Kriterien für das Aus von Schulen in Oberhausen

Die Hauptschule Eisenheim, an der erst 2010 die Mensa eröffnet wurde, soll geschlossen werden. Foto: Tanja Pickartz
Die Hauptschule Eisenheim, an der erst 2010 die Mensa eröffnet wurde, soll geschlossen werden. Foto: Tanja Pickartz
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Das Thema Schulschließungen ist bei Eltern und Lehrern mit starken Emotionen besetzt. Doch es gibt nach Auffassung der Stadt handfeste Argumente für das geplante Aus von acht Grund- und zwei Hauptschulen. Und Zahlen, die diese Argumente tragen.

Oberhausen. Allein die Bevölkerungsprognose bis 2025 liefert Schuldezernent Reinhard Frind gute Gründe für die geplante Schließung von zehn Schulen. In diesem Jahr gibt es 7235 Grundschulkinder in Oberhausen. 2015 werden es 7000 sein und bis 2025 rund 6341. Einzügige Schulen - pro Grundschulklasse erlaubt das Gesetz 18 bis 30 Kinder - und viele kleine Klassen bedeuten bereits jetzt: „Wir haben 39 Klassen zu viel“, erläutert Frind. Damit sei der Pool von zehn Vertretungslehrern, die eigentlich für die Stadt vorgehalten werden sollten, leer. Und besondere Lehrerstellenzuschläge für Förderunterricht könnten auch nicht mehr genutzt werden.

Frind liefert weitere Zahlen-Argumente: „Eine einzügige Schule mit je 18 Kindern pro Jahrgang hat fünf Lehrer. Wenn davon einer krank wird, gibt es keine Vertretung, hat die Schule ein Problem, das System aufrecht zu erhalten.“ Außerdem müssten die wenigen Lehrer auch noch die komplette Bürokratie stemmen.

Zwei-Kilometer-Radius

All das sind für die Verwaltung Argumente, Schulen zu schließen. Welche Einrichtungen es trifft, wurde von verschiedenen Kriterien abhängig gemacht. Ein Aspekt: „Wir haben um jede Schule einen Zwei-Kilometer-Radius geschlagen, um zu gucken, was passiert, wenn wir Schulen schließen“, verdeutlicht Frind. Sprich, ein Fußweg von zwei Kilometern ist für Grundschüler zumutbar. Es muss also mindestens eine Alternativ-Grundschule in der Nähe existieren. „Ein weiteres Kriterium ist, ob umliegende Schulen in der Lage sind, die Kinder aufzunehmen“, sagt Frind. Dabei ginge es lediglich um ausreichende Räumlichkeiten. „Die Lehrer folgen eh“, erklärt der Schuldezernent.

Beleuchtet wurde zudem, wie Schulen ausgestattet sind. Und was in Standorte aus dem Ganztagsförderprogramm investiert wurde. Denn diese Gelder wären bei einer Schulschließung zurückzuzahlen. Frind: „Wir haben auch darauf geachtet, was wir selbst in das Gebäude gesteckt haben.“

Noch einen Aspekt gibt Frind zu bedenken: „Bei sehr kleinen einzügigen Grundschulen besteht die Gefahr, dass irgendwann keine 18 Kinder mehr angemeldet werden.“ Diese Schulen liefen dann aus, es bestünde die Gefahr eines ungesteuerten Schließungsprozesses.

Das Ziel der Verwaltung: „Stabile gesicherte Standorte auch über 2015 hinaus“, nennt der Dezernent, was man mit dem Schulentwicklungsplan erreichen möchte. Und er betont: „Alles, was im Schulentwicklungsplan steht, ist noch nicht beschlossen.“ Die Kommunalpolitik entscheide erst am 23. Oktober, was von den Punkten in die Tat umgesetzt werde. In der Zwischenzeit, bis zum 10. September, seien sie für Alternativ-Vorschläge offen. Frind: „Wir haben auch die Schulen um ihre Mitwirkung gebeten und sind bereit, zu Beratungsgesprächen in die Schulen zu gehen.“

Betroffene Schulen

Die Verwaltung überlegt, folgende Schulen zu schließen: Die Vennepoth-Grundschule an der Mühlenstraße in Dümpten ist einzügig, wie Schuldezernent Reinhard Frind erklärt. Im Schuljahr 2010/2011 zählt sie 30, 2011/2012 nur noch 22 Schüler in der Eingangsklasse. Frind: „Die umliegenden Schulen sind in der Lage, die Kinder aufzunehmen.“ Das sind die Schule Am Froschenteich, sowie eine katholische und eine Gemeinschaftsgrundschule in Mülheim.

