Kölsch-Rock-Gruppe "Brings" - Sänger Peter Brings im Gespräch

Brings-Sänger Peter Brings erklärt im Interview, was Köln und das Revier unterscheidet.
Brings-Sänger Peter Brings erklärt im Interview, was Köln und das Revier unterscheidet.
Foto: WR
Die Kölsch-Rock-Gruppe "Brings" ist Garant für Ohrwürmer. Am 31. Mai ist sie im Ebertbad in Oberhausen zu sehen. Ein Interview mit Sänger Peter Brings über Fußball, Karneval und den Unterschied zwischen Köln und dem Ruhrgebiet.

Oberhausen.. Ihre Lieder sind echte Ohrwürmer („Superjeilezick“, „Poppe, Kaate, Danze“). Die Kölsch-Rock-Gruppe „Brings“ füllt längst auch abseits des Rheins große Hallen. Am 31. Mai kommen sie zu einem Kuschelkonzert ins Oberhausener Ebertbad. Sänger Peter Brings über Fußball, Karneval und authentische Volksmusik.

Kölner und Oberhausener verbindet ein Trauma: Beide Fußball-Vereine sind abgestiegen. Wie haben Sie die Misere als Fan erlebt?

Peter Brings: Wir haben eine Woche vor dem Abstieg mit Lukas Podolski noch einen Song aufgenommen - waren also ganz nah dran. Unsere Seele ist leidgeprüft. Seit wir im Karneval spielen, ist der Verein drei Mal abgestiegen. Wir sind also Profis. Jetzt kannst du nur noch hoffen.

Passt Ihre Musik zum Fußball?

Brings: Immer, wenn ‘Poppe, Kaate, Danze’ im Stadion gespielt wird, weißt du genau: Jetzt ist ein Tor gefallen! Wir sind nun mal in Köln. Und der FC ist halt auch ein Karnevalsverein. Das ist wie ein Ritterschlag.

Fußball-Kultur wird gelebt, aber auch missbraucht. Nach dem Abstieg gab es in Köln Ausschreitungen. Auch ein abgedrängter Bus mit Gladbach-Fans auf der Autobahn ist nicht gerade ein Ruhmesblatt.

Brings: Das hat für mich nichts mehr mit Fußball zu tun. Das sind Vandalen, die auch verurteilt gehören. Fans machen so etwas nicht. Es ist schade, dass andere darunter leiden müssen, wenn von 50.000 Leuten im Stadion 50 plötzlich Wind machen.

Was unterscheidet die Menschen im Ruhrgebiet und in Köln?

Brings: Die Leute im Ruhrgebiet sind näher dran. Alle Leute singen beim Konzert mit, obwohl das gar nicht ihre Sprache ist. Durch die Industrialisierung sind die Leute von überall her ins Revier gekommen. Auch aus den östlichen Ländern. Wir machen viel Polka und slawische Musik - vielleicht gibt es da ein Urverständnis. Es ist Volksmusik im ursprünglichen Sinn. Polka ist der wahre Punk.

Ist die Kölsche Mundart außerhalb von Köln ein Hindernis?

Brings: Es ist oft ein Hindernis, was die Medien angeht. Bei Florian Silbereisen oder dem Fernsehgarten heißt es dann: Nee, das ist ja Kölsch! Aber die Sprache ist mein Steckenpferd. Ich kann mich nicht besser ausdrücken. Das wird uns wahrscheinlich ewig beschränken. Aber wir leben gut damit. Wenn wir es jetzt noch schaffen, den Kopf ins Ruhrgebiet zu stecken, dann reicht mir das völlig. Ich habe keine Ambitionen ein Superstar zu werden.

Brings ist keine typische Karnevalsband und mischt viele Stilformen. Wollen Sie sich ihre Unverbindlichkeit erhalten?

Brings: Du suchst dir dein Publikum nicht aus. Wenn du Glück hast, findet es dich. Der Karneval war für uns ein großer Sprung, aber auch eine Chance, die wir genutzt haben. Man kann es vielleicht unsere wahre Berufung nennen, weil wir nirgendwo erfolgreicher waren. Wir haben in jeder Session ein treues Publikum mit 350.000 Leuten. Das ist ist wie eine riesige Deutschland-Tournee. Wir machen Punk, Polka, Walzer. Es gibt kein Genre, an das wird uns halten müssen. Was uns zusammenhält, ist meine Stimme und dass wir Kölsch singen. Sonst können wir alles machen!

Können Sie sich mit dem Karneval identifizieren?

Brings: Der Karneval ist mittlerweile so entstaubt worden, dass ich jederzeit Prinz werden würde.

Haben Gruppen wie Brings einen Anteil daran, dass der Karneval entkrampfter wirkt?

Brings: Als wir mit „Superjeilezick“ vor elf Jahren zum Karneval gekommen sind, haben wir eine Sprache kultiviert, die vorher undenkbar war. Als im Gürzenich der Prinz hinter uns `Machen wir uns die Tüte an’ mitgesungen hat, habe ich nur gedacht: Revolution! Weil sie es nicht verstanden haben. Nach unserer ersten Session hat sich das Festkomitee beschwert. Der Vorsitzende hat immer den Saal verlassen, wenn wir gespielt haben. Bei „Poppe, Kaate, Danze“ machen wir uns über die Oberen lustig. Wir haben damals Auftrittsverbot bekommen. Heute ist der Karneval zeitgemäßer geworden.

Besteht an Ihren Auftrittsorten Zeit, sich näher umzuschauen?

Brings: Selten! Wenn der Bus anhält, suchen wir die Steckdose - und wenn wir die gefunden haben, wird es laut. Und wenn du eine halbe Stunde vorher ankommst, dann isst du noch zwei Brötchen, trinkst ein Bier und gehst auf die Bühne. Ich arbeite dann wie jemand, der auf die Nachtschicht geht. Morgens gehe ich zum Sport und bekomme zu Hause noch was von meinen Kindern mit. Meine Söhne sind in der Pubertät, die brauchen mich.

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