Kulturpott hat auch Rot-Weiß Oberhausen im Topf

Das im Laufe des letzen Jahres verstärkte „Kulturpott“-Team stellte seine Arbeit im Mehrgenerationenhauses Alte Heid 13 vor.
Das im Laufe des letzen Jahres verstärkte „Kulturpott“-Team stellte seine Arbeit im Mehrgenerationenhauses Alte Heid 13 vor.
Foto: FUNKE Foto Services
Über 2200 Karten für Theater, Konzert und Fußball vermittelte der Verein. Oberhausens Zweigstelle zählt nach Essen und Gelsenkirchen die meisten Gäste.

Oberhausen.. In den Kulturpott passt ganz viel rein: nicht nur Karten fürs klassische Konzert oder fürs Theater. Auch Kultur für Kinder ist dabei – und Sport. Rot-Weiß Oberhausen zählt ebenfalls zu den Partnern des jüngst umbenannten Vereins „Kulturpott Ruhr“.

Unter den städtischen Institutionen, weiß Kulturdezernent Apostolos Tsalastras, „sind alle dabei, die Veranstaltungen anbieten“. Auch Freie wie die Kleinstädter Bühne machen mit und melden unverkaufte Karten dem Verein, der allein in Oberhausen in den letzten zwölf Monaten über 2200 Karten an seine Gäste weitergab – an Bürger also, denen das Geld fehlt, um sich einen schönen Abend mit Musik oder Schauspiel zu leisten.

Ehrenamtliches Team gut aufgestellt

„Und da waren wir noch keine acht Leute“, ergänzt Silvia Wollny. Sie managt die Oberhausener Zweigstelle des „Kulturpott“, zu Gast in der Awo-Etage des Mehrgenerationenhauses Alte Heid 13. „Unser Team ist jetzt gut aufgestellt.“ Willkommen sind weitere Gäste – denn längst nicht jeder, der von seiner finanziellen Lage her Gast des Kulturpott Ruhr sein könnte, nutzt den für ihn völlig kostenlosen Service.

„Wir wollen im neuen Jahr regelmäßig die Tafel besuchen“, sagt Silvia Wollny. Und, wenn sie im März eröffnet ist, auch monatlich die neue Sterkrader Bibliothek. Nach Zahl der Gäste, erklärt Brigitta Blömeke, die Vorsitzende des Kulturpott Ruhr, folgt Oberhausen gleich nach Essen und Gelsenkirchen an dritter Stelle: „Das ist diesem Team zu verdanken.“

Rausgehen in die Gesellschaft

Die Ehrenamtlichen, überwiegend Frauen, leisten eben weit mehr als „Callcenter“-Arbeit. „Es braucht persönliche Ansprache“, betont Brigitta Blömeke. Auch ihre Vorstands-Kollegin Marita Heiliger erzählt von manchen ausführlicheren Gesprächen – die dann auch die schüchtern hervorgebrachte Frage beantworten: „Was ziehe ich denn an zum Theater?“

Der finanzielle Aspekt ist eben nur einer, weiß auch Apostolos Tsalastras: „Es ist auch eine kulturelle Frage.“ Gerade deshalb, so Brigitta Blömeke, habe der Kulturpott seine Palette erweitert – von der Hoch- bis zur Pop-Kultur – und gebe auch gerne RWO-Karten weiter. Der Verein will es eben ermöglichen, „’rauszugehen in die Gesellschaft“. Das gilt für jene Gäste, die Kulturleben erst für sich entdecken, „sich herantasten“. Und es gilt für jene Älteren, die im Berufsleben ihre Konzer- und Theaterkarten stets gerne bezahlten.

Für sie würde der Kulturpott gerne noch mehr tun, denn manche sind so vereinsamt, dass sie die zweite Gast-Karte gar nicht nutzen können. „Wir würden gerne einen Begleitservice anbieten“, sagt die Vorsitzende. Doch dazu fehlt dem Kulturpott noch die finanzielle Ausstattung. Der e.V. arbeitet mit 95 Ehrenamtlern in 30 Städten, dazu drei Honorarkräfte in der neuen Gelsenkirchener Zentrale – „und eine riesige Telefonrechnung“.

Da können die Vorständlerinnen schon etwas neidvoll auf den (ebenfalls umbenannten) „Kulturraum München“ blicken, denn in Bayern macht Lidl als finanzstarker Sponsor vieles möglich: An jeder Supermarktkasse dort können Kunden einfach eine Spenden-Taste drücken, statt kleines Wechselgeld zu nehmen.

Die Oberhausener versuchen’s stattdessen per Crowdfunding: 5000 Euro sind das Budgetziel bis zum 29. Januar – zu erreichen über die Aktion der Volksbank Ruhr-Mitte „Viele schaffen mehr“.

 

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