Konzertreihe Gitarrissimo blickt skeptisch in die Zukunft

500 Konzerte organisiert: Top-Gitarristen Peter Groesdonk, Klaus Boesser-Ferrari, Peter Kroll-Ploeger und Don Ross (v.l.) gratulieren Jürgen Reinke.
500 Konzerte organisiert: Top-Gitarristen Peter Groesdonk, Klaus Boesser-Ferrari, Peter Kroll-Ploeger und Don Ross (v.l.) gratulieren Jürgen Reinke.
Foto: WAZ Fotopool
Veranstaltungen müssen mehr Geld einspielen, um die Qualität des Angebots zu garantieren. Dennoch geht’s 2015 weiter. Vielfalt bleibt Trumpf.

Oberhausen.. Das zehnjährigen Jubiläum der Reihe gefeiert, das 500. Konzert auf die Beine gestellt, tolle Musiker verpflichtet und wieder ein Festival mit Wettbewerb organisiert, das weit über die Stadtgrenzen hinaus Beachtung fand: Besser geht’s nicht, möchte man dem Vorsitzenden des Vereins Gitarrissimo ins Gästebuch schreiben. Weiter so! Doch das will Jürgen Reinke so nicht stehen lassen. Der Fortbestand der Konzert-Aktivitäten hänge entscheidend davon ab, ob es 2015 gelingen werde, 5000 Euro mehr einzuspielen. „Das ist nämlich die Summe, die mir fehlt, und ich bin nicht bereit und in der Lage, selbst dafür aufzukommen.“

Keine Katastrophenzahl

5000 Euro. Klingt als Gesamtsumme wie ein großer Betrag, ist aber eher wenig, wenn man das fehlende Geld auf 40 Konzerte verteilt. Deshalb sagt Reinke ja auch, dass es „keine Katastrophenzahl“ sei. Doch wie kommt sie zustande?

Schuld sei „ein allgemeiner Trend“ sagt Reinke: „Dass die Besucherzahlen bei Live-Konzerten zurückgehen, weiß ich aus Gesprächen mit anderen Musikern und Veranstaltern. Es findet einfach zu viel statt in der Region.“ Ein besonderer Dorn im Auge sind Reinke Konzerte mit dem Zusatz „der Hut geht rum“.

Keine Abstriche beim Niveau

„Man ist nicht mehr bereit, Musikern eine Mindestgage zu bezahlen, und die Künstlerversorgung wird auch nicht gewährleistet.“ Eine Kritik, die auf Spielorte abzielt, deren Betreiber schließlich von Musik-Veranstaltungen profitieren, weil Gäste normalerweise auch konsumieren. Das Problem habe aber auch etwas mit Können und Bekanntheitsgrad der auftretenden Musiker zu tun. „Und ich bin nicht bereit, Abstriche zu machen. Unsere Besucher sind Michael Fix oder Don Ross gewohnt, und es gibt nicht so viele, die auf dem Niveau spielen und keine abenteuerlichen Gagen-Vorstellungen haben. Je besser die Leute, umso höher die Forderungen der Garantie-Gagen, umso höher ist mein Risiko, das Loch, in das ich fallen kann, weil es unvorhersehbare Ereignisse gibt. Wer weiß schon im Voraus, welche Mannschaft wie im Europapokal abschneidet.“

Nichts desto trotz stehen fürs Jahr 2015 bereits 23 Gitarrissimo-Termine fest, einige auch schon fürs Guitar-Festival, „da kommen wieder klasse Leute“. Egal, was passiere, das Festival werde weiter leben, sein Klassik-Teil auch oder ganz besonders. „Da hatten wir schließlich den Besucher-Zuwachs von 30 Prozent und das hatte mit dem Wettbewerb zu tun, an dem 26 Gitarristen teilnahmen.“ Sogar das Sponsoring sei in Ordnung gewesen.

Vielfalt ist Programm

Was die Klassik angeht, ist Reinke auch deshalb so zuversichtlich, weil Festivals in Augsburg und Nordhorn ebenso mit im Boot sind wie die Uni Köln mit Professor Hubert Käppel. „Hier sehe ich Möglichkeiten auf lange Sicht, und es ist eine Entlastung für mich, dass Tristan Angenendt (Preisträger vieler Wettbewerbe) die Organisation übernommen hat. Er stellt die Kontakte zu den Unis her, übernimmt die Werbung für den Wettbewerb.“ Das sei ja gerade das Aushängeschild des Vereins Gitarrissimo und auch des Festivals, dass es allen Sparten der Gitarrenmusik in ihrer breiten Vielfalt Raum gebe. Reinke: „Das gibt es nur hier und das wird national anerkannt.“

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