ihnen geheime Sehnsüchte, Gelüste, Abgründe. „Gier und Bescheidenheit“ heißt die Inszenierung am Theater Oberhausen, in der dieses Innere zum Vorschein kommt. „Ein Drama spielt sich ab, in einer kleinen Gesellschaft von vier Personen“, kündigt Dramaturg Tilman Raabke für die Premiere am Freitag an.

Das Besondere: Das Stück hat keinen Regisseur. Es muss auch ohne gehen, hat sich das Ensemble gedacht. Eigene Texte, eigene Inszenierung, passendes Bühnenbild, Kostüme – „Gier und Bescheidenheit“ hat alles, was ein Theaterstück haben muss. Nur niemanden, der Anweisungen gibt.

Entstanden ist das Stück im Team. Die Schauspieler Peter Waros, Elisabeth Kopp, Anna Polke und Anja Schweitzer haben Texte verfasst und Szenen entwickelt. Vivian Kramarczyk half als Dramaturgie-Assistentin, das Bühnenbild stammt von Maria Eberhardt, für die Kostüme ist Joana Ganser verantwortlich.

Vier Schauspieler, vier Meinungen – gab es nie Streit? „Erstaunlicherweise nicht“, erzählt Anja Schweitzer. Wenn jeder eine Idee hatte, hat die Gruppe alle vier Ideen durchgespielt und sich für die beste Variante entschieden.

Und was erwartet den Zuschauer? Vier Menschen aus der High Society kommen nach einem Opernabend zum gemütlichen Ausklang zusammen. Der Gastgeber bietet Übernachtungsmöglichkeiten an. Doch das Tückische: Niemand kann den Raum verlassen. Zauber? Wahn? Man weiß es nicht. „Es ist die lebende Hölle“, sagt Dramaturg Raabke. „Absurd, aber nicht albern.“

Die Ausgangslage sei durchaus surreal, die Geschichte aber echt, erklärt Schauspielerin Elisabeth Kopp. Es gehe darum, zwei Bereiche der Seele darzustellen: die zivilisierte an der Oberfläche und die verborgene darunter, in der Begierde und Neid zum Vorschein kommen. „Wir betreiben aber keine Gesellschafts-Studien“, sagt Anna Polke. „Wir möchten den Zuschauer – wie immer – zum Nachdenken anregen, aber nicht den moralischen Zeigefinger erheben.“

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