Künstlergruppe gründet Freie Universität in Oberhausen

Die Räume von Kitev (hier ein Archivbild) im Oberhausener Bahnhofsturm.
Die Räume von Kitev (hier ein Archivbild) im Oberhausener Bahnhofsturm.
Foto: WAZ FotoPool
Der Verein Kitev erarbeitet einen Seminarplan mit engagierten Bürgern. Ziel: das Stadtleben aktiv mitgestalten. Jeder kann kostenlos mitmachen.

Oberhausen ist Hochschulstandort! Vertreter aus Politik und Wirtschaft haben sich jahrelang vergeblich abgemüht, eine Hochschule in der Stadt anzusiedeln. Jetzt haben Oberhausens Kreative das Ruder in die Hand genommen – und die Freie Universität Oberhausen gegründet.

Hinter der Aktion steckt der Verein Kitev, der seit Jahren die freie Oberhausener Kulturszene mit außergewöhnlichen Projekten bereichert, wie etwa die Inszenierung der Uhr im Bahnhofsturm. Um Veränderungen in der Stadt voranzubringen, geht es auch beim Uni-Projekt. „Viele Leute reden unsere Stadt schlecht“, sagt Stefan Schroer, einer der beiden Hochschul-Beauftragten bei Kitev. Aber das bringe nichts in Bewegung.

„Wir rufen die Leute deshalb auf, aktiv an der Gestaltung der Stadt mitzuarbeiten.“ Oberhausen sei gar nicht so schlecht, „hier schlummern viele Potenziale.“ Deshalb trägt die Uni auch den Beinamen „Stadtentwicklung positiv“.

Gemeinsam mit engagierten Wegbegleitern hat der Verein fünf Seminare erarbeitet, die schon im Januar starten sollen. Fünf Seminare, fünf verschiedene Themenschwerpunkte: Es wird etwa um die Vernetzung der lokalen Akteure im Kreativ-Quartier gehen, ein anderes Seminar beschäftigt sich mit der Inklusion von Neubürgern.

Stadtplanung und Räume stehen bei einem weiteren Seminar auf dem Programm. Die Teilnehmer stellen sich Fragen wie „Wieso gibt es eigentlich keinen Grillplatz im Grillopark?“ oder „Was haben sich die Menschen früher für unsere Stadt erträumt?“ Geplant sind unter anderem Vorträge und ein Stadtrundgang.

"Jedes Seminar soll etwas Produktives hervorbringen"

Ein Seminar zum Thema Essen hat das Ziel, eine „Peer to Peer“- Kantine ins Leben zu rufen: eine Tausch-Plattform für ein gutes Mittagessen zwischen Berufstätigen, die keine Zeit zum Kochen haben, auf der einen Seite und Menschen, die ohnehin täglich für sich und ihre Familie kochen, auf der anderen Seite. „Topf auf – der Henkelmann kommt“ heißt das Seminar.

Eine weitere Gruppe kümmert sich schließlich um das große Ganze: Was hat es mit der Uni auf sich? Und wie lassen sich die Ergebnisse am Ende gut präsentieren?

Denn eines sei besonders wichtig, sagt Stefan Schroer: der positive Effekt. „Jedes Seminar soll etwas Produktives hervorbringen.“ Ein Quartiers-Quartett-Kartenspiel etwa beim Thema Vernetzung. „Wir können uns auch gut vorstellen, dass die Vorschläge, die wir erarbeiten, ihren Weg in die Politik finden werden“, sagt Lukas Hegemann, zweiter Uni-Mann bei Kitev.

Denn bei der Gründung der Uni sei ganz besonders deutlich geworden: „Hier geht es nicht um ein Paar Freaks und ein abgehobenes Projekt“, sagt Hegemann und lacht. Das Interesse sei groß – bei den unterschiedlichsten Einrichtungen und Institutionen. Von der Antifa bis zum Kulturbüro. Vom Jugendparlament bis zum Seniorenbeirat. „Alle wollen, dass sich hier was tut“, sagen Hegemann und Schroer. „Packen wir es an.“

Nähere Infos und Anmeldung im Internet unter uni.kitev.de oder per E-Mail an uni@kitev.de. Jeder kann mitmachen, die Teilnahme ist kostenlos.

 
 

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