Gemeinsamer Ganztag

Aus zwei mach eins: Die Johannes-Grundschule und die Astrid-Lindgren-Grundschule am gemeinsamen Standort Stiftstraße 22 in Alt-Oberhausen könnten zusammengelegt werden. Frind: „Die beiden Schulen betreiben bereits gemeinsam einen offenen Ganztag.“ Die Johannesschule sei knapp zweizügig. Die Astrid-Lindgren-Schule verliere Schüler, habe im Schuljahr 2010/2011 noch 42 und nur 32 im Jahr 2011/2012. Frind: „Gemeinsam hätten die Schulen eine bessere Lehrerversorgung.“

Sehr klein

Die St.-Martin-Schule an der Friedenstraße in Alt-Oberhausen ist sehr klein, zählt jetzt 23 Kinder, 2011/2012 sollen es 19 sein und für 2015/2016 werden wieder 31 prognostiziert. Mehr als Einzügigkeit ist nicht drin. Frind: „Die Brüder-Grimm-Schule liegt nur 500 Meter entfernt und könnte die Kinder der St-Martin-Schule aufnehmen.“

Zusammenschluss

Aus drei mach eins: Die Emscherschule und die Katharinenschule an der Wunderstraße in Lirich hätten gemeinsam genügend Raum, „für erheblich mehr Kinder“, sagt Frind. Deshalb sei geplant, die Josefschule an der Duisburger Straße aufzulösen und alle drei Einrichtungen zu einer zu machen. Die Zahlen der Eingangsjahrgänge: 2010/2011 sind es an der Emscherschule 22 Kinder, für 2015/2016 werden 23 prognostiziert. An der Katharinenschule werden im laufenden Schuljahr 50 Kinder in den Eingangsklassen unterrichtet. 2015/2016 sollen es 41 sein. Die Josefschule zählt jetzt 36 Kinder, 2015/2016 geschätzte 22.

Wenig Schüler

Ein weiterer möglicher Zusammenschluss steht folgenden drei Schulen bevor: Die Dietrich-Bonhoeffer- und die Kardinal-von-Galen-Schule nutzen bereits gemeinsam ein Gebäude am Siedlerweg in Tackenberg. Frind: „Die Tackenbergschule ist nur einen Kilometer von den beiden entfernt.“ Alle drei Schulen hätten wenig Schüler. Alle zusammen sollten als eine Einrichtung am Siedlerweg weiter betrieben werden.

Ein Gebäude

Das Schicksal der Zusammenlegung trifft auch die Grundschule Schmachtendorf und die Dunkelschlagschule, die sich an der Oranienstraße ein Gebäude teilen.

Stichwort „katholisch“

Die St.-Martin-Schule, Kardinal-von-Galen-Schule, Dunkelschlag-, Johannes- und Katharinenschule sind katholische Bekenntnisschulen. Frind: „Bei einer Zusammenlegung mit einer Gemeinschaftsgrundschule schlagen wir vor, dass die Eltern entscheiden, ob die Schule Konfessions- oder Gemeinschaftsschule wird.“

Rückforderungen

Und wie sieht es bei den Hauptschulen aus? Die einzügige Hauptschule Eisenheim soll 2012/2013 keine Kinder mehr aufnehmen und auslaufen“, sagt Frind. 2013/2014 müsse eine weitere Hauptschule aufgegeben werden. Frind: „Die Schule steht noch nicht fest, wir schlagen aber die St. Michael Schule vor. Seine Begründung: „In St. Michael sind nur 100.000 Euro an Landesmitteln investiert worden, die zurückgefordert werden könnten.“ In Albert-Schweitzer-Schule und Hauptschule Alstaden seien jedoch je 1,6 Mio Euro in den Ganztag gepackt worden, die die Stadt zurückzahlen müsste, wenn sie die Schulen schließt. Als Alternative zum Aus für St. Michael nennt Frind die Variante: „Wir lösen die Albert-Schweitzer oder die Hauptschule Alstaden auf und führen dort St. Michael weiter. Oder die Albert-Schweitzer -Schule und die Hauptschule Alstaden übernehmen einen katholischen Zweig.“

Ende der Hauptschulen

Frind glaubt jedoch generell nicht an die Zukunft von Hauptschulen, „weil die Eltern diese Schulform nicht mehr wollen“. Da die Schülerzahlen an allen Schulformen rückläufig seien und dort von den Kapazitäten her die Möglichkeit bestünde, die Kinder aufzunehmen, die jetzt noch zur Hauptschule gehen, sieht Frind das Ende für diese Schulform voraus.

 
 

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