„Lagerwaren zu hoch bewertet“

Sparkasse in der Wörthstraße  Foto: Sabrina Neef
Sparkasse in der Wörthstraße Foto: Sabrina Neef
Foto: WAZ FotoPool
Der Sport-Concept-Fall der Oberhausener Sparkasse, der das Geldinstitut bis zu 20 Millionen Euro kosten kann, geht in die nächste Runde. Ein neues Gutachten wird erwartet. Doch auch das erste Gutachten des Insolvenzverwalters zeigt bereits Merkwürdigkeiten auf.

Oberhausen.. Unter strengster Geheimhaltung werden sich in den nächsten Wochen Vorstand, Risikoausschuss-Mitglieder und Verwaltungsräte der Stadtsparkasse Oberhausen über das 200-Seiten-Gutachten der Unternehmensberatung PriceWaterhouseCoopers (PWC) beugen. Viele hoffen darauf, dass die Fachleute Licht in das heute merkwürdig erscheinende Geschäftsverhältnis zwischen dem Pleite gegangenen Sportartikel-Händler „SportConcept“ und der Sparkasse bringen - auch der Sparkassenverband Rheinland und die strenge Bankenaufsicht Bafin.

Schließlich besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass die Sparkasse rund 20 Millionen Euro im „Sport-Concept“-Fall fast zur Gänze abschreiben muss. Zum Vergleich: 2010 hat die Sparkasse einen operativen Gewinn von 18 Millionen Euro erzielt.

16-seitiges Gutachten

Eine erste Orientierungshilfe hat das aktuelle 16-seitige Gutachten des Insolvenzverwalters Sebastian Henneke gegeben. Darin wird auch der Kern des Geschäftsbetriebs von Sport-Concept kritisiert.

„Das Geschäftsmodell ist schwer nachvollziehbar. Die Schuldnerin handelte mit Neuwaren und Warenrückläufen aus dem Sportfachhandel, insbesondere in Italien. Die Waren wurden von Zwischenhändlern erworben, verpackt und neu konfektioniert. Sie sind an Discounter aus der Lebensmittelbranche als Aktionsware veräußert worden. Die Geschäftsentwicklung ist durch eine explosionsartige Umsatzausweitung 2010 gekennzeichnet. Im gleichen Zeitraum begründet die Schuldnerin enorme Rücknahmeverpflichtungen gegenüber Kunden (insbesondere Netto), die aus nicht abverkauften Mengen resultierten.“

Nachweise wurden nicht vorgelegt

Überraschend erscheint auch, dass die Geschäftsführung von „Sport-Concept“ Anfang Juni, gut zwei Wochen nach dem ersten Insolvenzantrag und anderthalb Monate nach der Pfändungsverfügung des Finanzamtes über knapp 1,5 Millionen Euro, noch davon überzeugt war, dass ihre Firma nicht zahlungsunfähig sei. Sie begründete dies mit möglichen ertragsstarken Neugeschäften mit „Netto“, ohne dafür laut Gutachter Nachweise vorzulegen.

Die wesentlichen Vermögenswerte von „Sport Concept“ sollen an verschiedenen Orten in Deutschland gelagerte Waren gewesen sein. Diese galten bei der Sparkasse auch als Sicherheit für die Kredite.

Im Gutachten heißt es aber: „Nach den vorläufigen Ermittlungsergebnissen hat die Schuldnerin in der Vergangenheit ihre Warenbestände zu hoch bewertet.“

Verkaufswert noch unklar

So wurden zwar Sportartikel in verschiedenen Lagern (Aachen, Langenfeld, Osnabrück, Oberhausen) aufgefunden, doch wie viel Verkaufswert diese der Mode unterliegenden Waren noch haben, ist teils unklar, teils deutlich niedriger als von „Sport Concept“ angegeben. So liegen etwa in Langenfeld Waren, die laut „Sport-Concept“ knapp 2,8 Millionen Euro Einkaufswert haben, doch für die Interessenten nur Angebote von bis zu 400.000 Euro abgaben.

Ladenstücke im angegebenen Wert von 10.000 Euro sind laut Auktionator nur für 1000 Euro verkaufsfähig.

Der Einkaufswert weiterer Lager-Ware von angeblich 25 Millionen Euro konnte der Geschäftsführer, so der Insovenzverwalter, nicht belegen. Er habe trotz mehrfacher Aufforderung keine konkreten Angaben zu „realen Verwertungsmöglichkeiten zu dem von ihm behaupteten Wert der Gegenstände“ gemacht.

Auch der Wert der registrierten Marken „Jump and Run“ sowie „Globalsports“ wird von Henneke skeptisch beurteilt: Statt knapp 410.000 Euro wollen Interessenten dafür nur 10.000 Euro zahlen.

Zudem behauptete „Sport-Concept“, es existierten offene Forderungen von 25 Millionen Euro. Bis Anfang November gingen daraus allerdings laut Gutachten nur gut 23.000 Euro auf dem Anderkonto ein.

 
 

EURE FAVORITEN